Schließung droht: An der Albert-Schweitzer-Schule und der Landesberufsschule für das Hotel- und Gaststättenwesen (HoFa) drohte langsam der Ausfall des Sportunterrichts.
„Die Sporthalle der Landesberufsschule für das Hotel- und Gaststättengewerbe und die Sporthalle der Albert-Schweitzer-Schule sind in einem Zustand, der keinen regulären Sportunterricht mehr zulässt“, heißt es in einem Papier des Landratsamtes.
Beratung im Bildungsausschuss Grund genug für den Bildungsausschuss des Kreistags, die Sanierung der beiden Sporthallen zu beschließen. Und dies, obwohl die verlockenden Zuschüsse des Bundes-Förderprogramms „Sanierung kommunaler Sportstätten“ unerreichbar sind. Der Bund fordert von Interessenten, dass sie bei einer Sanierung Gebäude so stark dämmen, dass am Schluss der Standard „Effizienzhaus 85“ eingehalten werden kann. Das bedeutet eine Energieersparnis von 15 Prozent gegenüber einem Neubau nach dem derzeitigen gesetzlichen Standard (Gebäudeenergiegesetz/GEG).
Maßvolle Sanierung: Um dies zu erreichen, müsste der Landkreis zusätzlich Dach und Fassade sanieren sowie die Anlagentechnik und Heizung umbauen, also einen weit höheren Millionenbetrag investieren. Zudem wurde bekannt, dass im Bundesprogramm nur 333 Millionen Euro für die Sanierung kommunaler Sportstätten zur Verfügung stehen, aber inzwischen Anträge im Wert von 7,5 Milliarden Euro gestellt wurden.
Aus diesem Grund schlug Landrat Sven Hinterseh dem Ausschuss vor, nicht auf die (beantragten) Bundesgelder zu hoffen, sondern eine maßvolle Sanierung in die Wege zu leiten, die bei der Albert-Schweitzer-Schule in der Villinger Schelmengaß Kosten von 1,7 Millionen verursacht und an der Sporthalle der Landesberufsschule von 0,8 Millionen Euro.
Albert-Schweitzer-Schule In der 1979 erbauten Sporthalle der Albert-Schweitzer-Schule ist der Linoleum-Boden nicht mehr elastisch wie ein typischer Sporthallenboden, sondern hart, brüchig und glatt, sodass Verletzungsgefahr besteht. An mehreren Stellen ist er sogar notdürftig ausgebessert. Weil von außen Wasser in die Halle eindringt und aufgrund von Abnutzung löst sich der Boden großflächig vom Unterbau. „Die Nutzung der Halle ist zum Teil gefährlich“, sagt Rektor Alexander Weinbeer, „deshalb hat der Boden für uns Priorität, ich will nicht, dass jemand hier umknickt und sich verletzt.“
Für zwei Drittel der 1100 Schüler an der vom Landkreis getragenen Albert-Schweitzer-Schule gehört laut Bildungsplan auch Sport zum Pflichtunterricht, zudem gehört beispielsweise für die Abiturienten am biotechnischen, ernährungswissenschaftlichen sowie am sozial- und gesundheitswissenschaftlichen Gymnasium das Fach Sport zum Leistungskatalog. Im April 2025 schrieb ein Sport- und Wirtschaftskundelehrer der Albert-Schweitzer-Schule an seinen Schulleiter: „Ich habe heute den Sportunterricht aufgrund von zu hoher Verletzungsgefahr abgebrochen. Es ist einfach viel zu gefährlich. Die Halle ist in einem desolaten und mehr als kritischen Zustand“.
Vereine in der Halle Doch nicht nur die Jugendlichen benutzen die Sporthalle an der Albert-Schweitzer-Schule, ab dem frühen Abend bevölkern Vereine aus der Doppelstadt die Sporthalle, bis 22 Uhr laufen Angebote wie Kinderturnen, Fußball, Basketball und Volleyball.
Landesberufsschule: An der 1981 errichteten Sporthalle der Landesberufsschule für das Hotel- und Gaststättenwesen in der Villinger Südstadt sind die Shed-Dächer und das Flachdach undicht, es tropft bei Regen herein. Der Sportboden ist durch zahlreiche Wassereintritte beschädigt.
Auch Fenster und Fassade sind schadhaft, sodass eine Außenwanddämmung und Fenstererneuerung notwendig wird. Stefan Löffler, Chef des Amts für Schule, Hochbau und Gebäudemanagement im Landratsamt, riet den Kreisräten, nicht mit einem Bundeszuschuss zu rechnen: „Wir haben desolate Sporthallen und sollten anfangen, sie zu sanieren. Wenn man die Hallen so lässt, müssen wir sie schließen“. An der Landesberufsfachschule soll die Sanierung sofort anfangen und bis Oktober dauern, an der Albert-Schweitzer-Schule sind die Arbeiten 2026 und 2027 geplant.
Als Alternative zum Bundesprogramm bewirbt sich die Stadt nun um Landesmittel aus dem Sportstättensanierungsprogramm, hier werden aber nur 30 Prozent der Kosten erstattet (357 000 Euro), beim Bundesprogramm wären es 45 Prozent gewesen. Um die entstehende finanzielle Lücke zwischen Landes- und Bundesförderung in Höhe einer halben Million (genau: 575 000) Euro zu schließen, denkt Landrat Sven Hinterseh an das Sondervermögen des Bundes.
Sondervermögen Weil das Land Baden-Württemberg zwei Drittel seiner Mittel aus dem Sondervermögen an die Kommunen weitergibt, kann der Schwarzwald-Baar-Kreis innerhalb von zwölf Jahren voraussichtlich 43 Millionen Euro abrufen. „Meiner Meinung nach ist die Schließung von Sporthallen keine Option“, sagte Landrat Sven Hinterseh, für die CDU plädierte Detlev Bührer auch für den Verzicht auf die Bundesförderung: „Um den gewünschten Standard einzuhalten, müssen wir die Halle bis auf das Skelett abbauen“.
Auch Walter Klumpp (Freie Wähler), Martin Rothweiler (AfD)und Peter Rögele (SPD) signalisierten Zustimmung. Ulrike Salat (Grüne) meinte ebenfalls: „Eine Schließung von Sportstätten kommt nicht in Frage“, wies aber darauf hin, dass beide Schulen und deren Hallen mit Gas beheizt werden, das nicht unendlich zur Verfügung stehe. Eine Umrüstung der Heizungen, die teilweise mit BHKWs arbeiten, kommt aber laut Landrat Sven Hinterseh im Moment nicht in Frage, in Zeiten knapper Finanzen könne man lediglich das Notwendige finanzieren.
Der Ausschuss votierte einstimmig für die die vorgeschlagenen Sanierungen. Rektor Alexander Weinbeer sagte den Kreisräten: „Ich bin sehr glücklich, dass Sie die Mittel für die Sporthallensanierung freigegeben haben“. Neben dem Hallenboden werden auch die Duschen saniert und deren Zahl von sechs auf zwei pro Umkleideraum reduziert. Außerdem wird das warme Wasser für die Sporthallenduschen künftig dezentral versorgt, damit im Sommer das BHKW abgeschaltet werden kann.
Erneuert wird auch die Prallwand, die desolate Lüftungsanlage (nur noch die Abluft funktioniert, die Zuluft nicht) wird komplett ausgebaut und nicht ersetzt. Erneuert wird auch die Mess-, Steuer-, Regelungstechnik für die Heizungs- und Sanitäranlagen im Gebäude.