Viele wissen nur wenig über den bundesweit größten Sozialverband, außer dass er noch den Krieg in seinem Namen trägt. Doch der VdK ist kein angestaubtes Relikt. Calws Kreisvorsitzender Helmut Dolderer gibt einen Einblick, was der VdK alles leistet. Und zwar nicht nur für Menschen älteren Semesters.
Sind in Deutschland etwa 40 Menschen beieinander, ist statistisch gesehen mindestens einer von ihnen Mitglied im VdK. Mit mehr als 2,2 Millionen Mitgliedern, davon rund 265 000 in Baden-Württemberg, ist er der größte Sozialverband bundesweit.
Trotzdem bleibt das, was der VdK leistet, oft im Verborgenen. Wohl nicht zuletzt, weil vieles davon aus guten Gründen hinter verschlossenen Türen geschieht. Wir beantworten die wichtigsten Fragen.
Was sind die Ursprünge des VdKs?
Ursprünglich hatte sich der VdK im Jahr 1950 als Verband der Kriegsbeschädigten, Kriegshinterbliebenen und Sozialrentner Deutschlands auf Bundesebene gegründet. Bereits zuvor hatten sich Landesverbände etabliert.
Ging es in den ersten Jahren noch darum, die Interessen von jenen zu vertreten, die durch den Zweiten Weltkrieg Schäden erlitten hatten, vertritt der VdK heute sozialpolitische Interessen und setzt sich für soziale Gerechtigkeit ein. Dabei geht es um Themen wie Rente, Pflege, soziale Sicherung, Barrierefreiheit und Teilhabe.
Warum wirkt die Institution VdK für viele Menschen abstrakt?
Der Krieg, den der VdK noch im Namen trägt, ist inzwischen seit rund 80 Jahren vorbei. Und Kriegsbeschädigte oder -hinterbliebene gibt es nicht mehr viele.
Im Kreis Calw, so berichtet der VdK-Kreisvorsitzende Helmut Dolderer im Gespräch, gebe es seines Wissens sogar gar keine mehr – zumindest nicht aus dem Zweiten Weltkrieg. Mit traumatisierten Menschen aus Kriegen der jüngeren Vergangenheit, etwa jenem in Afghanistan, habe der VdK jedoch durchaus zu tun.
Dennoch mag der Name des Sozialverbandes ein Grund sein, warum der VdK für viele Menschen abstrakt bleibt. Ein anderer dürfte sein, dass die vielleicht wichtigste Arbeit des VdK nicht öffentlich geschieht: die Beratungen in Sachen soziale Leistungen.
Und die Geschichten, über die dabei gesprochen wird, so weiß Dolderer, „sind manchmal sehr persönlich“.
Wie ist der VdK im Kreis Calw aufgestellt?
Der Kreisverband Calw hat derzeit knapp 4000 Mitglieder. Mitte Mai waren es genau 3846. Und noch gibt es 18 Ortsverbände. Aber: „Es werden 17“, berichtete der Kreisvorsitzende.
Der Ortsverband Effringen/Schönbronn werde mit jenem von Wildberg vereinigt, weil der Erstgenannte nur noch 48 Mitglieder habe und keinen Vorstand mehr finde.
Das Durchschnittsalter der Mitglieder liege bei etwa 60 Jahren, ein Großteil sei zwischen 55 und 65 Jahren alt.
Wenn es um ehrenamtliches Engagement gehe, gebe es bei VdK indes einen Vorteil: Wer dem Verband beitrete, könne angeben, ob er sich einbringen will. Dann könne man gezielt auf Kandidaten zugehen, die etwa für ein Vorstandsamt geeignet wären.
Was bietet der Calwer Kreisverband an Schulungen?
Für Ehrenamtliche bietet der VdK indes zahlreiche Schulungen an – auch auf Kreisebene. Im vergangenen Jahr etwa zu den Themen Behindertenrecht, Rente, Pflege und Gesprächsführung. Dazu habe sich seit Sommer 2023 auch eine Kooperation mit den VdK-Kreisverbänden Leonberg und Böblingen gebildet.
Dadurch vergrößere sich der Zuspruch, es gebe mehr Teilnehmer und es könnten auch renommiertere Referenten ins Boot geholt werden.
So habe beispielsweise der Erste Direktor der Deutschen Rentenversicherung Baden-Württemberg, Andreas Schwarz, bereits zugesagt, nach den Sommerferien eine Vortrag darüber zu halten, was die Rentenversicherung bezahle und was für versicherungsfremde Leistungen es gebe.
Dazu gehöre etwa die Mütterrente, die der VdK mit durchgesetzt habe, so Dolderer. Da Mütter jedoch nichts in die Rentenversicherung eingezahlt hätten, sei die Auszahlung an jene eigentlich Sache des Bundes, sagt der Kreisvorsitzende, und damit versicherungsfremd. Der Zuschuss, der seitens des Bundes fließe, decke die Kosten allerdings nicht, kritisiert Dolderer.
Was leistet der VdK im Kreis Calw an Beratungen?
Was sich vielleicht als Herzstück der VdK-Leistungen bezeichnen ließe, leisten im Kreis Calw sechs Ehrenamtliche: die Beratungen. Drei weitere Beraten würden derzeit ausgebildet, führt Dolderer aus.
Die Berater bieten regelmäßige Termine an, in der Regel dienstags in den Rathäusern von insgesamt acht Orten im Kreis. „Das wird von den Bürgermeistern sehr gern gesehen“, sagt der Kreisvorsitzende. Die Tätigkeit des VdK entlaste nicht zuletzt Verwaltungsmitarbeiter, weil die Ehrenamtlichen etwa beim Ausfüllen von Formularen helfen.
Mehr als 800 Vor-Ort-Termine seien es 2023 gewesen sowie etwa ebensoviele Telefonberatungen.
Eine solche Beratung dürfe im Übrigen jeder in Anspruch nehmen. Erst wenn es um Juristisches gehe, müsse der Betroffene auch VdK-Mitglied sein. Dann komme die Rechtsreferendarin ins Spiel.
Beraten werde vor allem in Sachen soziale Leistungen, von Krankenversicherung (etwa, wenn ein Hilfsmittelantrag abgelehnt wurde) bis Rentenversicherung, aber auch wenn es um Bürgergeld, Wohngeld oder Schwerbehinderung gehe.
Dass in der Öffentlichkeit nicht selten nur Negativ-Beispiele von Empfängern sozialer Leistungen ankommen, ist für Dolderer ein Ärgernis – also zum Beispiel Arbeitslose, die arbeiten könnten, aber schlicht nicht wollen. Dabei gebe es das nur ganz selten.
Geben werde es das aber wohl immer, meint er. „Man kann kein Gesetz machen für jeden Fall“, sagt der Kreisvorsitzende. Schlupflöcher ließen sich immer finden – doch nicht nur im sozialen Bereich. Sondern auch in „oberen“ Schichten. Beispielsweise, wenn es um Steuerhinterziehung gehe.