Thorsten Frei, Kanzleramtschef und CDU-Bundestagsabgeordneter der Region. Foto: Götz/MediaProd

Im Sparkassenforum spricht Thorsten Frei über Wirtschaftspläne und verrät, wie viel Schlaf sein Job zulässt.

Am Mittwochabend herrscht Aufregung in der Berliner Journalistenblase – auch in Donaueschingen kommt etwas davon an. Dort nämlich, statt in Berlin, weilt der Kanzleramtschef Thorsten Frei an diesem Abend.

 

Die Sparkasse hat zu einem Event für gute Kunden eingeladen. Über 1000 Menschen haben sich am Mittwochabend in den Donauhallen eingefunden, um Thorsten Freis Ausführungen zu lauschen.

Schon vor der Bundestagswahl sei der Termin verabredet worden, so sein Büro. Nun kollidiert dieser mit dem kurzfristig angesetzten Koalitionsausschuss zum Streitthema Strompreis, das im Grunde ein Streit um die Klimapolitik ist.

In Donaueschingen berichtet Arendt Gruben, Vorstandsvorsitzender bei Sparkasse Schwarzwald-Baar, dem amüsierten Publikum, dass der Redner von Friedrich Merz für diesen Abend freibekommen habe, die Veranstaltung somit die wohl einzige deutschlandweit sei, die mit ausdrücklicher Genehmigung des Bundeskanzlers stattfinde.

Arendt Gruben, Vorstandsvorsitzender bei Sparkasse Schwarzwald-Baar. Foto: Götz/MediaProd

„Ich hätte noch eine Terminalternative gehabt, aber garantiert keine so schöne“, scherzt Frei seiner Rede. Dann wendet er sich anderen Themen zu. Eine Stunde lang blickt Frei – ohne Manuskript – auf die Herausforderungen der Zeit und speziell der schwarz-roten Koalition, arbeitet sich vom russischen Angriffskrieg und seinen Auswirkungen auf die Sicherheit Deutschlands („Wir sind mittendrin, ob wir wollen oder nicht“) vor zur Steuerpolitik, zur alternden Gesellschaft und den Anreizen, mit denen die Wirtschaft wieder in Schwung gebracht werden soll.

Verteidigungsfähigkeit überlagert alles

Letzterer, so muss man Frei verstehen, soll im Inland alles untergeordnet werden – so wie außenpolitisch die Anforderung der Verteidigungsfähigkeit alles überlagert. Wirtschaftswachstum hat für den 51-Jährigen oberste Priorität. „Man muss sich manchmal dafür schon entschuldigen. Aber wie will man in einer alternden, schrumpfenden Gesellschaft sonst all die Herausforderungen bezahlen?“, fragt er.

Thorsten Frei – mit seiner Frau Katharina – wartet in der ersten Zuschauerreihe auf seinen Auftritt. Foto: Götz/MediaProd

Von der maroden Infrastruktur bis zur leeren Pflegekasse – es gibt viel zu tun, und für (fast) alles wird viel Geld nötig sein. Bei allem, was die Regierung angeht, will Frei deshalb die Frage stellen: Dient es der Wettbewerbsfähigkeit unserer Wirtschaft?

Auch wenn Frei nicht in Berlin dabei ist, lässt sich bei ihm in Donaueschingen heraushören, zu welchem Ergebnis der Koalitionsausschuss kommen dürfte: Die Strompreissenkung für Privatpersonen und nicht-produzierende Unternehmen ist nicht drin, es gibt nur die Entlastung bei den Netzentgelten und der Gaspreisumlage, so lautet das Ergebnis dann auch am Donnerstagmorgen.

Kommunalpolitisch geprägt

Zu hoch wären die Kosten dafür, um den Verbraucher um ein paar Dutzend Euro im Jahr zu entlasten, entstünde eine Fünf-Milliarden-Euro-Lücke im Haushalt. „Wenn die beste Lösung nicht geht, kümmern wir uns um die zweitbeste“, gibt Frei die Devise aus. „Ich bin da kommunalpolitisch geprägt, das heißt total pragmatisch.“

Vertrauen in den Staat will Frei zurückgewinnen, auch indem über Bürokratieabbau nicht mehr nur geredet wird. Ein „Lieferkettensorgfaltspflichtenaufhebungsgesetz“ ist dem CDU-Mann zufolge bereits in Arbeit, ein Sammelgesetz soll vor allem Unternehmen die Arbeit erleichtern.Gleichzeitig weist Frei darauf hin, dass das Übel des Bürokratiewahns nicht nur in Parlamenten und Amtsstuben entsteht, sondern auch aus dem Sicherheitsbedürfnis der Bürger geboren wird. „Wenn irgendetwas passiert, ist die erste Frage: Wer ist schuld?“, sagt Frei.

Bedrohungslage nicht kleiner geworden

Ob man auf die Poller gegen mögliche Terrorakte bald wieder verzichten könne? Das will Frei, zu dessen Verantwortungsbereich der Bundesnachrichtendienst zählt, nicht zusagen: „In den vergangenen Wochen ist die Bedrohungslage nicht kleiner geworden.“

Für den BND ist Frei rund um die Uhr erreichbar. Gearbeitet wird oft bis spät in die Nacht. Zur Zeit müssten vier Stunden Schlaf genügen, bekennt Frei auf Nachfrage.

Seine Frau Katharina und die drei Kinder waren in den Pfingstferien eine Woche bei ihm in Berlin. Viel gemeinsame Zeit aber hatten sie nicht, bedauert Frei. Über sein sonstiges Leben als Strohwitwer sagt er: „Ich arbeite, bis alles vom Schreibtisch ist. Es wartet ja niemand auf mich.“

Donald Trump schreckt nicht

An Elan hat der Donaueschinger aber nichts eingebüßt in den ersten zwei Monaten Amtszeit. Die Herausforderungen im Umgang mit Donald Trump scheinen ihn nicht zu schrecken. Wie groß die Nervosität im Kanzleramt vor dem Antrittsbesuch von Friedrich Merz beim US-Präsidenten gewesen sei, wird er gefragt. „Im Kanzleramt herrschte schon Nervosität, das stimmt. Aber nicht bei mir!“

Wenn Frei nicht im Kanzleramt arbeitet, sieht man ihn im Zweifelsfall in politischen Talkshows. „Ich fühl mich wie bei Markus Lanz“, sagt Frei über die Sessel auf dem Podium. Auch dort wisse er nie, wohin mit den Armen. Dort wie auf dem Podium bleibt der 51-Jährige immer ruhig, auch wenn’s heikel wird.

Wie gelingt ihm das? „Training und Disziplin.“ Aus der Haut zu fahren, ist für ihn ein Zeichen mangelnder Souveränität. Außerdem: „In diesem Beruf ist immer irgendwas. Da müssen Sie eine gewisse Gelassenheit haben, sonst gehen Sie daran zugrunde.“