Der HBW und THW Kiel liefern sich beim 36:41 im Achtelfinale des Pokals eine packende Begegnung. Wir haben Stimmen von Jicha, Matti Flohr, Tobias Heinzelmann und Magnus Bierfreund.
Warme Worte für den Gegner gehören auf Pressekonferenzen nach Sportereignissen fast schon obligatorisch dazu. Wenn die eigene Mannschaft das Spiel dann noch gewonnen hat, geht ein Lob an den Kontrahenten auch nochmals leichter über die Lippen.
Insofern war es nicht komplett verwunderlich, das Filip Jicha – Trainer des THW Kiel – am Mittwochabend auch die Leistung des HBW hervorhob. Was der Welthandballer von 2010 aber zu sagen hatte, ging weit über die üblichen Floskeln hinaus und wirkte sehr authentisch: „Ich habe meine Jungs in der Trainingswoche versucht, auf genau das vorzubereiten, was wir in den 60 Minuten erlebt haben. Es war viel Härte, viel Intensität. Balingen ist eine eingeschworene Truppe, gegen sie ist es immer schwer, gerade in einem K.O.-Spiel. Wir hatten großen Respekt und das auch zu recht, das hat sich vor allem in der 2. Halbzeit gezeigt.“
Jicha denkt an 2009
So hatte das Team von Matti Flohr aus einem Vier-Tore-Rückstand zur Pause recht zügig eine Zwei-Tore-Führung gemacht. Jicha und seiner Mannschaft blieb eine Niederlage aber erspart – es wäre nicht seine erste an der Eyach gewesen. Er merkte an: „Wir wollten hier nicht 36 Tore kriegen, aber Balingen hat aufs Gaspedal gedrückt. Ich mag diese Halle wirklich, auch wenn der 23. Dezember 2009 noch tief in mir liegt.“ Damals hatten die „Gallier“ in der Bundesliga mit 39:37 die Sensation geschafft.
Dass es zu dieser am Mittwoch nicht kam, lag unter anderem auch an Elias Ellefsen á Skipagøtu. Der Mann von den Färöer Inseln sollte eigentlich gar nicht spielen, da er angeschlagen war. Nach seiner späten Einwechslung gelangen ihm aber noch sieben – teils eminent wichtige – Tore. Flohr erkannte: „Unsere 41 Gegentore sind dem Tempo und der Qualität von Kiel geschuldet. Wir haben gegen eine der besten Mannschaften der Welt gespielt. Es war ein Angriffsspektakel auf beiden Seiten, ich bin stolz auf mein Team.“
Kein Kommentar
In mehreren Phasen war der HBW und die Halle nicht zufrieden mit den Entscheidungen der Schiedsrichter. In den Vordergrund rücken wollten das die Beteiligten im Nachgang aber nicht. Flohr wollte die Frage dazu auf der Pressekonferenz „akustisch nicht verstanden haben“. Kapitän Tobias Heinzelmann meinte: „Es gab so ein, zwei Pfiffe, die uns auch gut getan hätten. So etwas ist dann immer ärgerlich. Wenn man gegen Kiel gewinnen will, muss alles stimmen. In erster Linie müssen wir uns an die eigene Nase fassen und noch ein bisschen abgezockter sein. Ich denke aber, wir können sehr zufrieden sein mit der Leistung.
Der Abend des Magnus Bierfreund
Eine ganz besondere Partie war es für Torhüter Magnus Bierfreund. Der 21-Jährige, geboren in Kiel und auch schon für die „Jung-Zebras“ aktiv, kam Ende der 1. Halbzeit in die Partie und zeigte eine starke Leistung. Er sagte: „Es hat unfassbar Spaß gemacht, ich habe alles aufgesaugt. Die ersten zwei, drei Aktionen war ich schon nervös, bin aber ruhiger geworden und habe auch ein paar Bälle gehalten.“
Flohr lobte: „Es hat mich riesig für ihn gefreut. Er hat uns mit seinen Paraden mit in die Spur gebracht.“ Und auch der Capitano war angetan vom Youngster: „Gegen seinen alten Club ist es natürlich cool, wenn er so rein kommt. Für einen jungen Kerl ist es mega, wenn er einige Paraden dazu beisteuern kann.“ Sechs Paraden waren es am Ende für den Youngster, der durch die Verletzung von Benedek Nagy in den Balinger Kader gerückt ist und nun gegen „seine Kieler“ zeigen durfte, was in ihm steckt.
Bereits am Sonntag geht es für den HBW im Ligaalltag weiter. Es gilt Punkte in der 2. Liga zu sammeln. Und Jicha meinte abschließend: „Ich hoffe, wir sehen uns nächstes Jahr in der Bundesliga.“