Ortsvorsteher Wolfgang Schoch zeigt anhand der Karte die acht rot eingekreisten Höfe von Schura auf sehr engem Raum, die insgesamt Sorgen bereiten für die bauliche Weiterentwicklung von Schura. Foto: Ingrid Kohler

Schura steht im Spannungsfeld zwischen den ökonomischen Herausforderungen, denen Landwirte unterworfen sind, und der baulichen Erweiterung.

Die Weichen für die große Erweiterung des Drei-Linden-Hofes in Schura sind gestellt.

 

Doch Ortsvorsteher Wolfgang Schoch macht sich diesbezüglich auch Sorgen um die verbleibenden Möglichkeiten der baulichen Weiterentwicklung.

„Würden alle baurechtlichen Voraussetzungen zum Bau des Rinderstalls wie auch bei der Biogasanlage erfüllt sein, wovon bald auszugehen ist, dann hätte dies ebenso Auswirkungen auf den noch nicht abschließend fertiggestellten Flächennutzungsplan 2037 für den Stadtteil Schura und damit für die weitere bauliche Entwicklung von Schura.“

Zur Ehrlichkeit gehöre aber auch dazu, dass auch ohne die Erweiterung der beiden Geruchs-Emittenten auf dem Drei-Linden-Hof Schura nach den gesetzlichen Vorgaben des Bundesimmissionsschutzgesetztes von 2021, speziell der darin enthaltenen TA-Luft (Technischen Anleitung zur Reinhaltung der Luft), nur noch eingeschränkt Möglichkeiten haben werde, im Flächennutzungsplan neue Baugebiete für die Zukunft einzuplanen.

Immissionswerte reduziert

„Selbst solche stehen nun auf dem Prüfstand, die schon in den 1970er-Jahren vorgesehen waren, wie das großzügig angedachte Baugebiet Brühl zwischen der Schönbachstraße und dem Friedhof.“ Um dennoch alle Möglichkeiten offen zu halten, sowohl die Erweiterung der beiden Betriebe auf dem Drei-Linden-Hof, wie auch die Planung für Schura, seien bauseits einige Schritte zur Reduzierung der Immissionswerte eingeleitet worden, über die bereits beraten und diese auch gebilligt wurden. Als Beispiel nannte Schoch die Überdachungen der Gärrestebehälter.

„Das Grundproblem liegt in Schura selbst“, und zwar in der Anzahl der landwirtschaftlichen Betriebe auf engstem Raum. 1971, im Jahr der Eingemeindung nach Trossingen, hatte Schura 18 landwirtschaftliche Betriebe, teils im Nebenerwerb, vorwiegend mit Rinder- und Schweinehaltung. „Damals gab es die TA Luft (ab 2021) in der heutigen Form noch nicht, sonst hätte in der Zwischenzeit vieles nicht bebaut werden dürfen“, stellte Schoch fest.

Acht Höfe im Ortsteil

Im Jahr 2026 hat die Gesamtstadt Trossingen rund 13 Betriebe, davon sind in Schura sieben ansässig mit acht Höfen. Diese Konzentration habe gemäß dem Bundesimmissionsschutzgesetz (TA-Luft) Auswirkungen in Bezug auf die bauliche Entwicklung von Schura. Deshalb stehe die Stadt mit der Landwirtschaft im Dialog, um die Weiterentwicklung von Schura, zumindest in Teilen der seit den 1970er Jahren vorgesehenen Planung sicherzustellen.

Mit dem Wissen, dass einerseits die gesicherte Zukunft des Drei-Linden-Hofs und damit die Modernisierung und Marktanpassung nur noch ab einer bestimmen Betriebsgröße möglich sein wird, desgleichen die anhängige und davon abhängige Biogasanlage, andererseits, dass infolge der Immissionen die Fortschreibung des Flächennutzungsplans und damit die Weiterentwicklung von Schura davon wieder abhängig sein wird, hat Schoch bereits im Juni 2023 vom Ortschaftsrat mit sieben Ja-Stimmen und einer Gegenstimme eine deutliche Zustimmung zur Erweiterung des Drei-Linden-Hofs erhalten. „Damit war die eine Richtung kommunalpolitisch abgesteckt.‘

Nun gelte es aufzupassen, dass auch „die weitere Dorfentwicklung hierbei nicht unter die Räder kommt“. Wie dies zu bewerkstelligen sein wird, sei noch die große offene Frage angesichts der überaus komplizierten Sachlage. Das Problem liege ja nur bedingt beim Drei-Linden-Hof, sondern in der Gesamtsituation der Landwirtschaft. „Konkret stehen wir in einem Spannungsfeld zwischen den ökonomischen Herausforderungen, denen die Landwirtschaft unterworfen ist, und der baulichen Fortentwicklung von Schura.“

Planungssicherheit gefragt

Dies bedeute, dem Drei-Linden-Hof und der Biogasanlage die wirtschaftliche Zukunft nicht zu verbauen und dennoch die Weiterentwicklung von Schura zu ermöglichen. „Schließlich wollen wir beides – stabile Landwirtschaftsbetriebe und zugleich Planungssicherheit für das Morgen als Kommune.“

Diese Erkenntnis sei jetzt von Bedeutung, weil der Ortschaftsrat in Bälde vor einer finalen Entscheidung zum Bauantrag stehen werde. Da die Weichen gestellt wurden, sei ein Rückwärtsgehen nicht mehr möglich. „Das heißt für unsere weitere Planung, die neue Realität als Grundlage so zu nehmen, wie sie ist.“