Die Sorgende Gemeinschaft Oberes Enztal will viele Angebote für alle Generationen schaffen. Bevor es so weit ist, sollen auch die Bürger befragt werden. Der Gemeinderat brachte das Projekt jetzt auf den Weg.
Höfen und Enzklösterle haben bereits zugestimmt. Jetzt war auch Bad Wildbad an der Reihe. In der jüngsten Gemeinderatssitzung stellte Claudia Ollenhauer vom Seniorenrat Oberes Enztal das Projekt Sorgende Gemeinschaft Oberes Enztal vor. Ziel dieses gemeinsamen Netzwerks ist es, „über alle Generationen hinweg Aktivitäten anzubieten und zu vereinen und dabei Sorge für die Menschen zu tragen, die auf Hilfe angewiesen sind“, heißt es dazu in der Sitzungsvorlage.
„Die Stadt hat Interesse, hier zusammenzuarbeiten“, sagte Bürgermeister Marco Gauger und fügte an, dass es eine Vision sei, ein Familienzentrum oder „Zentrum Mensch“ zu gründen. Es gebe bereits viele soziale Angebote.
Netzwerk schaffen Ollenhauer sagte, dass es zuerst die Idee gewesen sei, ein Netzwerk für die Zielgruppe 60plus zu schaffen. Aber eigentlich müsse man dieses Thema viel größer denken. So kam man auf die Sorgende Gemeinschaft. Im ersten Schritt gehe es darum, Bedürfnisse zu ermitteln, so Ollenhauer weiter. Wichtig war ihr zu betonen: „Was bereits besteht, ist ganz wesentlicher Baustein.“
Demokratie stärken
Grundsätzliche Themen seien die Stärkung gesellschaftlicher Teilhabe, des gemeinschaftlichen Zusammenhalts und der sozialen Verantwortung sowie der Stärkung der Demokratie insgesamt. Ein angedachtes Familienzentrum beschäftige sich bereits mit einem generationsübergreifenden Ansatz mit Treffpunkten und Angeboten für Kinder, Jugendliche, Erwachsene und Senioren. Dieses generationsübergreifende Potenzial des Konzepts sei andernorts bewährt und hier im Oberen Enztal „einzigartig mit großen Entwicklungschancen“, heißt es in der Präsentation.
Lebenswerte Umwelt Auch zukünftigen Generationen soll eine lebenswerte Umwelt mit ausreichenden Ressourcen und einer hohen Lebensqualität erhalten bleiben. Das Projekt will dazu beitragen und unter anderem die Wohlfühlatmosphäre zum Leben und Wohnen fördern. Auch das Thema Mobilität im ländlichen Raum soll angegangen werden, erste Gedanken zu Lösungsansätzen seien ein Bürgerbus, Mitfahrgelegenheiten sowie Fahrrad und Rikschas im Stadtgebiet. Durch eine vernetzte Arbeit sollen zudem Doppelstrukturen vermieden sowie Synergieeffekte zwischen den Kommunen Bad Wildbad, Höfen und Enzklösterle gefördert werden.
Externer Berater
Die Bürgerbeteiligung soll über Interviews, Dorfspaziergänge, Besuche bei den Backhäusern und Dorfgemeinschaftsvereinen oder einer Zukunftswerkstatt stattfinden.
Hans-Ulrich Händel, der den Prozess als externer Berater begleiten wird, sagte, man wolle erst zuhören, „was beschäftigt die Menschen vor Ort“. Dieser Prozess werde etwa zwei Jahre dauern. Die Frage dabei sei aber „nicht nur, was wollt ihr, sondern auch, was bist du bereit, dafür zu tun“. Etwa ein Drittel der Personen würden später mitmachen, so Händel weiter. Wichtig sei es, Menschen aller Generationen mitzunehmen.
Hohe Förderung Nach der Zustimmung durch den Gemeinderat könne ein Förderantrag gestellt werden. Durch diesen, in Höhe von 115 000 Euro, sollen die anfallenden Kosten für das Beteiligungs- und Befragungsverfahren gedeckt sein.
Nerv getroffen „Das trifft einen Nerv bei mir“, sagte die CDU-Stadträtin Beate Kunz. Es sei gut, dass Jung und Alt zusammenkomme. Ein Familienzentrum sei etwas, „wovon ich schon seit Jahren träume“, das sei ein „Megaprojekt und Wahrzeichen“.
Ursula Jahn-Zöhrens, die Vorsitzende der SPD-Fraktion, sagte, dass genau dies der ursprüngliche Traum des Familientreffs Karussell gewesen sei. Die Stadt habe „kein Geld, aber ein großes Potenzial an Menschen“.
Nur Gewinner Jürgen Schrumpf (SPD) bezeichnete das als „sehr sehr gutes Projekt“, das „würde uns als Stadt und der Gesellschaft immens gut tun“.
Die FWV/FDP-Fraktionsvorsitzende Rita Locher fügte an, bei dem Projekt gebe es „nur Gewinner“ und Hubertus Welt (SPD) wollte wissen, wofür das Geld eingesetzt werde. Händel erklärte, dass er einen Tagessatz von 800 Euro plus Kilometergeld abrechne. Dafür werde er auch in den Teilorten unterwegs sein und eine „aufsuchende Bürgerbeteiligung“ machen, „bis zu den Menschen, wo sie leben“.
Einstimmig schlossen sich die Bad Wildbader Stadträte den Gemeinden Höfen und Enzklösterle an. Nun soll der Förderantrag gestellt werden.