Die Vesperkirche lädt vom 19. Januar bis 9. Februar wieder in die Schwenninger Pauluskirche ein. Foto: Marc Eich

Sie ist zu einer festen Institution geworden, und zwar für alle Bürger aus VS: Die Vesperkirche, die vom 19. Januar bis 9. Februar in die Schwenninger Pauluskirche lockt. Im Vorfeld der 22. Ausgabe gibt es Neuerungen, Sorgen und Hoffnung zugleich.

4160 Gäste, 4880 Essen, 360 ehrenamtliche Mitarbeiter: So die Bilanz der vergangenen Vesperkirche . Und diese Zahlen sprechen für sich. Das Sozialprojekt, das federführend vom evangelischen Pfarrer Andreas Güntter im Jahr 2002 ins Leben gerufen worden ist, ist im Laufe der Jahre zu einem Erfolgsmodell geworden.

 

Immer Anfang des Jahres – früher vier, mittlerweile drei Wochen lang – lädt sie Menschen unterschiedlicher Schichten zu einer gemeinsamen Mahlzeit in die Pauluskirche ein. Auch wenn die Entscheidung weiterzumachen von den Verantwortlichen jedes Jahr aufs Neue getroffen werden muss, betonen Reinhold Hummel und Hans-Ulrich Hofmann, die seit vielen Jahren zum Organisationsteam gehören.

Entscheidung aufs Neue

Absolute Voraussetzung sei, dass sich genügend Ehrenamtliche für die sogenannten Funktionsstellen finden. Dazu zählen Pfarrer, Tages- und Küchenleitungen oder auch Technikexperten. Alles Personen, ohne die bei der Vesperkirche nichts geht. „Es war eine Gemeinschaftsentscheidung, dass es eine 22. Ausgabe geben wird“, erzählt Hummel, der froh ist, dass alle verantwortungsvollen Positionen wiederbesetzt sind. Glücklich ist man auch über das Engagement von Frank Banse, eigentlich Pfarrer im Ruhestand, der bei der evangelische Kirchengemeinde derzeit vermehrt im Einsatz ist, um die diakonische Pfarrlücke zu füllen.

Kosten steigen

Doch auch wenn die Vesperkirche nach außen hin wie ein Selbstläufer wirkt, zur Selbstverständlichkeit ist sie dennoch nicht geworden. „Die Kosten bereiten uns mittlerweile Sorgen“, sagt Reinhold Hummel, ehemaliger Leiter der diakonischen Beratungsstelle in Schwenningen. Und das seit etwa vier Jahren. Da war die Coronakrise, in der das Sozialprojekt nicht stattfinden und keine Einnahmen beziehungsweise Spenden bringen konnte. Dann kam die Inflationswelle, in der sich die Kosten nahezu verdoppelt hätten.

Eine warme Mittagsmahlzeit – Salat, Hauptgang, Nachtisch – kostet mittlerweile etwa zehn Euro. Ein Betrag, der von den Gästen aber nicht grundsätzlich verlangt wird. Für einen Essensbon sind zwei Euro – im Übrigen früher ein Euro – an der Kasse im Eingangsbereich der Pauluskirche zu zahlen. Ein symbolischer Wert, wie Hans-Ulrich Hofmann, Pastor der evangelisch-methodistischen Kirche im Ruhestand, der bei der Vesperkirche seit 2012 an vorderster Front mit dabei ist, erklärt – „als Gedanken der Würde“. Angewiesen ist man jedoch auch auf die Gäste, die in der Lage sind, mehr zu zahlen – sowie auf größere Spenden von Betrieben oder Institutionen, und das mehr denn je. Dennoch macht Reinhold Hummel deutlich: „Im Vordergrund stehen immer noch die Begegnungen, und nicht die Kosten.“ Die Vesperkirche habe sich immer selber getragen, und das solle auch so bleiben.

Neue Partner

Mit einigen Neuerungen sehen sich die Organisatoren aber diesmal konfrontiert: Bisher habe die Küche des St. Franziskusheims in Schwenningen die Vesperkirche mit bis zu 300 Essen pro Tag beliefert, diese gibt es aber inzwischen nicht mehr. Mit der Küche des AWO-Seniorenheims habe man aber adäquaten Ersatz gefunden. Sie beliefert nämlich schon seit geraumer Zeit die Vesperkirche Plus, die jeden letzten Samstag im Monat in der Schwenninger Friedenskirche stattfindet. Ersatz für die Wäschelieferung beziehungsweise -säuberung – allen voran Tischdecken – musste man auch für die Wäscherei Klaiber finden, die durch Umstrukturierungen nicht mehr unterstützen kann. Jetzt übernimmt dies die Wäscherei Schlenker-Schüle.

Hans-Ulrich Hofmann (links) und Reinhold Hummel vom Organisationsteam haben im Vorfeld der 22. Ausgabe der Vesperkirche in Schwenningen mit einigen Herausforderungen zu kämpfen. Foto: Mareike Kratt

Als Andreas Güntter seine Pfarrstelle in der evangelischen Gemeinde und somit auch sein Engagement bei der Vesperkirche aufgegeben hat, musste auch das kulturelle Rahmenprogramm in andere Hände gelegt werden. Seither ist Rolf Klaiber, bekannt durch Härings Kulturcafé, dafür zuständig und werde auch für die 22. Ausgabe wieder ein vielfältiges Programm auf die Beine stellen, versprechen Hofmann und Hummel.

Und dann sind da noch die übrigen ehrenamtliche Helfer – egal, ob an der Kasse, in der Küche, bei der Essensausgabe hinter der Theke oder im Service –, ohne die das Sozialprojekt nicht funktionieren würde. Einige gebe es tatsächlich, die schon vor 21 Jahren bei der Gründung mit dabei waren. Und auch, wenn viele Ehrenamtliche im Laufe der Jahre ihr Engagement altersbedingt niederlegen müssen, komme eigentlich genügend Bereitschaft nach.

Projekt mit Zukunft

Für die 22. Ausgabe wünschen sich die Organisatoren aber nicht nur wieder viele Helfer, sondern auch viele Gäste. „Wir hoffen, dass sich die ganze Stadt wieder in der Pauluskirche trifft“, so Reinhold Hummel. Demnach verstehe er das Sozialprojekt nicht als „Armutsbekämpfungsaktion“, sondern als Begegnungsort, an dem aus vielen Quellen gespeist werde. Gemeindeübergreifend betrachtet sei die Vesperkirche – im Gegensatz zu vielen anderen Bereichen – eine lebendige Bewegung der Kirche, die sich noch mehr ausweiten werde, ist er sich sicher. Als zukunftsorientiertes Gemeinschaftsprojekt, durch das die Kirche neue Wege gehen und wieder mehr Menschen erreichen könnte.

Mitarbeiter gesucht

Die Anmeldezeiten
Wer beim Ausschenken, Bedienen, Vespertütenpacken, Spülen oder Transport mithelfen möchte, wird gebeten, beim Kontakttelefon der Vesperkirche (07720/6 09 89 10) zu folgenden Zeiten anzurufen: Montag, 2. Dezember, 9 bis 12 und 14 bis 17 Uhr, Dienstag, 3. Dezember, 9 bis 12 und 17 bis 20 Uhr, Mittwoch, 4. Dezember, 14 bis 17 Uhr, Donnerstag, 5. Dezember, 9 bis 12 Uhr, sowie Freitag, 6. Dezember, 14 bis 17 Uhr. Die Mithilfe wird für ganze Tage (10.15 bis 15.30 Uhr) erwünscht.