Partner für den sozialpolitischen Martinstag (v.l.): Margot Heiderich-Valet, Vorsitzende des Aufsichtsrates, Karin Racke, Luca Ghiretti, Patrick Dengel, Jonas Hoffmann, Volker Hentschel, stellvertretender Geschäftsführer der Diakonie und Esther Philipps. Foto: Rolf Reißmann

Poetry Slammer kommen am 14. November zum sozialpolitischen Martinstag ins Nellie Nashorn in Lörrach.

Wer kennt die Geschichte von St. Martin nicht? Der Soldat, der seinen Mantel teilte, um damit einem frierenden Armen zu helfen, wird bis heute gerne als Vorbild genutzt, um das Thema der Nächstenliebe darzustellen.

 

Anlass zum Teilen gibt es auch in unserer Zeit genug. Das Diakonische Werk der evangelischen Kirche spürt das täglich in seiner vielfältigen Beratungs- und Hilfstätigkeit. Und wer aufmerksam die Nachrichten aus dem Inland verfolgt, wird des Öfteren dazu angeregt, darüber nachzudenken, in welcher Weise auch in der Nachbarschaft geholfen werden könnte, um aufkommende oder bestehende Not zu lindern.

Seit 2012 lädt das Diakonische Werk dazu ein, diesen Tag nicht nur mit den Martinsumzügen zu begehen. Die erste Veranstaltung war damals der Wohnungsnot gewidmet, ein Thema, das auch heute wieder Aufmerksamkeit auf sich zieht.

Solidarität und Glück

In den Folgejahren ging es dann um Glücksökonomie und Inklusionstheater oder auch um Gesprächsrunden zum Thema Solidarität in der Gesellschaft. Immer öfter ist zu hören, dass auch solche Bevölkerungskreise in Notsituationen kommen, die bisher mit ihrem Einkommen gut auskamen.

Um dieses Thema einmal anders aufzugreifen, fand die Diakonie einen Partner im Nellie Nashorn. Auch wurde dafür die Feier zum Martinstag etwas verschoben: Am 14. November heißt es im soziokulturellen Zentrum „Bühne frei für soziale Gerechtigkeit – Nellies Poetry slam“. Eben weil dieses Thema Bezug zu allen Altersschichten hat, soll es in ganzer Breite dargestellt werden, diesmal durchaus mit einem Akzent auf die Jugend, meinte Karin Racke, Geschäftsführerin des Diakonischen Werkes Lörrach.

Beratungsbedarf steigt

Gerade hier im Kreis Lörrach, wo die Lebensbedingungen durchaus sehr unterschiedlich sind, sei die Darstellung von Armut oder auch nur fehlender Teilhabe vielfältig zu benennen. Außerdem sei die komplizierte Situation vieler Familien und Alleinlebender auch am zunehmenden Beratungsbedarf zu erkennen. Die finanziellen Ressourcen vieler Institutionen und Organisationen reichten nicht mehr aus.

Bezirksdiakoniepfarrer Luca Ghiretti ergänzte dazu, dass die Kontraste im Dreiländereck besonders groß seien. Die christliche Ethik verpflichte dazu, eine lebenswerte Gegenwart und Zukunft für alle zu schaffen, mehr denn je, weil eben auch bei bisher großen Einkommen Knappheit entstehen könne.

Landtagsabgeordneter Jonas Hoffmann, Mitglied im Aufsichtsrat des Diakonischen Werkes, betrachtete die Situation von der politischen Seite. Die Sozialsysteme seien, gleich durch wen sie geführt und finanziert werden, derzeit unter gewaltigem Druck, am massivsten aus der Gesellschaft selbst. Leider werde aber auch zunehmend Armut als Ergebnis persönlichen Versagens gesehen, was eben überwiegend nicht zutreffe.

Politik steht unter Druck

Die Politik stehe zunehmend unter starkem Handlungszwang. Vor allem das Wohnen entwickle sich zur wichtigsten sozialen Frage unseres Jahrhunderts.

Sechs PoetrySlamer bereiteten sich in den vergangenen Wochen auf ihre Beiträge vor, jeder werde einen anderen Blick darauf werfen, aber wohl alle dürften, gleich ob ernst oder ironisch, Denkanstöße geben. Mit dabei ist auch Laura Braun aus Freiburg. Sie wird mit unverkennbarer Stimme und pointiertem Klavierspiel in die dunkelsten Momente ihrer eigenen Lebensgeschichte eindringen.

Beginn des Poetry Slams ist am 14. November, 20 Uhr, im Nellie Nashorn. Reservierung unter kontakt@nellie-nashorn.de