Sprachen über die Perspektiven der Gastronomie (von links): Erik Schweickert, Herbert Müller, Ricarda Becker, Joachim Schönborn, Michal König, Rolf Berlin, Claudia Dürr und Wolfgang Frey. Foto: Zoller

Angesichts der neuen Corona-Verordnung des Landes Baden-Württemberg mit dem Beschluss der 3G-Regelung beunruhigt die Gastronomie und Hotellerie im Kreis Calw der Ausblick auf den Herbst. Denn nur wer geimpft, genesen oder getestet sei, könne vollumfänglich am gesellschaftlichen Leben teilhaben.

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Bad Teinach - Zu einem Gesprächsaustausch waren Gesprächspartner aus Politik, Hotellerie und Gastronomie der Einladung von FDP-Kreisverbandsvorsitzenden Herbert Müller aus Calw sowie Rolf Berlin, Dehoga-Vorsitzender des Kreisverbandes Calw, ins Hotel Therme nach Bad Teinach gefolgt.

3G-Regelung wird als "Erschwernis" wahrgenommen

"Wir sind gut gebucht", erklärt Ricarda Becker, Stellvertretende Direktorin "Hotel Therme Teinach", die die 3G-Regelung als "Erschwernis" bezeichnet, aber durchaus über eine positive Stimmung vom "Urlaub im Ländle" berichtet. Aber gerade in Corona-Zeiten seien die Auswirkungen der Krise prekär. Neben finanziellen Ausfällen habe sich der Nachwuchs- und Fachkräftemangel dramatisch verstärkt.

"Uns fehlt Planungssicherheit in der weiteren Corona-Politik", so Becker, die Lösungen von der Politik fordert, um dem Personalmangel entgegenzuwirken und zudem für die weitere Entfristung der Mehrwertsteuer kämpft. Nach dem Shut-Down kam der Ansturm der Gäste, die die Heimat für sich neu entdeckten.

"Bedingt durch die Schließungen davor gab es eine dramatische Verstärkung des Fachkräftemangels", berichtet Joachim Schönborn, stellvertretender Hauptgeschäftsführer des Hotel- und Gaststättenverbandes Dehoga Baden-Württemberg, der die Aussage von Rolf Berlin bestätigt, dass der Markt an Mitarbeitern gänzlich abgegriffen ist.

"Der Einzelhandel hatte durch Corona eine stärkere Nachfrage als zuvor und hat dem Gastronomie- und Hotelgewerbe wichtige Mitarbeiter entzogen, die statt Kurzarbeit eine feste Anstellung suchten." Schönborn, der darüber hinaus den Fachkräfte- und Nachwuchsmangel einem gesellschaftlichen Imageproblem zuschreibt, betont die sicheren Arbeitsplätze und kann nicht verstehen, warum "ein Student im Status höher als ein Auszubildender steht".

Für Michal König, selbst Unternehmer und FDP-Bundestagskandidat für den Wahlkreis Calw/Freudenstadt, ein wichtiges Thema, das nicht von der Hand zu weisen sei. Als wichtige Arbeitgeber will er die Hotellerie und Gastronomie im Nordschwarzwald unterstützen und sich dafür einsetzten, um die nach Aussage von Claudia Dürr, Inhaberin Hotel Rössle in Altensteig-Berneck und Vorsitzende der Dehoga-Frauen, "tollen Ausbildungsberufe mit vielen Möglichkeiten und Chancen" wieder in den Vordergrund zu stellen.

Entfristung der Mehrwertsteuer wird begrüßt

"Wir müssen durch ordentliche Schulen, gute Bildung digitale Infrastruktur dafür sorgen, dass die Gastronomie auch weiterhin ein attraktiver Arbeitgeber bleibt", erklärt Erik Schweickert. Als Vorsitzender des Wirtschaftsausschusses im Landtag von Baden-Württemberg und Sprecher der FDP-Fraktion für Mittelstand, Handwerk und Tourismus beton er: "Die Gastronomie hat genug gelitten." Seines Erachtens müsse die Politik alles dafür tun, dass ein weiterer Lockdown ausgeschlossen wird. "Wir müssen dafür sorgen, dass die Rahmenbedingungen so sind, dass die Gäste weiterhin gerne kommen und deswegen müssen wir mit wenig Bürokratie und mit gutem Beispiel voran gehen, dass Gastronomie und Hotellerie im Schwarzwald eine Zukunft hat." Eine Aussage, die Joachim Schönborn mit wohlwollendem Kopfnicken bestätigt und die Entfristung der Mehrwertsteuer als "bestes Konjunkturprogramm" anführt, das die Politik der Gastronomie und Hotellerie geben könnte.

"Wir würden gerne langfristig die Mehrwertsteuer auf dem halbiertem Mehrwertsteuersatz behalten wollen und auch auf die Getränke ausdehnen", so seine Anregungen an die Politik. Damit betont er die "Herzensangelegenheit" aller Beteiligten, die auch Wolfgang Frey, Vorsitzender des Dehoga-Ortsverbandes Enzklösterle als "vernünftige Rahmenbedingung begrüßt."

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