FKP Scorpio und andere Event-Organisatoren wagen einen Blick auf die nächste Saison.
Wie ist die Corona-Lage im Festivalsommer 2021? Diese Frage kann derzeit niemand beantworten. Es bleibt unsicher, ob Großveranstaltungen im nächsten Jahr überhaupt schon wieder stattfinden können. In unserem (SB+)Artikel lesen Sie, wie Southside-Festivalveranstalter FKP Scorpio (Neuhausen ob Eck) und die Organisatoren vom Bang Your Head (Balingen), dem Keep It Real Jam (Balingen), dem Easter Cross (Oberndorf) und dem Hay Mountain (Albstadt) derzeit auf die nächste Saison blicken.
Southside Festival
FKP Scorpio arbeitet laut Pressesprecher Jonas Rohde derzeit "branchenweit und in Kooperation mit Virologen und Medizinern an Konzepten, wie Festivals selbst unter Pandemiebedingungen möglich wären". Das Unternehmen beobachte die pandemische und politische Entwicklung ferner genau, so Rohde. Seitens Wissenschaft, Politik und Wirtschaft würden immer wieder unterschiedliche Einschätzungen abgegeben, wann ein geregeltes Kulturleben wieder möglich sei.
"Die jüngsten Durchbrüche in der Impfstoffentwicklung und -produktion sind sicherlich ein gutes Zeichen, obwohl eine verlässliche Vorhersage nach wie vor unmöglich ist", meint der Pressesprecher.
Das Veranstaltungsunternehmen könne sich ferner auch Festivals unter Corona-Auflagen vorstellen. Rohde erklärt dem Schwarzwälder Boten: "Hygiene- und Abstandsregeln werden uns noch auf längere Sicht begleiten, was ja auch verständlich und richtig ist. Für uns und viele Experten sind Großveranstaltungen damit auch nicht per se ausgeschlossen. Es gibt verschiedene Modelle, mit denen Menschenansammlungen zu sicheren Orten werden können - natürlich nur, sofern die pandemische Gesamtentwicklung entsprechend positiv ist. Wir und weitere führende Vertreter der globalen Livemusik-Szene arbeiten an entsprechenden Lösungen und werden unsere Ergebnisse bis zum Frühjahr 2021 vorstellen."
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Bang Your Head Festival
Die Macher des Bang Your Head Festivals in Balingen geben sich in ihrem jüngsten Festival-Newsletter äußerst zuversichtlich. "Wir sind uns absolut sicher, dass das Bang Your Head 2021 über die Bühne gehen wird", heißt es dort. Weiter schreiben die Organisatoren, dass es aber auch "recht sicher" sei, dass die Veranstaltung 2021 nur unter besonderen Auflagen - mit speziellen Sicherheits- beziehungsweise Hygiene-Konzepten - stattfinden könne. Für die Festival-Macher bedeute das erhebliche Mehrkosten, "da wir für die Umsetzung insbesondere im Security-Bereich, aber auch darüber hinaus einen merklich höheren Personalbedarf haben werden". Die Verantwortlichen schreiben weiter: "Daher kommen wir nicht umhin, die Ticketpreise für unsere Sommer-Festivals ab dem 1. Januar 2021 deutlich anzuheben."
Keep It Real Jam Festival in Balingen
Vorsichtiger auf die Festivalsaison 2021 blicken da die Organisatoren des Keep It Real Jam, das ebenfalls in Balingen stattfindet. "Wir sind realistisch genug um zu wissen, dass der Festivalsommer noch nicht in trockenen Tüchern ist", erklärt Pressesprecher Fabian Fitz. Diese Unsicherheit mache die Planung aber nicht gerade einfacher. Schließlich könne ein Festival nicht spontan geplant werden. Die Arbeit für das Event sei derzeit auf allen Ebenen schwierig, da es für alle Beteiligten schwierig sei, verbindliche Zusagen zu mache, so Fitz. Trotzdem arbeite man derzeit "so gut es geht" auf das KIRJ 2021 hin.
Genau wie FKP-Scorpio können sich die Balinger Verantwortlichen prinzipiell auch ein Festival unter Corona-Auflagen vorstellen. Es komme aber darauf an, ob diese Auflagen finanzierbar seien, ob sie für das Team vom Aufwand überhaupt umsetzbar seien und ob dabei "ein lohnenswertes Ergebnis" herauskommen würde. Pressesprecher Fitz meint: "Vorstellbar wären ausreichend Möglichkeiten zum Hände waschen und desinfizieren, auch das Tragen von Masken wäre im Bereich des Möglichen, wobei man sich da natürlich die Frage nach dem authentischen Festival-Erlebnis stellen müsste. Das Abstand halten stellen wir uns auf einem Festival, das auch Festival-Charakter haben soll, prinzipiell schwierig vor. Machbar wäre es womöglich auch, aber man muss sich natürlich die Grundsatzfrage stellen, wie viel Festival dann noch bleibt."
Easter Cross Festival in Oberndorf
Mario Wehl vom Easter Cross Orga-Team in Oberndorf a. N. sieht "große Herausforderungen", vor denen die gesamte Kulturlandschaft steht. Derzeit versuche man, die finanziellen Grundbedingungen für eine Durchführung des Festivals 2021 zu sichern. Wie die Rahmenbedingungen für das Event aussehen werden, sei derzeit schwer abzuschätzen. "Einen Plan B in der Tasche zu haben, ist machbar, bei Plan C, D, E wird es dann schwierig. Sicher ist nur: die Veranstaltungsbranche wird sich darauf so gut es geht einstellen (müssen)", meint er.
"Natürlich können wir uns ein Festival unter Auflagen vorstellen - wenn sie denn eine Durchführung nicht wirtschaftlich oder organisatorisch unmöglich machen", so Wehl weiter. Natürlich werde das Easter Cross-Team "alle aus Auflagen resultierende (Hygiene-)Maßnahmen berücksichtigen, von möglichen Testnachweisen über Desinfektionsmöglichkeiten vor Ort bis hin zu Laufwegsmanagement usw." Aber eines sei bei einer Veranstaltung wie dem Easter Cross auch klar: "Man kann aus einem High-Energy-Moshpit mit 1500 Besuchern kein bestuhltes Konzert mit 150 Personen auf Abstand machen, ohne wirtschaftlich oder emotional Schiffbruch zu erleiden." Falls dies die letzte Konsequenz aus den Rahmenbedingungen wäre, würden die Verantwortlichen "die Reißleine ziehen und das Easter Cross 2021 absagen", resümiert Wehl.
Hay Mountain Festival in Albstadt
"Positiv gestimmt" geben sich die Ehrenamtlichen des Hay Mountain Festivals in Albstadt. Da das Event erst vom 20. bis 21. August stattfindet, habe man "noch viel Zeit, uns kreative Lösungen einfallen zu lassen, falls das bis dahin überhaupt noch notwendig sein sollte". Max Maute vom Hay Mountain Verein erklärt, er persönlich könne sich ein Festival auch unter Corona-Auflagen vorstellen. Wie man sicher und erfolgreich Konzerte und andere Veranstaltungen durchführen könne, sei bereits diesen Sommer bewiesen worden, meint er. Die "Sommerwiese" in Konstanz sowie die "Event-Wiese" in Albstadt hätten einzelne Zonen in die Wiesen gezeichnet, in der sich kleine Gruppen ohne Mundschutz aufhalten durften. "Dies funktionierte mit bis zu 500 Personen, was für unser Festival schon absolut ausreichend wäre", erklärt Maute.
Die Festival-Macher hofften dennoch auf ein "normales" Festival und hätten sich rund 1500 Besucher zum Ziel gesetzt. "Das Line-up kann sich mit 'Antiheld' als Headliner mehr als sehen lassen", macht Maute Werbung. Die Rock-Band aus Stuttgart sei bereits auf großen Bühnen - beispielsweise dem Southside Festival - aufgetreten. Maute betont: "Wichtig für uns ist, dass die Leute JETZT hinter uns stehen und Tickets kaufen." Ansonsten stehe die Existenz des komplett ehrenamtlich geführten Vereins, der noch nie gewinnorientiert gehandelt habe, auf dem Spiel. Wer bei der Planung und Durchführung des Hay Mountain mitwirken will, kann sich über Facebook oder Instagram bei dem Team melden.