Die Stimmung im EM-Camp der Spanier zwei Tage vor dem Viertelfinal-Duell. Rodri und Co. haben sich in Aasen schon viele Sympathiepunkte verdient. Der „Hotel-Zweikampf“ in Stuttgart geht an die Iberer.
Gefühlter Frühherbst im Juli auf der Baar. Es nieselt zeitweise und es ist kühl. Die Spanier am Mittwoch beim Vormittagstraining auf dem Sportplatz in Aasen: Nationalcoach Luis de la Fuente lässt Spielformen üben. Viel ist für Neugierige nicht zu sehen. Der spanische Trainer hat die Schotten dicht gemacht – Geheimtraining.
Vor dem Sportplatz warten rund 100 Fans, um vielleicht nach der Trainingseinheit mit den Stars ein Selfie machen zu können. Zwei Familien aus Nordspanien wollen am Donnerstag auf dem nahen Donauradweg losradeln. Klar doch, dass sie noch irgendetwas von ihrem Nationalteam erhaschen wollen.
Sehr viele Sympathien
Nur noch zwei Mal wach werden, dann geht es für Spanien am Freitag im Viertelfinale gegen Deutschland. Beim Gastgeber SV Aasen ist die Gefühlswelt gemischt. Zu sehr haben sie beim Bezirksligisten die spanischen Weltklassefußballer seit dem EM-Start ins Herz geschlossen. „Das sind tolle Jungs, symphatisch, bescheiden und sehr nahbar. Die Mannschaft wirkt wie eine große Familie. Das ist fantastisch anzusehen. Wir sind stolz, dass sie bei uns trainieren“, beschreibt es Matthias Reddemann.
Der geschäftsführende Vorstand des SV Aasen ist ehrlich: „Das ist jetzt kompliziert mit dem Daumendrücken. Wir alle hätten uns dieses Duell erst im Finale gewünscht. Aber dafür hätte Niclas Füllkrug halt gegen die Schweiz nicht zum Gruppensieg treffen dürfen“, sagt Matthias Reddemann und lacht.
Der Tipp des Donaueschinger Stadtoberhaupts
Als vor zwei Wochen das einzige öffentliche Training der Spanier vor 500 Zuschauern in Aasen lief, hatte sich Donaueschingens Oberbürgermeister Erik Pauly – strahlend im gerade geschenkten Nationaltrikot der Iberer – gewünscht, dass sich unser Team und Spanien erst im Finale begegnen.
Jetzt blickt Erik Pauly auf den Freitag: „Zu einem Endspiel zwischen beiden Teams kommt es nun ja nicht. In diesem Viertelfinale bin ich natürlich für das deutsche Team und ich denke, dass jeder Spanier dafür Verständnis hat. Es wird ein hochkarätiges Viertelfinale. Ich tippe auf ein 3:1 für Deutschland. Unsere Freude ist sehr groß, dass das spanische Team bei uns ist.“
Am Samstag nach der Rückkehr aus Stuttgart heimfahren oder weiter im Öschberghof bleiben? Das ist jetzt die große Frage für die Spanier.
Selbstvertrauen und Demut
Die Stimmung bei Rodri und Co. ist eine Mischung aus viel Selbstbewusstsein aber auch Respekt vor dem deutschen Team. Nationaltrainer Luis de la Fuente sagt: „Wir bekommen es mit einer Fußballmacht zu tun. Die deutsche Mannschaft hat großartige Spieler und agiert sehr diszipliniert.“ Der erfahrene Coach betont aber auch: „Ich sehe ein Viertelfinale auf Augenhöhe, in dem Kleinigkeiten entscheiden werden.“
Stürmer Joselu (bisher Real Madrid) schaltete am Mittwoch kurz vor dem Mittagessen frech in den Vorwärtsgang und schickte eine Nachricht an seinen bisherigen Mitspieler Toni Kroos: „Ich liebe und schätze Toni, aber am Freitag wird er sein letztes Spiel machen.“
Das Hotel-Duell
Zum gesunden Selbstvertrauen des dreifachen Europameisters passt auch das gewonnene Hotel-Duell in Stuttgart. Nicht das deutsche Team wird sich wieder – wie in der Gruppenphase gegen Ungarn – zentral im „Steigenberger“ von Donnerstag auf Freitag einquartieren, sondern die Spanier. Sie haben in Stuttgart – dem Spielplan nach – „Heimrecht“ und griffen sofort zu.
Julian Nagelsmann und sein Kader werden deshalb im Mövenpick-Hotel am Flughafen nächtigen. Die Frage ist nur, wo es nachts leiser ist.