In den ersten Runden beim Schwergewichtskampf 2005 legte Luan Krasniqi (rechts) gegen Lamon Brewster vor, schien der WM-Titel für den Rottweiler greifbar. Foto: Rohde Foto: Schwarzwälder Bote

Boxen: Ehemalige Rottweiler Schwergewichts-Box-Profi Luan Krasniqi feiert am Montag seinen 50. Geburtstag

Der ehemalige Rottweiler Schwergewichts-Box-Profi Luan Krasniqi feiert am Montag, 10. Mai, seinen 50. Geburtstag. Und das im hohen Norden in seiner Wahl-Heimat Hamburg. Grund genug auf seine letzten 30 Jahre erfolgreiches Sportlerleben zurückzublicken.

2021 lebt er mit seiner Frau und den beiden Kindern in der Hansestadt, kann aber wie viele andere Bundesbürger keine große Sause feiern, wie er dies mit einer großen Familie, Freunden sowie zahlreichen Promis, mit denen er befreundet ist, gerne getan hätte. Krasniqi engagiert sich seit 2006 bis heute sozial für die SOS-Kinderdörfer, läuft gerne Marathon und hält sich sportlich fit.

1994 sicherte sich der 1,92 Meter große Linksausleger bei den Deutschen Meisterschaften den ersten seiner zwei Titel in der 91-Kilo-Klasse im Schwergewicht. Gewann sogar den traditionellen 23. Chemiepokal in Chemnitz und das internationale hoch angesehene Turnier in Liverpool. Sein Trainer Theo Kerekesch hatte ihn zu einem Spitzenathleten geformt. Krasniqi durfte in einem Länderkampf mit England in den Ring steigen. Und boxte nebenbei in der Bundesliga für den BC Singen. "Da sind wir sehr viel durch die Lande gefahren", hat sich Albert Weichert sehr gerne engagiert, "weil ich immer wusste, dass aus dem anständigen Jungen ein Profi werden kann."

Und diesen letzten entscheidenden Schritt zum professionellen Boxen schaffte Krasniqi dann 1995 und 1996, mit 24 bzw. 25 Jahren und einer guten technischen Box-Ausbildung. 1995 holte er erst den zweiten DM-Gürtel, dann ging es zu zwei Weltmeisterschaften. Die Heim-WM in Berlin startete er spektakulär im Viertelfinale mit einem 6:2-Punktsieg gegen Wladimir Klitschko. Im Halbfinale besiegte er Sinan Samil Sam mit 7:3. Dann wartete im Finale die kubanische Legende Felix Savon. Der unbesiegbar scheinende Gegner sorgte in der 2. Runde für einen RSC-K.o. Diese Vize-Weltmeisterschaft wiederholte Krasniqi im gleichen Jahr in Rom bei der Militär-WM, wo er als Bundeswehr-Soldat für Deutschland antreten durfte. Im Finale verlor er nur hauchdünn gegen Wladimir Klitschko. International nahm er dann 1996 bei zwei weiteren Großereignissen den nächsten Anlauf – mit Erfolg. Im dänischen Vejle gewann er den Europameister-Titel gegen Christophe Mendy (8:7).

Die Qualifikation für die olympischen Spiele in Atlanta waren erreicht. Er vertrat die Farben Deutschlands und sorgte für mächtig Stolz in Rottweil. Die schwäbische Fasnets-Hochburg, deren weltweite Bekanntheit durch den gleichnamigen Hund nun mit Krasnqi eine weitere  Attraktion erhielt. Zumal er nie müde immer gerne betonte, "dass dies meine Heimat mit tollen Menschen ist."

In den USA holte er die Bronzemedaille. Erst räumte er den späteren Profi-Weltmeister Ruslan Chagaev (Usbeikastan/12:4) aus dem Weg. Im Achtelfinale Igor Kshinin (Rußland/10:2), im Viertelfinale Sergej Dychkov (Weißrußland/8:4), was ihm das Halbfinale einbrachte. Und wieder wartete Felix Savon. Aufgrund einer Handverletzung konnte Krasniqi jedoch nicht antreten und auf das Finale zielen.

Ab diesem Zeitpunkt war nun klar, dass sich der Rottweiler nach rund 200 Amateurkämpfen auf eine Profikarriere vorbereitete. Und 1997 war es soweit. Beim Hamburger Boxstall Universum bekam er seinen ersten Vertrag. Hier arbeitete er sich Stück für sich nach oben. Unter anderem in London als Sparringspartner von Weltmeister Lennox Lewis durchlief er die harte Lernschule, bis er es acht Jahre später zu einem WM-Kampf brachte und insgesamt am Ende seiner Profi-Laufbahn auf 35 Kämpfe (30 Siege, 14 Knockouts, 1 Remis).

2002 gewann Luan Krasniqi in Magdeburg gegen René Monse zunächst den EM-Titel. Im selben Jahr verlor er den Gürtel jedoch gegen den Polen Przemyslav Saleta in Dortmund nach Aufgabe in der 8. Runde, obwohl er in Führung lag. "Ich hatte mich schlecht vorbereitet, fühlte mich im Kampf nicht mehr gut und hatte das Gefühl, ich würde K.o. gehen", kommentierte Krasniqi damals. Aus diesem schwarzen Moment lernte er viel. Aktivierte seine Stärken wieder und kam mit Beharrlichkeit und Kampfgeist eindrucksvoll zurück. Inzwischen mit neuem Trainer – Torsten Schmitz für Michael Timm.

Mit neuem Konzept, Strategie und einer "Wohlfühloase". Die hieß Rottweil. Heimat. Familie, Freunde, Rückendeckung. In seinem eigenen Gym auf dem Mockergelände trainierte er wie besessen. Immer an seiner Seite: Bruder Agim sowie Betreuer und Cutman Volker Grill, zwei wichtige Vertrauenspersonen. Zahlreiche Sparringspartner gingen ein und aus. Auch andere Weltklasse-Athleten, die bei Schmitz trainierten weilten viele Trainingslager in Rottweil wie die Weltmeisterinnen Regina Halmich sowie Alesia Graf.

Am 14. Februar 2004 holte sich Krasniqi in Stuttgart gegen Sinan Samil Sam (verstarb 2015 an einer Lebererkrankung) den EM-Titel zurück. Verteidigte diesen zweimal gegen René Monse und Timo Hoffmann, eher er ihn niederlegte. Sein Promoter Klaus-Peter Kohl witterte nun längst den großen Coup. Durch den Sieg im Ausscheidungskampf gegen Lance Whitaker im Mai 2005 wiederum in Stuttgart wurde er Pflichtherausforderer von WBO-Weltmeister Lamon Brewster.

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