Der Verein „Women for Women“ finanziert in Kenia Kühe für benachteiligte Frauen. Foto: Schreiber

Ein Benefizkonzert findet am Samstag, 4. November, ab 20 Uhr in der evangelischen Stadtkirche in Dornhan statt. Der Erlös fließt an den Verein „Women for Women“, der Milchkühe an benachteiligte kenianische Frauen vermittelt. Pfarrer Christoph Gruber holt das Projekt für einen Abend nach Dornhan.

Christina und Bernhard Schreiber aus Tuttlingen wurden von Christoph Gruber zu den Hintergründen dieses Kuh-Projektes befragt.

Wie kam es, dass Sie sich in Kenia engagieren?

Christina Schreiber: 2009 besuchten wir in Kenia ein Waisenhaus. Dessen Gründer hatte uns angefragt, weil wir ein Tonstudio haben, ob wir mit dem Kinderchor des Waisenhauses eine CD aufnehmen könnten.

Dort kam es zur Idee für das Kuh-Projekt?

Bernhard Schreiber: Beim Besuch haben wir festgestellt, dass die Kinder im Heim mit Kleidung und Essen sehr gut versorgt sind und eine gute Schulausbildung genießen. Aber quasi schon vor den Toren des Kinderheims leben viele Witwen und alleinstehende Frauen mit ihren Kindern unter erbärmlichsten Bedingungen. Sie haben kein oder nur ein sehr geringes Einkommen als Tagelöhnerinnen. So können sie es sich zum Beispiel nicht leisten, ihre Kinder oder Enkelkinder zur Schule zu schicken, weil sie die Mittel für Schuluniform und Schulgebühren nicht aufbringen können.

Warum ausgerechnet Kühe?

Christina Schreiber: Kühe bedeuten Existenz. Eine Kuh gibt Milch, die, abgesehen vom Eigenbedarf, verkauft werden kann. Im Laufe der Jahre kommt Nachwuchs, also noch mehr Milch von weiteren Kühen, oder wenn es ein Bulle wird, kann dieser für gutes Geld verkauft werden, um den Kindern Ausbildung oder Studium finanzieren zu können.

Was kostet eine Kuh in Kenia?

Christina Schreiber: Wir kaufen junge sogenannte Local-Cows wie kenianische Friesian, Aryshire oder Indigenious, Sahiwal und Borana. Das sind kleinere Rassen, die weniger Milchleistung als andere Milchkühe erbringen, dafür aber sehr robust, genügsam und pflegeleicht sind. Eine solche Kuh kostet auf den örtlichen Kuhmärkten umgerechnet etwa 250 Euro. In diesem Betrag sind auch die erste tierärztliche Untersuchung, Impfung und der Transport mit einberechnet.

Woher wissen die Frauen wie man mit den Kühen umgeht?

Christina Schreiber: Wir sind in Regionen tätig, wo Kühe allgegenwärtig sind und in vielen Familien der Umgang mit Kühen zum Alltag gehört. Davon abgesehen prüfen unsere Mitarbeiter immer vorab, ob die Bedingungen, um eine Kuh zu halten auch gegeben sind.

Wie sieht Ihre Strategie dazu aus, damit sich das Projekt immer weiter vervielfältigt?

Bernhard Schreiber: Das erstgeborene Kälbchen geben die Frauen nach etwa acht bis zehn Monaten an eine neue Frau, die von unserem Team ausgewählt wird. Das ist quasi ein positives Schneeballsystem. Wenn es ein Bulle ist, wird er verkauft. Damit bezahlen wir einen Teil der Kosten für unsere Mitarbeiter. Erst dann gehört die Kuh der Frau selbst und damit natürlich auch jeder weitere Nachwuchs.

Einen Teil des Verkaufserlöses der Milch legen die Frauen zur Seite. Auch das ist Teil des Konzepts. Was geschieht mit diesem Geld?

Christina Schreiber: Damit können die Frauen bei Bedarf zum Beispiel Tierarztrechnung oder Medikamente bezahlen.

Kenia ist weit weg. Wie koordinieren Sie das Projekt?

Christina Schreiber: Unser Projekt ist mit mehr als 1300 ausgegebenen Kühe sehr umfangreich. Wir haben vor Ort elf Mitarbeiter. Diese haben regelmäßige Touren, bei denen sie die Frauen und deren Kühe besuchen, um zu prüfen, ob alles okay ist oder ob Hilfe nötig ist. Im Bedarfsfall ist unser Tierarzt zur Stelle. Mit ihm arrangieren wir auch die jährlichen Impfaktionen gegen Maul- und Klauenseuche. Wir sind selbst zweimal pro Jahr für etwa drei Monate vor Ort, um alles im Blick zu haben und zu planen. Darüber hinaus haben wir jetzt einen Manager eingestellt, der während unserer Abwesenheit das Projekt leitet.

Was sind aktuelle Herausforderungen in Kenia?

Bernhard Schreiber: Die kenianische Bürokratie ist gewohnheitsbedürftig. Es geht halt alles viel langsamer. Aktuell gibt’s Probleme mit den Visa. Das liegt scheinbar an einer von somalischer Seite verursachten Cyberattacke. Ob das nun wirklich stimmt, können wir nicht sagen. Ein tatsächlich großes Problem sind die sehr stark angestiegen Lebenshaltungskosten. Seit dem Regierungswechsel 2022 hat sich der Preis für Benzin verdoppelt, für Mais, mit ein Hauptnahrungsmittel, in bestimmten Regionen sogar verdreifacht.

Christina Schreiber: Das ist sicher auch der Ukrainekrise geschuldet. Dadurch wird auch der Etat für unser „Home Based Care“ Programm belastet, bei dem wir 50 alte und kranke Personen, die für unser Kuhprojekt nicht in Frage kommen, monatlich mit Grundnahrungsmitteln versorgen. Und Malaria ist allgegenwärtig.

Auf was dürfen sich die Konzertbesucher in Dornhan freuen?

Bernhard Schreiber: Wir haben sehr gute Musiker an Bord. Bettina Kuhn ist Leiterin einer Gesangschule mit einer hervorragenden Stimme und wird von uns oft als Studio-Sängerin gebucht. Das Programm ist von daher mit Balladen und aktuellen Songs Großteils auf sie abgestimmt. Wir haben auch einige moderne christliche Songs im Repertoire. Unser Programm besteht aus zwei Teilen. Dazwischen werden wir einen 15-minütigen Dokumentationsfilm über unser Projekt zeigen. Eine große Milchkanne lädt alle zum Spenden ein.