Bei der Erlacher Höhe steht ein Stabwechsel ins Haus. Wolfgang Günther (61) übergibt die Leitung im November an Sucithra Dey(32) und Manuel Trick (35).
Seit dem Start der Erlacher Höhe in Freudenstadt vor mittlerweile 33 Jahren hatte Wolfgang Günther, Sozialpädagoge und Theologe, an der Spitze gestanden. Die stetig gewachsene Einrichtung vor Ort ist deshalb untrennbar auch mit seinem Namen verbunden.
Künftig wird sich das ändern. Günther wird zum Ende des Jahres ausscheiden und von gleich zwei Kollegen im Tandem beerbt. Die beiden Sozialpädagogen Sucithra Dey und Manuel Trick arbeiten bereits seit über zehn Jahren ebenfalls in der Einrichtung.
Dey ist aktuell im Bereich des ambulant betreuten Wohnens tätig, Trick als Teamleiter der Wohnungslosenhilfe. Beide haben sich nach intensiven Gesprächen gemeinsam mit Günther und in Abstimmung mit dem Vorstand entschlossen, die Position gemeinsam zu übernehmen.
Ein Blick zurück
Am 17. November findet der offizielle Festakt zum Wechsel im Gemeindehaus Ringhof statt. Die Weggefährten, Kooperationspartner und Unterstützer der Einrichtung werden im traditionellen Pfingstbrief über den Wechsel an der Spitze informiert.
Günther nutzte jetzt die Gelegenheit für einen Blick zurück. Im Dezember 1993 hatte man mit der Eröffnung der Fachberatungsstelle und des Aufnahmeheimes „Am Georgstollen“ – eine ehemalige Pension – auf das bestehende Problem der Wohnungslosigkeit reagiert. Nicht nur in Teilen der Bevölkerung wurde das Ganze damals eher skeptisch beäugt.
Er selbst sei damals eher aus dem Bereich der Behindertenhilfe zur Erlacher Höhe gestoßen und sei zwar „motiviert, aber noch ziemlich ahnungslos“ gewesen, schmunzelt Günther. Am 13.Januar 1994 wurde der erste Bewohner aufgenommen.
Meilenstein im Jahr 2000
Nach und nach wurde das Aufgabenfeld mit hauswirtschaftlichen Diensten, Schreinerei, Kreativwerkstatt und weiteren Angeboten ausgeweitet. Ein Meilenstein war die Entscheidung im Jahr 2000, das Gebäude Rappenstraße 16 zu kaufen und vom eher abgelegenen Georgstollen dorthin, in das Zentrum der Stadt, zu ziehen.
Der Schwerpunkt der Arbeit verlagerte sich zeitgleich von den stationären zu den ambulanten Hilfeangeboten. Aufgrund der Zentralität entwickelte sich auch das „Windrad“- ein Bistrot für Bürger mit und ohne Wohnung, ausgezeichnet. Stillstand gab es ab dato eigentlich nie. Die Eröffnung des Sozialkaufhauses folgte im Jahr 2003, die des StattLädle 2006 und die Eröffnung des Horber Sozialkaufhauses sowie der Einstieg in die mobile Jugendarbeit 2009.
Lange Vorbereitung
Ein großes Thema war darüber hinaus der Einstieg in den Europäischen Sozialfonds 2011 mit Projekten im Bereich Bildung und Coaching und die Zulassung als Bildungsträger 2014. Gewürdigt wurde das Engagement der Erlacher Höhe im Jahr 2017 mit dem Unternehmenspreis.
Dass er jetzt vorzeitig gehe, habe nichts mit einer Krise, eher mit seinem Bauchgefühl zu tun, sagt Günther. Auf dieses Bauchgefühl höre er inzwischen sehr gut. Dank der guten Nachfolger fühle sich diese Entscheidung jetzt auch „rund“ an.
Vorbereitet wird der jetzt bevorstehende Wechsel bereits seit zweieinhalb Jahren. Günther selbst will sich ebenfalls nicht komplett auf das Altenteil zurückziehen, sondern alles auf sich zukommen lassen. „Ich weiß noch nicht genau was ich tun werde, aber es soll wieder etwas sein, was mir entspricht und worauf ich Bock habe.“