Sozialminister besucht Sozialstation in Oberndorf (von links): Manfred Lucha, Yvonne Wöhrle, Petra Streilling, Yvonne Getzreiter und Geschäftsführer Andreas Bronner. Foto: Steinmetz

Sozialminister Mannfred Lucha besucht ein Erfolgsmodell – und nimmt aus Oberndorf aber auch Aufgaben mit neckarabwärts zurück nach Stuttgart.

Sozialminister Manfred Lucha (Bündnis 90/Die Grünen) kam zwar leicht verspätet, aber gut gelaunt in das Verwaltungsgebäude der Sozialstation in Oberndorf. Das lag nicht nur am herzlichen Empfang mit Kaffee und süßem Gebäck: „Wir jammern nicht“, sagte der Leiter der Sozialstation, Andreas Bronner.

 

Das hörte der Minister gern, zumal er bei seinem Besuch erfuhr, dass die Fördergelder des Landes gut eingesetzt wurden. Rund fünf Millionen Euro seien in Gebäude, Technik, Ausstattung und E-Mobilität geflossen, berichtete Bronner. Dabei sei eine Million Euro an Landeszuschüssen geflossen. Unter anderem in die Tagespflege im Haus Garni: Dort werden täglich 16 Tagespflegegäste – monatlich insgesamt 55 Klienten – betreut.

Betriebsgröße verfünffacht

Diese Investitionen haben sich gelohnt, wie Bronner anhand von einigen Fakten erläuterte. So hat sich die Betriebsgröße innerhalb von zehn Jahren verfünffacht. Im Raum Oberndorf hat die Sozialstation 1350 Klienten, knapp 600 sind es in Rottweil.

Aktuell werden 110 Mitarbeiter in verschiedenen Bereichen beschäftigt. Personalnot gibt es nicht: „Wir haben in der Regel mehr Bewerber als Stellen.“ Dank stabiler Dienstpläne und flexibler Arbeitsstrukturen seien die Fluktuation gering sowie der Krankenstand sehr niedrig.

Manfred Lucha (links), in Oberndorf zuletzt wegen der Schließung der Notfallpraxis stark kritisiert, war jetzt zu Besuch in der Sozialstation, wo ihm deren Leiter Andreas Bronner von einer gesunden Einrichtung berichten konnte. Foto: Steinmetz

Dadurch konnte, so Bronner, in den vergangenen Jahren das Wachstum gesichert werden. Die Sozialstation arbeitet auch rentabel: „Wir haben ein System gefunden, damit es wirtschaftlich und personell funktioniert.“

Bronner berichtete, dass inzwischen kleinere Einrichtungen insolvent gehen, altershalber aufgegeben werden oder fusionieren müssten. Die Sozialstation mit Verwaltungssitz in Oberndorf habe eine gesunde Größe gefunden. Was er sich aber noch vorstellen könnte, wäre in der Tagespflege auszubauen: „In Rottweil haben wir eine Unterversorgung.“

Digitalisierung muss sein

2000 Klienten gut zu versorgen, geht inzwischen nur noch mit Hilfe von Digitalisierung. Was Bronner hierbei vermisst, ist ein roter Faden. Jeder, sagen auch die Krankenkassen, wolle es anders haben. Minister Lucha sieht das ähnlich: „Aus Insellösungen müssen wir Systemangebote machen.“ Die vorhandenen Kapazitäten und Ressourcen könnten somit besser genutzt werden.

Zugleich unterstrich er die Bedeutung der ambulanten Pflege. In den vergangenen 20 Jahren sei die Zahl der Menschen, die daheim gepflegt werden, gleich geblieben. Mehr Geld stellte Lucha für die ambulante Pflege nicht in Aussicht. Was vorhanden ist, sollte zielgenauer eingesetzt werden.

Weniger Bürokratie

Wunschlos sind Bronner und seine Mitarbeiterinnen in der Verwaltung der Sozialstation nicht. Statt Entbürokratisierung hätten sich mehr bürokratische Aufgaben eingestellt, so unter anderem bei Abrechnungen von Leistungen für die Patienten. Auch müssten zahlreiche Daten, die bereits in anderen Systemen existierten, erneut erfasst und übermittelt werden. Lucha nahm die Liste mit nach Stuttgart.

Info

Die Sozialstation
mit Verwaltungssitz in Oberndorf ist eine gemeinnützige Gesellschaft, getragen von evangelischen und katholischen Kirchengemeinden aus dem Einzugsgebiet im Raum Oberndorf und Rottweil sowie den Kommunen Oberndorf, Epfendorf und Fluorn-Winzeln. Weil die evangelischen Kirchengemeinden die meisten Geschäftsanteile halten, ist die Sozialstation Mitglied der Diakonie Württemberg. „Wir sehen uns als ökumenisch-kommunaler Träger“, sagte Geschäftsführer Andreas Bronner beim Besuch von Sozialminister Manfred Lucha.