Wenn der Villinger Nicola Schurr und seine Mitstreiter dieser Tage einkaufen gehen, dann sind sie nicht bloß mit einem Einkaufskorb unterwegs. Nein, sie kaufen in anderen Dimensionen ein: 100 Packungen Eier zum Beispiel. Und das hat einen Grund.
Vor ein paar Jahren hat der sozial vielfach engagierte Doppelstädter die Aktion „Deine Weihnachtstüte“ in Villingen-Schwenningen aus der Taufe gehoben. Was als kleine, punktuelle VS-Aktion begann, zog weite Kreise – mittlerweile über den gesamten Schwarzwald-Baar-Kreis hinweg.
Die Bedürftigkeit ist groß, erzählt Nicola Schurr im Gespräch mit unserer Redaktion nachdenklich. Während in vielen Familien heiße Diskussionen über die tollsten Geschenke laufen und Christbäume um die Wette geschmückt werden, geht es an anderer Stelle an die Substanz: Familien, für die ein Festmahl zum Feiertag keine Selbstverständlichkeit ist; Kinder, für die unterm Christbaum kein Spielzeug liegt. Eltern, die hoffen, die so schrecklich langen und für sie tristen Feiertage irgendwie über die Bühne zu kriegen.
Nie, das weiß Nicola Schurr auch aus beruflicher Erfahrung im sozialen Sektor, sind Armut und Bedürftigkeit so sehr spürbar wie zum glanzvollen Weihnachtsfest.
Von 80 Salatgurken und so
Er hat es sich deshalb zur Aufgabe gemacht, auch jenen ein schönes Fest zu bescheren, für die die Feiertage der blanke Horror zu werden drohen. Seither sammelt er mit seinen Mitstreitern rund um das Bündnis „VS ist bunt“ alljährlich Spenden, füllt danach Tüten und verteilt sie pünktlich zum Fest, auf dass auch dort endlich Weihnachten werde.
„Es melden sich immer mehr Familien, denen eine Weihnachtstüte helfen würde“, berichtet er jetzt. 120 im gesamten Kreisgebiet seien bereits „bestellt“ worden dieses Jahr. Klar, dass der Einkauf dafür in unglaubliche Dimensionen geht: 80 Salatgurken, 70 Köpfe Eisbergsalat, 100 Pack Eier, 35 Kilogramm Bananen, 20 Kilogramm Zwiebeln... das Team schiebt mehrere, über und über gefüllte Einkaufswagen durch die Supermarktgänge und stapelt den Kleinwagen mehrmals voll bis unters Dach. Nichts geht mehr. Der Kofferraumdeckel geht gerade so noch zu.
„Gut, dass die wbg gespendet hat und die Macher des Spittelsängerbuchs“, lässt er zwischendurch wissen, „sonst wäre es nicht möglich gewesen, das zu machen dieses Jahr“. Zu groß sei der Bedarf.
Hinzu kommen steigende Preise – Wurst- und Käsewaren sowie Milch seien teurer als je zuvor.
Sie lassen keine Gelegenheit verstreichen, selbst noch aktiv zu werden. „Am Samstag sind wir mit einem Punsch und Glühweinstand in der Stadt vor dem Juwelier Grießhaber“, erzählt Schurr. „Hier kann man gegen Spende etwas trinken oder eine VSistBUNT-Tasche bekommen.“
Noch kann man mitmachen
Noch immer ist also jede Spende mehr als willkommen, auch kurz vor dem Fest. Letztmals ist das Lager am Klosterhof 3, in dem die Weihnachtstüte 2024 gepackt wird, am Donnerstag, 19. Dezember, von 17.30 bis 20 Uhr sowie am Samstag, 21. Dezember, von 10 bis 12 Uhr für die Abgabe der Spenden geöffnet – jeder darf vorbeikommen und mit seiner Spende mithelfen. Sachspenden wie lange haltbare Lebensmittel von Nudeln über Konserven bis hin zu Süßigkeiten, Hygieneartikeln oder kleinen Geschenken, die Kinderaugen leuchten lassen oder Gutscheinen für den regionalen Handel sind willkommen. Und natürlich Geldspenden, mit welchen Nicola Schurr und sein Team die frischen Lebensmittel kurz vor den Festtagen kaufen, um die Kühlketten aufrecht zu erhalten und wirklich frische Ware für die Weihnachtsmenüs der Familien zu liefern. Und sie versprechen: „Jede Tüte wird mit Respekt und Liebe zusammengestellt“ – und zugestellt.
Das passiert am Heiligen Abend – eine schöne Bescherung für die Familien.
Spendenkonto für Mitmacher
Helfen
Für Geldspenden steht ein Spendenkonto zur Verfügung, die Bankverbindung: ProKids Stiftung, Verwendungszweck: Weihnachtstüte 2024 – VSistBunt, IBAN DE 88 6439 0130 0000 0590 21. Bei einem Betrag ab 200 Euro gibt es eine Spendenquittung – dafür muss im Betreff der Überweisung Name und Adresse genannt werden. Bei geringeren Spendenbeträgen gilt der Überweisungsträger als Spendenquittung.