Sie sorgen mit ihrer Nikolaus-Aktion für viele glückliche Gesichter: Die ehrenamtlichen Helfer des Tafelladens in Sulz. Foto: Schneider

Eine besondere Aktion hat man sich bei der Tafel Sulz ausgedacht – Santa Claus verteilte Schokolade und Hefezöpfe. 250 Berechtigungskarten sind 2025 ausgegeben worden.

Ein kleiner Junge bekommt von „Santa Claus“, ausgestattet mit wallendem Bart, hell klingender Glocke und großem Geschenke-Sack, einen Schoko-Nikolaus samt roter Nikolaus-Mütze in die Hand gedrückt.

 

„Die Kinder bekommen Schokolade, die Familien je einen Hefezopf“, erläutert Tamara Schwarz von der Diakonie die Aktion im Tafelladen Sulz. Der 23. Dezember sei dann der letzte Öffnungstag des Jahres, bevor es für die karitative Einrichtung für zwei Wochen in die Weihnachtspause geht.

Privatpersonen helfen

„Wir brauchen Grundnahrungsmittel – also alles, was man für einen Vorrat braucht“, erklärt Tafel-Leiterin Sabine Göhring. Schließlich wolle man den Menschen wegen der halbmonatigen Schließung etwas mehr mitgeben. Aktuell habe man 250 Tafelausweise ausgegeben, zwischen 85 und 100 Personen kämen jeden Dienstag, um sich Lebensmittel und Hygiene-Artikel abzuholen.

„Am Monatsende sind das immer mehr“, spricht Göhring über ihre Erfahrungen. Doch die Weihnachtszeit mache sich auch bei den Ehrenamtlichen der Tafel bemerkbar. „Es sind immer wieder Privatpersonen gekommen und haben uns Lebensmittel geschenkt“, berichtet sie von der praktizierten Nächstenliebe.

Die Dankbarkeit ist groß

Doch nicht nur Sachspenden erreichten die Tafel. „Die Schoko-Weihnachtsmänner und Hefezöpfe haben wir von Spendengeldern gekauft“, erläutert sie. Und richtet schnell ein Stück Butter, Joghurt, Milch und Schinkenwurst zurecht, um einer Kundin zu helfen, die verschiedenen Lebensmittel in ihre Tasche zu packen.

Daneben nimmt sich eine Frau einen kleinen Kaktus – ein violettes Blumengesteck wäre die Alternative gewesen – mit sichtbar gerührten Augen. Man hört sehr häufig „Danke“ sowie „Vielen Dank“ und weitere freudige Ausrufe.

163 glückliche Kinder

Vor dem Ausgaberaum stehen Thomas Schlachta und weitere Helfer, um mit den „Sulzer Weihnachtssternen“ ebenfalls für strahlende Gesichter zu sorgen. In den vergangenen Wochen seien nämlich mehr als 5200 Euro an Spenden eingegangen, um Kindern aus bedürftigen Familien eine Weihnachtsfreude zu machen.

Beschenkt werden somit 163 Kinder, die mit ihrem Gutschein zu „Blass Erlebniswelt“, der Buchhandlung „Deine Bücherinsel“ oder „Stiehle Sport-Bike-Service“ gehen können.

Planung für 2026

Möglich machten das – neben den zahlreichen Spendern aus der Bürgerschaft – die Kindergärten der Kernstadt, die die großen gelben Sterne bastelten, Diakonie, katholische Kirche, der islamisch-türkische Kulturverein und Engagierte wie Schlachta oder Cristina Priotto.

Der zweite Ausgabetag für die Gutscheine ist am Dienstag, 16. Dezember, damit noch ausreichend Zeit ist, die jeweiligen Geschenke bis zur Bescherung in den drei Geschäften zu besorgen. Doch schon jetzt blickt Schlachta in die Zukunft. „Nächstes Jahr bekommen wir das auch hin“, ist er sich sicher.

Bei den Ärmsten sparen?

Und: „Vielleicht können wir dann auch unsere älteren Mitbürger miteinbeziehen – mit der Rente wird es ja auch nicht leichter“, kommt er auf steigende Lebenshaltungskosten und Altersarmut zu sprechen.

Da merkt Göhring an: „Manche Leute haben das Gefühl, weniger zu bekommen als Bürgergeld-Empfänger“. Im August hatte Bundeskanzler Merz erklärt: „So wie es jetzt ist, insbesondere im sogenannten Bürgergeld, kann es nicht bleiben. Wir leben seit Jahren über unsere Verhältnisse.“

Doch als Leiterin der Tafel sehe sie die Menschen, die herkämen. „Hätten Sie Arbeit, würden sie nicht um Lebensmittel anstehen“, sagt sie. Und nachdenklich: „Wenn es heißt, ‚Wir müssen sparen‘, ist die Frage eben: Wo?“

Ungleichheit in Deutschland

Mehrheit ohne Vermögen
Seit vielen Jahren gehört die Bundesrepublik zu den Ländern mit der höchsten Vermögensungleichheit in Europa, schreibt Marcel Fratzscher in der Wochenzeitung „Die Zeit“. Die reichsten zehn Prozent der Haushalte halten zwei Drittel des Nettovermögens; die untere Hälfte der Bevölkerung kommt zusammen gerade einmal auf ein Prozent. Nahezu dreißig Prozent der Haushalte besitzen keinerlei Vermögen – viele sind sogar überschuldet. Ihnen fehlen nicht nur finanzielle Rücklagen, sondern auch jede reale Chance auf eine stabile wirtschaftliche Perspektive.

Erben statt arbeiten
Mehr als die Hälfte des gesamten privaten Vermögens wurde geerbt, nicht selbst erarbeitet. Kaum ein anderes Land belastet Arbeit so hoch und Vermögen so niedrig wie Deutschland. So die Vermögen der „Überreichen“ im vergangenen Jahr um 16,5 Prozent angewachsen, zeigen Berechnungen der Nichtregierungsorganisation Oxfam.