Wellenreiter in Lahr? Zum geplanten Surfpark gibt es noch einige offene Fragen. Foto: Ryan Sun/AP

Mit großer Mehrheit hat der Lahrer Gemeinderat einem Kriterienkatalog für einen Surfpark zugestimmt. Doch zeigte sich in den Stellungnahmen der Fraktionen, dass es noch viel Konfliktpotenzial gibt. Unter anderem kritisierte die Fraktion der Grünen den Ersten Bürgermeister Guido Schöneboom scharf.

Das Projekt „Surfield“ hat der Gemeinderat Ende April abgesegnet. Nun hat die Verwaltung einen Kriterienkatalog zur Prüfung möglicher Standorte vorgelegt – und als Ort Zuckerhof, Stadteinfahrt Nord, Seepark-Süd und Rheinstraße Nord – nördlicher Teil vorgeschlagen (wir berichteten). „Wir sind offen für weitere Vorschläge aus Ihren Reihen“, so OB Markus Ibert. Das Gremium stimmte dem Katalog bei einer Enthaltung zu.

 

Klaus Schwarzwälder (KFW) berichtete, dass seine Fraktion mit den vorgeschlagenen Standorten „ganz zufrieden“ sei. Er glaube nicht, dass es viel mehr Standorte in dieser Größe gebe. Im Kriterienkatalog sei soweit alles drin, was im Vorfeld besprochen worden sei. „Nach diesen Kriterien muss jetzt untersucht werden“, so Schwarzwälder. Die AfD-Fraktion betonte, dass man mit den Kriterien einverstanden und grundsätzlich dafür sei.

Laut Ilona Rompel (CDU) gebe es an den vorgeschlagenen Grundstücken vorab nichts zu bemängeln. Sie verwies auf den Flächenbedarf (dreieinhalb bis fünf Hektar). Man wolle nicht, dass landwirtschaftliche oder andere Grünflächen ohne Not verkauft werden. Auch der hohe Wasserverbrauch bringe Fragen mit sich.„Einen Eingriff ins Grundwasser sollte es nicht geben“, so Rompel.

Laut Roland Hirsch (SPD) könne es passieren, dass das Projekt noch scheitere. „Ich habe da schon meine Befürchtungen“, sagte er. Beim Standort Seepark-Süd etwa habe die Fraktion Bedenken, da unter anderem Vereinsgelände tangiert werde. Anders sei das natürlich, wenn man dabei von bereits versiegelter Fläche spreche. Es gebe viel zu berücksichtigen, auch ob der Investor etwa für einen Bebauungsplan aufkomme.

Schöneboom kritisiert den „moralisierenden Zeigefinger“

Darauf nahm Bürgermeister Guido Schöneboom Bezug und griff Fragen auf, die Christiane Dahlhausen vom BUND Lahr und Schuttertal in der Fragestunde gestellt hatte. Diese betrafen etwa Flächenverbrauch, Wasser und den CO2-Ausstoß. Ihm gefalle nicht, dass immer wieder der moralisierende Zeigefinger gehoben werde und andere wichtige Facetten für das Zusammenleben in der Stadt keinen Platz hätten.

Dies wollte Dorothee Granderath von den Grünen nicht stehen lassen. Für ihre Fraktion sei entscheidend, ob die Fläche bereits als Gewerbe- oder Industriegebiet ausgewiesen ist. Es solle keinen Surfpark in der freien Natur oder auf landwirtschaftlichen Flächen geben. Man habe große Bedenken, ob man einen Standort finde, der nicht zu viele Nachteile für die Umwelt habe. Über Schönebooms Stellungnahme sei sie erstaunt, natürlich dürfe der BUND mit Fragen seinem Vereinszweck nachgehen. Schöneboom erklärte, dem BUND mitnichten die Interessenvertretung absprechen zu wollen, er leiste unbestritten eine wichtige Arbeit. Doch die Fragen hätten unterschwellig einen Charakter, das Projekt so zu hinterfragen, dass es möglich nicht zustande komme. „Ich möchte einen Dialog“, so Schöneboom.

Ibert warnt, das Rad nicht zu überdrehen

Im Statement der FDP war zu hören, dass der Fragenkatalog nun erarbeitet sei – und es für einen Investor vielleicht sogar ein bisschen viel sei. Auch OB Markus Ibert warnte abschließend davor, das Rad nicht zu überdrehen. Das heiße nicht, dass man berechtigte Interesse nicht berücksichtige. „Ich sehe das Projekt als Chance für die Stadt und so sollten wir auch agieren“, so Ibert.

Ins Protokoll wurde aufgenommen, dass Vereinsnutzungen in die Abwägung kommen sollen und dass es gut wäre, ein versiegeltes und/oder ein ausgewiesenes Industrie- oder Gewerbegebiet zu nutzen.

Projekt in München

Deutschlands erster Surfpark wird bald eröffnet – in München. Die Arbeiten sind nach zwei Jahren abgeschlossen. 40 Millionen Euro hat die Einrichtung, in der Ende Mai erstmals gesurft wurde, gekostet.