Gibt es wirklich einen Wolf im Kreis Rottweil? (Symbolbild) Foto: Klaus-Dietmar Gabbert/dpa

Geht jetzt doch der Wolf um im Kreis Rottweil? Ein Schäfer berichtet von einem gerissenen Tier, anderswo scheint ein Wolf gefilmt worden zu sein. Wir gehen der Sache nach.

Während es in anderen Kreisen längst den Nachweis gibt, dass ein Wolf umherstreift, bleibt es im Kreis Rottweil bislang bei immer wieder aufflackernden Vermutungen. Jetzt sorgt ein scheinbar gerissenes Schaf im Bereich Eckhof in Rottweil für Aufsehen.

 

Schäfer Matthias Meerwarth hat ein totes Schaf mit entsprechenden Verletzungen vorgefunden und geht davon aus, dass es von einem Wolf gerissen wurde. Der Verdacht auf einen Riss sei vom Schäfer am 10. Mai gemeldet worden, bestätigt die Forstliche Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg in Freiburg (FVA) auf Nachfrage.

Wie Johanna Fritz, Wolfs-Expertin am FVA-Wildtierinstitut, weiter erklärt, hätten Mitarbeitende der FVA die Situation vor Ort dokumentiert und genetische Abstrichproben genommen.

Untersuchung am CVUA läuft

„Das Tier wurde zunächst an das Chemische- und Veterinäruntersuchungsamt Freiburg (CVUA) zur Untersuchung übergeben. Ein Wolf als Verursacher kann zum aktuellen Zeitpunkt weder bestätigt noch ausgeschlossen werden“, so die Expertin. Die Ergebnisse müssen hier also noch abgewartet werden. In der Regel dauert dies zehn bis 14 Tage.

Bereits vor einem Jahr war das CVUA übrigens mit einer Probe aus Rottweil beschäftigt. Matthias Meerwarth hatte damals gleich zehn Tiere seiner Damwild-Herde tot aufgefunden - und von den Fraßspuren ebenfalls auf einen Wolf geschlossen. Damals hatten die Untersuchungen allerdings ergeben, dass die Fraßspuren „postmortal“ waren, also erst nach dem Tod der Tiere zustande kamen. Die Spur führte zu Füchsen und Waschbären als Verursacher.

Vor einem Jahr: Wolf ausgeschlossen

Dass seine Tiere bei ihrem Tod bereits stark abgemagert und geschwächt gewesen seien, so der Vorwurf der Behörden, dagegen hatte sich Matthias Meerwarth vehement gewehrt. Das Fazit von Landratsamt und FVA damals lautete jedenfalls damals: „Es lässt sich gänzlich ausschließen, dass ein Wolf für die Vorfälle im Damwildgehege verantwortlich war.“

Jetzt könnte die Lage natürlich eine andere sein. Bei Schäfern jedenfalls sorgt der Riss verständlicherweise für große Unruhe, wie zu vernehmen ist. Und dann ist da noch eine weitere Meldung, die vor einiger Zeit die Runde machte: In Feckenhausen hatte eine private Videoüberwachungskamera an einer Hofeinfahrt ein Tier erfasst, das zumindest auf den ersten Blick einem Wolf sehr ähnelt.

Bei Video geht die FVA von einem Hund aus

Auch dazu befragen wir die Fachleute von der FVA. Eine offizielle Meldung zu dieser Beobachtung liege nicht vor, heißt es dazu aus Freiburg. Und weiter: „Aufgrund der hier vorliegenden Bildqualität können wir keine Aussage darüber treffen, ob hier tatsächlich ein Wolf zu sehen ist oder nicht. Wir gehen hier eher von einem Hund aus. Wir werten dieses Videomaterial daher als sog. C3-Nachweis, also als einen unbestätigten Hinweis und somit nicht als sicheren Wolfsnachweis.“

Im Video werde die Sichtung von mehreren Wölfen erwähnt, auch dazu habe meine keine Meldung erhalten und könne demnach keine Aussage dazu treffen.

Und wie wahrscheinlich ist nun die Anwesenheit eines Wolfes im Kreis Rottweil überhaupt? Johanna Fritz erklärt, dass grundsätzlich überall in Baden-Württemberg mit durchziehenden Einzeltieren zu rechnen sei. Aber: "Für den Landkreis Rottweil haben wir weder im laufenden, noch in den vergangenen beiden Monitoringjahren sichere Nachweise zum Wolf zu verzeichnen.“

Wolf GW4389m bei Donaueschingen

In der Nähe sei der Wolf GW4389m – Region Ostbaar, um Donaueschingen – territorial und bereits seit 2024 nachgewiesen. Weitere Wolfsindividuen sind im Nordschwarzwald sesshaft.

Die Unruhe bei Tierhaltern im Kreis Rottweil jedenfalls bleibt. Und die Ergebnisse aus dem Eckhof werden nun mit Spannung erwartet.

Die FVA nimmt Meldungen und Hinweise im Monitoring unter www.fva-bw.de entgegen.