Dass die spanische Nationalmannschaft ihr EM-Quartier im Donaueschinger Öschberghof aufgeschlagen hat, sorgt für eine besondere Strahlkraft in der Region. Doch wie die Mitarbeiter hierfür von UEFA und Behörden durchleuchtet wurden, löste teilweise Empörung aus.
Mit Spanien hat ein potenzieller Fußball-Europameister sein Mannschaftshotel während des deutschen Großereignisses in der hiesigen Region. Denn die Iberer konnte sich nach einem 2:1-Sieg im Halbfinale gegen Frankreich für das Endspiel am kommenden Sonntag qualifizieren.
Die Nationalspieler dürfen deshalb weiterhin die erstklassigen Bedingungen am Öschberghof und den Aasener Sportstätten genießen, größtenteils abgeschottet von der Außenwelt. Nur Teammitglieder und besondere Funktionäre haben Zutritt zum Fünf-Sterne-Luxushotel – und natürlich die dortigen Mitarbeiter, die sich um das Wohl der Fußballstars kümmern.
Doch noch bevor die Spanier angereist waren, sorgte das Vorgehen der UEFA, als europäischer Fußballdachverband der Veranstalter der EM, für Kopfschütteln. An unsere Redaktion wurden Informationen herangetragen, wonach die UEFA vom Hotel die Herausgabe von teils sensiblen Daten der Mitarbeiter gefordert hatte – einschließlich Vorstrafen und sogar Fingerabdrücke. „Sehr empört“ sei man deswegen gewesen, heißt es vom Personal.
UEFA bestätigt Datenabfrage
Verschärfte Sicherheitsvorkehrungen rund um die Hotels der EM-Teilnehmer dürften dabei selbstverständlich sein – doch kann es tatsächlich sein, dass die Mitarbeiter sensible personenbezogene Daten herausgeben mussten?
Unsere Redaktion konfrontiert die UEFA mit den Informationen. In der Zentrale des Verbandes im Schweizer Nyon wird bestätigt, was Öschberghof-Mitarbeiter berichtet haben. Allerdings schiebt die UEFA-Medienabteilung der deutschen Polizei die Verantwortung für diesen Vorgang zu.
Screening der deutschen Behörden?
In einer schriftlichen Stellungnahme heißt es: „Die UEFA kam einem Ersuchen der deutschen Polizei nach, Informationen über Personal in Hotels der Mannschaften zu sammeln, um das Screening-Verfahren der Behörden zu unterstützen.“ Der gesamte Umgang mit den Daten der Mitarbeiter sei „in Übereinstimmung mit den deutschen Datenschutzgesetzen“ erfolgt.
Für Details verweist man an die „deutsche Polizei“. Beim Innenministerium Baden-Württemberg kennt man die Hintergründe zur Herausgabe der Daten. Grund dafür sei aber nicht ein Ersuchen der deutschen Behörden gewesen, sondern ein Akkreditierungsverfahren der UEFA mit „behördlicher Zuverlässigkeitsprüfung“, wie Ministeriumssprecherin Katharina Lutz-Schädler auf Anfrage unserer Redaktion erklärt.
Akkreditierung für eingesetztes Personal
Demnach habe die EURO 2024 GmbH als Veranstalterin dieses Verfahren zur Gewährleistung der Sicherheit während der Europameisterschaft durchgeführt, wiederum „auf Empfehlung der Sicherheitsbehörden“. Hierdurch solle sichergestellt werden, dass nur berechtigtes Personal ohne Sicherheitsbedenken einen Zugang zu sensiblen Veranstaltungsbereichen hat.
Das Akkreditierungsverfahren betreffe neben dem an und in den Stadien eingesetztes Personal ebenso die Beschäftigten an den Teams-Hotels und Trainingsstätten, demnach auch vom Öschberghof. Die personenbezogenen Daten seien, so Lutz-Schädler, „nach erfolgter Einwilligung der Akkreditierungsbewerberinnen und -bewerber“ durch die Veranstalterin erhoben und im Falle des Öschberghofs an das Polizeipräsidium Konstanz übermittelt worden. Dies alles sei im Rahmen der gesetzlichen Vorgaben geschehen, konkret: des Polizeigesetzes Baden-Württembergs.
Polizei scannt teilweise auch Fingerabdrücke
Zum Abgleich und der Verifizierung der Personendaten habe die Polizei eine Überprüfung der Personen sowie der Ausweisdokumente durchgeführt. Welche Daten hierbei eine Rolle spielten, erklärt die Sprecherin nicht. Aber tatsächlich seien teilweise sogar biometrische Daten erhoben worden, so wie es im Umfeld des Öschberghofs geheißen hat. Lutz-Schädler: „Konnte die Identität nicht zweifelsfrei festgestellt werden, wurde in Ausnahmefällen auch der Fingerabdruck gescannt.“ Diese seien jedoch nicht gespeichert worden.
Welche Konsequenzen hätte es für die Mitarbeiter des Luxushotels gehabt, wenn sie sich für diese Akkreditierung nicht „beworben“ und dann trotz Angestelltenverhältnis nicht die spanischen Nationalspieler hätten betreuen dürfen? Das bleibt in diesem Fall unklar.