Blicken auf intensive, aber erfüllende drei Wochen Vesperkirche zurück: Hans-Ulrich Hofmann (links) und Reinhold Hummel vom Leitungsteam. Foto: Mareike Kratt

Am Wochenende geht die Vesperkirche 2025 in der Schwenninger Pauluskirche zu Ende. Essen, Gäste, Organisation, Atmosphäre: Welches Fazit ziehen die Organisatoren? Und: Wie geht es jetzt weiter?

Auch wenn die Besucherresonanz in diesem Jahr etwas geringer ist als sonst – während im vergangenen Jahr durchschnittlich 182 Essensgäste pro Tag kamen, waren es diesmal 166 – ist man mit dem Verlauf der 22. Ausgabe der Vesperkirche sehr zufrieden. Für ihn persönlich sei der Erfolg der Vesperkirche sowieso nicht an Zahlen messbar, sagt Reinhold Hummel vom Leitungsteam.

 

Vielmehr seien es die Menschen selber, die die Vesperkirche zu einem Erfolgsmodell machten – sowohl die helfenden Ehrenamtlichen als auch die Gäste. „In der Vesperkirche hat man die Chance, in völlig anderer Atmosphäre und Umgebung Menschen milieuübergreifend kennenzulernen“, fügt er hinzu. Und das führe zu einer ganz besonderen Mischung an (Zwischen-)Menschlichem.

Motto umgesetzt

Hans-Ulrich Hofmann, ebenso im Leitungsteam, freut sich indes, dass das Motto „Gemeinsam an einen Tisch“ immer wieder aufs Neue gelinge – und das trotz möglicher politisch konträrer Einstellungen der Gäste. Politik, im aktuellen Fall auch Wahlkampf, sei hier nämlich selten ein Thema. Die Vesperkirche sei ein Ort, an dem keine Spannungen erzeugt werden – ein „sehr robustes Konzept“.

Alles andere als robust waren allerdings die Vorzeichen der 22. Ausgabe. Denn der (symbolische) Preis für das Mittagessen musste erhöht werden, weil auch der Einkaufspreis höher war, dann mussten eine neue Küche für die Essenszubereitung sowie eine neue Wäscherei für das Waschen von Tischdecken und Schürzen gefunden werden.

Zwei wichtige Partner

Wenn es auch wie in früheren Zeiten mittlerweile keinen Überfluss mehr an Spenden gibt, durch die das Projekt, allen voran das Essen, finanziert wird, seien die Einnahmen aber gut gewesen, betont Reinhold Hummel. Und viel wichtiger: Mit der Küche des AWO-Seniorenzentrums Am Stadtpark sowie der Wäscherei Schlenker-Schüle habe man aber guten Ersatz und zwei wertvolle neue Partner gefunden. „Sie sind ein Zeichen, dass die Vesperkirche zukunftsfähig ist“, findet Hans-Ulrich Hofmann.

Die Pauluskirche ist jeden Tag gut gefüllt. Foto: Mareike Kratt

Azubis verjüngen Projekt

Dass das Sozialprojekt lebendig ist und bleibt, zeigten auch die Ehrenamtlichen, vor allem diejenigen, die jedes Jahr neu dazukommen. Diesmal waren es 40 neue, die eine besondere Funktion übernommen haben. Drei Personen hatten sogar erstmals eine Tagesleitung inne. Und auch hierbei sei es wieder die Mischung an neuen – jungen –, sowie alten und erfahrenen Menschen, die sich ergänzten. Angetan zeigen sich beide Organisatoren von den zahlreichen Auszubildenden der hiesigen Firmen, die tagtäglich den Helferkreis ergänzten – und vor allem verjüngten. Für sie selber sei das Mitwirken am Projekt eine wichtige Erfahrung.

Vielfältiges Kulturprogramm

Dankbar zeigt sich Hans-Ulrich Hofmann gegenüber Rolf Klaiber, der zum dritten Mal ein vielfältiges Kulturprogramm auf die Beine gestellt hat. Mit der Mischung aus Konzerten, Filmen und Lesungen spreche er eine Bandbreite an Gästen an und lasse sich immer wieder etwas Neues einfallen. Für Hofmann sei die Vesperkirche wie eine gut geölte Maschine, die vor 22 Jahren in Betrieb genommen wurde. Die Dankbarkeit der Gäste sowie das Engagement der Ehrenamtlichen hielten diese Maschine am Laufen und entwickelten sie kontinuierlich weiter.

Intensive Gespräche

Die Vesperkirche in ihrer eigentlichen Funktion als Sozialprojekt, Hofmann in seiner eigentlichen Funktion als Seelsorger: Dass er von hilfesuchenden Gästen direkt angesprochen werde, geschehe selten, sagt er. Doch wenn er mit den Gästen zusammen am Tische sitze, dann treten in Gesprächen immer wieder Sachen hervor, die die Person belasten. Materiell, wirtschaftlich, gesundheitlich. Ängste, Existenzsorgen, Beziehungsprobleme. Manchmal bleibe es aber auch beim Smalltalk.

Einige Gäste kämen während der drei Wochen täglich. „Für sie ist die Vesperkirche dann ihre Heimat – oder ihre Ferienwohnung.“ Und manche Gäste kommen sogar schon, bevor die Pauluskirche um 11 Uhr morgens offiziell ihre Türen öffnet. Das sei auch in Ordnung, sagt Hans-Ulrich Hofmann.

Vesperkirche Plus

Auch wenn am Sonntag die 22. Ausgabe zu Ende geht, ist die Vesperkirche in Schwenningen weiterhin präsent: Jeden letzten Sonntag im Monat findet in der Friedenskirche die Vesperkirche Plus statt und hält den sozialen Gedanken das ganze Jahr aufrecht.

Doch im Gegensatz zur eigentlichen Vesperkirche tue sich das Zusatzangebot mittlerweile schwer, regelmäßig Ehrenamtliche zu finden, meint Reinhold Hummel. Wenngleich der Bedarf der Gäste, eine warme Mahlzeit zu bekommen, ins Gespräch zu kommen und sich für ein paar Stunden einfach nur wohlzufühlen, nach wie vor gegeben ist.

So geht die Vesperkirche zu Ende

Der Abschluss
Der Abschlussgottesdienst findet am Sonntag, 9. Februar, 10 Uhr, in der Pauluskirche mit Hans-Ulrich Hofmann, Pastor in Rente, sowie Pfarrer Klaus Gölz von der evangelischen Kirche statt.