Das Bürgerzentrum „Roter Löwen“ in St. Georgen nahm im April 2023 den Betrieb auf. In diesem Gebäude sind auch ganz viele Sozialdienste vertreten, die gemeinsam beraten. Foto: Eric Zerm

Café, Jugendtreff, Vereinszentrum, Beratung... Wie aus einem historischen Gebäude ein soziales Zentrum werden kann, davon überzeugte sich der Kreisausschuss für Bildung und Soziales im „Roten Löwen“ in St. Georgen.

Am 21. April 2023 nahm in St. Georgen mit dem Bürgerzentrum „Roter Löwen“ ein ganz besonderes Modellprojekt seine Arbeit auf. Für die Kreisverwaltung ist der „Löwen“ ein Beispiel dafür, wie das neue Konzept „Sozialraumorientierung“ – Hilfe und Angebote ganz nah bei den Bürgern vor Ort – funktionieren kann.

 

Nun ließ sich der Kreisausschuss für Bildung und Soziales von Anna Benner, St. Georgens Amtsleiterin für Ordnung, Bildung und Soziales, durch das große Gebäude führen, das vom Café „Vielfalt“ über einen Jugendraum, Seminarräume und das „Zwergenstüble“ mit ehrenamtlicher Kinderbetreuung bis zum großen Bürgersaal viele Möglichkeiten bietet.

Viel Beratung in einer Hand

Eine große Besonderheit des „Roten Löwen“ ist aber das gebündelte Beratungsangebot, für das Bürger sonst viele verschiedene Ämter und Einrichtungen aufsuchen müssten. In der Präsentation von Wolfgang Hauser, im Landratsamt für die Sozialplanung zuständig, wurden die Organisationen Diakonie, Caritas, die Stadt St. Georgen selbst, das Angebot „Hilfe zur Pflege“, die Jugendhilfe, die Eingliederungshilfe und das Jobcenter genannt, die im „Roten Löwen“ präsent sind. Dort verstünden sich alle Organisationen als gemeinsamer Beratungsdienst, so Hauser. So gehe es im Haus für Klienten auch mit einer einheitlichen Eingangsberatung los.

Projekt wissenschaftlich begleitet

Die nächsten Schritte orientierten sich an den drei Fragen „Was ist der Wille?“, „Was kannst Du selbst tun?“ und „Welche Ressourcen hast Du?“ In Fallkonferenzen werde die individuelle Hilfe entwickelt. Zum Beratungsteam gehören Mitarbeitende von Diakonie, Caritas, Jobcenter, Sozialamt, Jugendamt und der „Wirkstatt St. Georgen“. Laut Wolfgang Hauser werde das Projekt wissenschaftlich begleitet, um dann in drei Jahren beurteilen zu können, was das Konzept bewirkt.

„Ich hoffe, dass wir Ihnen hiermit eine Teilantwort auf aktuelle Herausforderungen geben können“, so Wolfgang Hauser an den Kreisausschuss gewandt. Zu diesen Herausforderungen gehört, dass in der Gesellschaft die Nachfrage nach Hilfsangeboten immer größer wird, die Ressourcen aber begrenzt sind.

Geballte Kraft

Im „Roten Löwen“ sind diese Ressourcen gebündelt. Angela Nock von der Fraktion der Grünen äußerte die Hoffnung, dass das Bürgerzentrum „Roter Löwen“ eine Art Blaupause sein könnte, die sich auf andere Städte und Gemeinden übertragen lässt. Ähnlich äußerte sich Anton Knapp (SPD): „Was wir hier gesehen haben, könnte ein Konzept für die Zukunft werden.“ Niko Reith (FDP) nannte den „Roten Löwen“ ein eindrucksvolles Projekt. Womit man allerdings sensibel umgehen müsse, seien Angebote, die es auch in der freien Wirtschaft gibt. Explizit meinte er damit das Café „Vielfalt“ im Erdgeschoss des Gebäudes, das laut Anna Benner von der Stadt St. Georgen selbst betrieben werde, mit zwei Angestellten, die sich eine Personalstelle teilen, mit Ehrenamtlichen, die sich den Schichtdienst teilen und mit Unterstützung der Stiftung „Liebenau“, von der Praktikanten die Möglichkeit haben, im Café „Vielfalt“ Erfahrungen zu sammeln.

So überzeugt das Angebot

Walter Klumpp (Freie Wähler) nannte den „Roten Löwen“ eine tolle Einrichtung, die einen richtigen Weg beschreite. Es sei ein Modell, das man an andere Gemeinden weitergeben könne.

Der Rote Löwe erfüllt auch eine überraschende weitere Funktion: Im dortigen Bürgersaal gibt es regelmäßig Kinonachmittage, so Anna Benner. In einer anderen Etage sind Seminarräume, die ebenfalls von Vereinen und auch von Fraktionen genutzt werden, mit verschiedenen Büros – unter anderem vom Integrationsmanagement – und mit einem Raum, in dem stundenweise Kinder betreut werden können; zum Beispiel, wenn ihre Eltern Sprachkurse besuchen oder Beratungen in Anspruch nehmen. Zum Jugendraum im Erdgeschoss, um den sich eine Sozialpädagogin der Stadt kümmert, gehören auch verschiedene Spielgeräte, ein Tischkicker und ein Billardtisch sowie eine Küchenzeile. Das Café „Vielfalt“ soll laut Anna Benner eine Begegnungsstätte für Jung und Alt sein, kein gastronomischer Betrieb.