Besorgt sind auch hiesige Landwirte wegen der in Deutschland grassierenden Vogelgrippe. (Symbolfoto) Foto: © HelgaQ - stock.adobe.com

Mathias Friedrich ist wegen der Vogelgrippe besorgt. Er fordert von der Politik umsichtigere Maßnahmen.

Normalerweise sind die Hühner von Mathias Friedrich auf dem weitläufigen Gelände schon von Weitem zu sehen. Etwa 9000 Hühner hält der Landwirt auf dem Breghof in Bräunlingen. Er strebe eine möglichst artgerechte Haltung an, sagt er. In großen Freiflächen haben die Tiere Auslauf unter Pappeln und Büschen. Jetzt sind sie im Stall untergebracht. Witterungsbedingt, denn das nasskalte Gewitter sei nicht förderlich für die Gesundheit der Tiere.

 

Mathias Friedrich ist allerdings höchst besorgt. „Ich halte das Risiko durch die Vogelgrippe für hoch. Die Flugroute der Wildvögel geht hier bei uns vorbei. Und der Ausbruch kam dieses Jahr sehr früh“, sagt der Landwirt. Für ihn sei es unverständlich, dass nicht strenger vorgesorgt werde. Bei einer Stallpflicht müssen Geflügelhalter ihre Tiere aus dem Freiland in geschlossenen Ställen oder unter einem sicheren, überdachten Auslauf halten. So soll verhindert werden, dass sich Tierseuchen wie die Vogelgrippe ausbreiten können. Wird gegen eine Stallpflicht verstoßen, drohen Bußgelder.

Geflügelhalter Mathias Friedrich: Wie geht es bei der Vogelgrippe weiter? Foto: Nadja Varsani

Der Landtagsabgeordnete und Ernährungsminister Peter Hauk hat Landwirte in Baden-Württemberg zur Vorsicht angehalten. „Der Schutz des Geflügels und sonstiger gehaltener Vögel muss oberste Priorität haben. Das frühzeitige Ergreifen von vorbeugenden Maßnahmen minimiert das Risiko von Geflügelpestausbrüchen“, erklärte der Politiker über eine Pressemitteilung seines Ministeriums für Ernährung, Ländlichen Raum und Verbraucherschutz (MLR). Doch eine Stallpflicht gibt es im Land bisher nicht. „Auch im Jahr 2020/2021 gab es in Baden-Württemberg keine landesweite Aufstallpflicht“, sagte der Ministeriumssprecher.

Noch keine eine landesweite Stallpflicht in BW

Damals wurden deutschlandweit mehr als zwei Millionen Tiere gekeult. Dass die Regierung so reagiert, versteht Landwirt Mathias Friedrich aus Bräunlingen nicht. „Ein Versäumnis der Politik“, findet er klare Worte. Besonders Betriebe mit Freilandhaltung seien aus seiner Sicht gefährdet. Hier sei es wahrscheinlicher, dass sich die Tiere durch den Kontakt mit Wildvögeln infizieren. „Für das Tierwohl würde ich die Tiere auch vorläufig einsperren“, sagt der Landwirt. Eine artgerechte Haltung könne er auch im Stall garantieren. Hier hätten die Tiere Außenklima und genügend Beschäftigungsmaterial wie Sand zum Scharren.

"Wir persönlich lassen unsere Hühner vorerst noch im Freien laufen." Uwe Münzer, Geflügelhalter aus Neudingen Foto: Silvia Bächle

Virus an 91 Orten in Deutschland nachgewiesen

Das Virus wurde laut dem Tierseuchen-Informationssystem (TSIS) des Friedrich-Löffler-Instituts (FLI) derzeit an 91 Orten in Deutschland nachgewiesen (Stand Mittwoch, 29. Oktober). Davon entfallen 60 Fälle auf wildlebende Tiere. In rund 30 Fällen gibt es Ausbrüche in Betrieben, so das TSIS. Im Norden und Nordosten der Bundesrepublik weist die Karte besonders viele Punkte auf. Viele Geflügelhalter sorgen sich, dass das Virus sich entlang der Zugroute der Wildvögel ausbreite, so das MLR.

Dramatische Folgen

Der Neudinger Landwirt Uwe Münzer, der dem Vorstand des Badischen Landwirtschaftlichen Hauptverbands (BLHV) im Kreisverband Donaueschingen angehört, gibt sich weniger besorgt. „Wir persönlich lassen unsere Hühner vorerst noch im Freien laufen, da die Hühnerhaltung bei uns auf dem Betrieb nur ein kleiner Teil des Gesamtbetriebes ist.“ Zudem halte er nur rund 200 Hühner. Auf den Betrieb von Mathias Friedlich hingegen hätte ein Nachweis der Infektion dramatische Folgen. „9000 Tiere keulen zu lassen, das täte mir nicht nur in der Seele weh“, so Friedrich. Um diese Anzahl an Bio-Jungtieren zu ersetzen, bräuchte er ein halbes Jahr Vorlauf.

Die Krankheit

Bei den derzeitigen Vogelgrippeviren
handelt es sich dem Friedrich-Löffler-Institut zufolge um eine für Hausgeflügel hochansteckende, mit schweren allgemeinen Krankheitszeichen verlaufende Infektionskrankheit. Vor allem in Wasserwildvögeln komme eine schwächere Variante des Virus naturgemäß vor. Durch Mutation könne sich die gefährliche Variante entwickeln. Seit 20. Oktober stuft das Institut das Risiko zum Infektionsgeschehen als hoch ein.