Ulrich Büttner sprach in Furtwangen über die Rauhnächte. Foto: Beatrix Kleiser-Cevik

Historiker Ulrich Büttner sprach über die Faszination der Rauhnächte. Besonders die Heilige Nacht des 24. Dezember hat es in sich.

Ulrich Büttner, Historiker aus Konstanz, referierte auf Einladung des Bildungswerks Bregtal über Mythen und Legenden, teils heidnischen, teils frühchristlichen Ursprungs, die mit den Rauhnächten in Verbindung gebracht werden.

 

Der Referent verstand es, den zahlreichen Zuhörern einige Bräuche des südwestdeutschen Raumes näherzubringen. Diese dunkelste Zeit des Jahres, von den Menschen angstvoll mit Gottferne und Dämonen besetzt, hat schon seit Jahrtausenden die Fantasie beflügelt. Sie verbindet Freudiges mit Düsterem und beginnt meist am 21. Dezember mit der Thomasnacht zur Wintersonnenwende. Das Ritual des Glockenläutens bis tief in die Nacht soll böse Geister vertreiben.

In der Heiligen Nacht des 24. Dezember gibt es den Brauch, Trockenfrüchte, Marzipan und Mohngebäck zu essen, um die früher übliche Fastenzeit zu beenden. Stehe man um Mitternacht an einer Kreuzung, könne man in dieser Nacht erkennen, in welchem Haus im neuen Jahr jemand sterben wird. Viele Zuhörer kannten die Legende, wonach Tiere in dieser Nacht wie Menschen sprechen könnten, doch wer sie anspricht, müsse sterben.

Auch der 31. Dezember kennt Rituale, wie ein warmes Bad, das alles Unreine des alten Jahres abwaschen soll, das Ausräuchern der Wohnung oder das Zinngießen. Die Nacht des 5. Januar gehört der „Wilden Jagd“, einem Schimmelreiter mit Gefolge, die über den Himmel ziehen. Je nach Vision und Begleitmusik sollen sie Katastrophen, Krieg, den Tod des Schauenden und manchmal auch etwas Gutes ankündigen und könne in dieser Zeit aufgehängte, weiße Wäsche in ein Totenhemd verwandeln.