Der Landkreis Lörrach hat vergleichsweise hohe Sozialausgaben. Das liegt unter anderem an überproportional vielen Alleinerziehenden, die Unterstützung benötigen. Foto: Alexandra Günzschel

Beim Jahrespressegespräch des Landkreises Lörrach standen die soziale Lage der Region und der Stand der Inklusion im Mittelpunkt.

Für das Jahrespressegespräch des Landkreises Lörrach hatte sich Sozialdezernatsleiterin Elke Zimmermann-Fiscella zwei Themen ausgesucht, auf die sie in ihrem Rückblick ausführlicher einging. Zum einen berichtete sie über die Fortschreibung der Sozialstrategie, zum anderen über die Fortschritte, die der Landkreis in Sachen Inklusion macht.

 

Im Jahr 2023 kam der Landkreis bei den Sozialausgaben pro Einwohner mit 610 Euro auf einen landesweiten Spitzenwert. An der schlechten sozialen Lage, so die Sozialdezernentin, habe sich seither nicht viel geändert. Eine Analyse der Situation ergab vier Ursachen. Da seien zum einen die geografische Lage des Landkreises an zwei Außengrenzen, zum anderen eine schwierige Situation auf einem angespannten Wohnungsmarkt. Hinzu kommt: Der Anteil an Alleinerziehenden ist im Landkreis überproportional hoch, der Anteil an der Einkommenssteuer wiederum vergleichsweise niedrig. Dies seien durch das Landratsamt nur schwer zu beeinflussende äußere Faktoren, wie Zimmermann-Fiscella betonte.

„Wir müssen etwas verändern, damit die Menschen zu den Leistungen und die Leistungen zu den Menschen kommen“, erklärte die Sozialdezernentin. Klare Wirkungsziele sollen beschreiben, was mittelfristig erreicht werden soll. Zimmermann-Fiscella will fördern und fordern, die Menschen mit ihren Potenzialen mitnehmen. Im November hat sich der Lenkungsausschuss getroffen, um die Sozialstrategie fortzuschreiben, wie sie sagte. Derweil wird weiter an der Vision „Inklusiver Landkreis Lörrach“ gearbeitet. „Vielfalt ist Realität, und Inklusion ist keine Maßnahme, sondern ein Menschenrecht“, betonte Zimmermann-Fiscella. Nicht die Menschen, sondern die Rahmenbedingungen müssten sich anpassen. Auf der anderen Seite gebe es auch Hürden, die im Kopf entstehen. Eine Auftaktveranstaltung zum Thema gab es im Oktober.

Mit der Inklusion früh beginnen

Die Sozialdezernentin hält es für sinnvoll, mit der Inklusion früh anzufangen, damit Schranken in den Köpfen erst gar nicht entstehen. Ein Projekt in diesem Sinne heißt „Alle dabei. Wir für die Kinder im Landkreis Lörrach“. Das Programm setzt bereits ab drei Jahren in den Kitas an und verfolgt mit dem zentralen Baustein „Vernetzt dabei“ das Ziel, ein präventives Netz für Kinder mit unterschiedlichen Startbedingungen und Herausforderungen zu spannen, um jedem Kind eine gesunde und seinen Potenzialen entsprechende Entwicklung zu ermöglichen.

Pakt für gute Bildung

Vielversprechend findet Zimmermann-Fiscella zudem das vom Kultusministerium aufgelegte Pilotprogramm „MoVe In“, das derzeit andernorts erprobt wird. Im Rahmen des Pakts für gute Bildung und Betreuung unterstützt der Modellversuch heilpädagogische Fachkräfte in Kindertageseinrichtungen bei der Umsetzung und konzeptionellen Verankerung gelingender Inklusion. Die Sozialdezernentin findet es richtig, schon bei der frühkindlichen Bildung anzufangen: „Ein starkes Kita-System ist gut für die Inklusion.“