So etwas gibt es nicht alle Tage zu sehen: Oberbürgermeister Erik Pauly bewundert die Goldmedaille von Sophie Kistenbrügger. In der Mitte ihre Mutter Barbara. Foto: Hannah Schedler

Sie entscheidet in Berlin das Straßenradrennen für sich. Im Rathaus Doanueschingen wurde sie für ihren Sieg bei einem Empfang durch die Stadt gewürdigt. Da staunt selbst der OB, denn eine Olympische Goldmedaille sieht man nicht alle Tage.

Eine Goldmedaille sieht man nicht alle Tage – vor allem nicht, wenn die Medaille sogar aus olympischem Gold ist. Rund 560 Gramm ist sie schwer und ziert den Hals der Donaueschingerin Sophie Kistenbrügger. Bei den Special Olympics World Games in Berlin hat sie das Straßenradrennen über zehn Kilometer für sich entscheiden können. Beim Zeitfahren über fünf Kilometer hat sie den siebten Platz gemacht, beim Straßenrennen über die gleiche Distanz Platz acht. „Mit dem Sieg haben wir nicht gerechnet“, sagt die stolze Mutter und Trainerin Barbara Kistenbrügger.

 

„Das sind Emotionen pur. Einfach unglaublich“

Sie habe es kaum glauben können: „Das sind Emotionen pur. Einfach unglaublich“, beschreibt Sophie Kistenbrügger ihre Gefühle. Im schönen Berlin – zwischen Siegessäule und Brandenburger Tor – hat sich Kistenbrügger ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit ihrem stärksten Kontrahenten geliefert. Nicht einmal eine Sekunde lag am Ende zwischen den beiden. „Aber Sophie hat gebissen und sich durchgesetzt“, erzählt ihre Mutter.

Nicht nur die Sportlerin freut sich über ihre grandiose Leistung. Im Rathaus in Donaueschingen wurde diese jetzt im Rahmen eines Empfangs gewürdigt. Mehr als 50 Menschen freuten sich mit ihr. Organisiert wurde das Ganze von Heike Föhrenbach und Andreas Haller. In den Reihen der Teilnehmer waren Freunde und Familie, Lokalpolitiker und Oberbürgermeister Erik Pauly.

Eine große Ehre für Erik Pauly

„Es ist mir eine große Ehre, eine Olympia-Siegerin willkommen zu heißen“, sagte der OB. Schließlich gebe es das nicht alle Tage. „Dass ein Kind der Stadt Donaueschingen eine Medaille mit nach Hause bringt, ist eine einzigartige Erfahrung.“ Die 20-Jährige habe alle hinter sich gelassen und gekämpft, lobte er ihre Leistung. „Das ist eine unglaubliche Sache und eine enorme Ehre für die Stadt. Wir sind stolz“, sagte Pauly weiter. Den Wettbewerb habe er vor dem Bildschirm mitverfolgt, obgleich er lieber in Berlin gewesen wäre. Schließlich seien dort Atmosphäre, Gemeinschaft und Kampfgeist außerordentlich gewesen.

Pauly konnte es natürlich nicht lassen, sich selbst von der Echtheit der Medaille zu überzeugen. Selbst ein OB hat nicht alle Tage olympisches Gold in der Hand. „Sie ist ein Aushängeschild der Stadt, und gerade für Donaueschingen haben Sport und insbesondere der Radsport eine große Bedeutung“, sagte er noch über Sophie Kistenbrügger.

Es hagelt Komplimente und Glückwünsche

Die Donaueschingerin freute sich sehr über den großen Anklang und die vielen Menschen, die extra für sie zu dem Empfang gekommen waren. Es hagelte Komplimente und Glückwünsche. „Ich freue mich sehr über den Sieg“, sagte sie und präsentierte stolz ihre Medaille. Neben dem Radsport ist Kistenbrügger auch in Ski und Leichtathletik bewandert. In den Donaueschinger Vereinen ist sie groß geworden und hat dort ihre Leidenschaft gefunden. „Kistenbrügger ist eine Bereicherung für uns“, sagte Regina Kessler vom Leichtathletik-Verein Donaueschingen. Ihre Begeisterung am Sport und ihr Strahlen gebe es kaum ein zweites Mal. „Sie kann sich auch gut durchsetzen, das hat sie bei vielen Wettbewerben schon damals gezeigt.“

Im Buch der Stadt verewigt

Die Olympionikin hat sich zudem noch im Buch der Stadt verewigt. Neben Blumen und einem Gutschein wurden ihr aber vor allem Stolz und Freude zuteil. „Den Moment nach der Ziellinie werden wir nie vergessen“, schwärmte Barbara Kistenbrügger. Während des Rennens kämen viele Gefühle hoch, von Frust, Freude bis Stolz. „Der Zusammenhalt der Sportler ist unglaublich. Man spürt den Gemeinschaftssinn und die Freude für den Sport“, ergänzte ihr Ehemann Jens.

Sie trifft auch den Bundeskanzler

Sophie Kistenbrügger ist mit drei Medaillen und einer unglaublichen Erfahrung reicher zurück nach Donaueschingen gekommen. Sie habe sogar Bundeskanzler Olaf Scholz die Hand geschüttelt und sei von der Bundestagsabgeordneten Derya Türk-Nachbaur angefeuert, beglückwünscht und nach Berlin eingeladen worden. Hinter der Leistung steckt viel Arbeit, Ausdauer, Disziplin und Fleiß. Aber vor allem auch der Rückhalt von Freunden, Sportpartnern, Vereinen und nicht zuletzt der Familie.

Das steckt hinter den Special Olympics

Darum geht es
Die Special Olympics World Games sind die weltweit größte internationale Sportveranstaltung, die für Menschen mit geistiger oder mehrfacher Behinderung organisiert wird, wie es auf der Internetseite zur diesjährigen Veranstaltung heißt. Sie sind Teil der Special Olympics-Bewegung, die sich weltweit für die Integration von Menschen mit intellektuellen Beeinträchtigungen durch den Sport einsetzt. Erstmals wurden sie im Jahr 1968 abgehalten.