Wenig los und teils skeptische Händler. Anbieter und Besucher blicken mit gemischten Gefühlen auf den Krämermarkttag. Einige Standbetreiber sind aber zuversichtlich.
Der Krämermarkt in Blumberg gehört eigentlich fest zum Stadtbild. Eigentlich. Doch wer am Mittwochmittag über den Markt lief, bemerkte schnell: Die Zeiten voller Gassen und dicht gedrängter Besucher scheinen vorbei zu sein. Zwischen einzelnen Verkaufsständen blieben große Lücken, viele Händler blickten eher sorgenvoll als geschäftig auf das Marktgeschehen. Doch wie immer gibt es auch hier zwei Seiten: Während einige kaum Umsatz machten, berichteten andere überraschend positiv von ihrem Tag.
„Schlecht, schlecht. Weil keine Leute da“, gab Hasan Cirak unverblümt zu Protokoll und räumte seinen Stand bereits zusammen. Früher sei der Markt deutlich besser besucht gewesen. „Am Nachmittag auf jeden Fall“, erinnerte sich ein anderer Verkäufer.
Mehrere Händler führten die schwachen Besucherzahlen auf die allgemeine wirtschaftliche Lage zurück. Inflation, steigende Lebenshaltungskosten und Unsicherheit würden sich inzwischen direkt auf das Kaufverhalten auswirken. „Die Leute haben weniger Geld“, meinte Cirak.
Besonders kritisch sehen einige Beschicker die Wirtschaftlichkeit eines Markttages. Standgebühren, Fahrtkosten und Verpflegung müssten zunächst wieder erwirtschaftet werden. Ein Händler rechnete vor, dass bei einem Umsatz von 70 Euro nicht genug übrig bleibe, um die Kosten zu decken.
Und hier kommt es zu einem Teufelskreis: Zu wenig Besucher veranlassen einige Marktbeschicker, gar nicht erst zum Markt zu kommen, dadurch schrumpft das Angebot, dadurch schrumpft die Attraktivität, dadurch bleiben Leute weg. Und wieder zurück auf Los, allerdings ohne 4000 Mark einzuziehen. „Das schrumpft immer weiter. Das ist ja irgendwann weg“, ergänzte Händler Hans-Peter Gleich besorgt.
Besucherin Sophie Hewer erinnerte sich an frühere Jahre mit deutlich mehr Verkaufsständen und größerer Vielfalt. Sie war mit Kind und Freundin Fabienne Kleinert auf dem Markt. Beide vermissten Angebote für Kinder: Ein Spielzeugstand, der angekündigt gewesen sei, habe gefehlt. Und es gab auch keine Fahrgeschäfte.
Dass sich der Markt dennoch nicht völlig abschreiben lässt, zeigten aber auch zuversichtliche Stimmen. Anna Jauch aus Riedböhringen, mit Süßwaren im Gepäck, berichtete trotz des verhaltenen Mittags von soliden Verkäufen. Man müsse den Markt positiv sehen. „Ich halte das für wichtig, dass Blumberg einen Markt hat. Das gehört einfach dazu“, sagte sie.
Noch deutlicher wurde Elke Hartwig mit ihrem Klunker-Ecken-Zelt. Erst habe sie gezögert, bereute die Entscheidung aber nicht. „Es wäre ein Fehler gewesen, nicht zu kommen“, sagte sie. „Für mich hat es sich bis jetzt definitiv gelohnt.“
Zwischen Frust und Hoffnung zeigt sich damit ein widersprüchliches Bild. Der Blumberger Krämermarkt kämpft sichtbar mit Problemen: weniger Besucher, weniger Händler und ein schwindendes Angebot. Gleichzeitig halten viele Beteiligte am Markt fest – nicht nur aus wirtschaftlichen Gründen, sondern auch aus emotionaler Verbundenheit. Für viele gehört der Krämermarkt schlicht zur Stadt dazu.
Im Wandel
Krämermärkte
haben in vielen Städten Süddeutschlands eine jahrhundertelange Tradition. Ursprünglich dienten sie nicht nur dem Handel, sondern waren auch sozialer Treffpunkt. Mittlerweile geraten solche Märkte jedoch zunehmend unter Druck. Onlinehandel, Supermärkte und verändertes Einkaufsverhalten führen vielerorts zu sinkenden Besucherzahlen. Gleichzeitig steigen Kosten für Händler, etwa durch Transport, Energie oder Standgebühren. Experten sehen deshalb vor allem attraktive Zusatzangebote, regionale Produkte und familienfreundliche Aktionen als wichtige Faktoren, um traditionelle Märkte langfristig zu erhalten.