Der spannende Moment ist gekommen: Die Kinder richten ihre brennenden Fackeln zum Abwurf bereit nach oben, um sie wenige Augenblicke später in das vor ihnen aufgestapelte Holz zu werfen. Foto: Ferenbach

Da passte eigentlich alles: Nach zwei Jahren Corona-Pause lockte die Sonnwendfeier des Schwarzwaldvereins Straubenhardt rund 2000 Gäste an.

Straubenhardt-Schwann - In nur wenigen Minuten stiegen die lodernden Flammen, die den Sommer begrüßen sollen, meterhoch in den Himmel. Kinder hatten den riesigen Holzstapel auf der Wiese bei der Schwanner Warte kurz zuvor mit ihren brennenden Fackeln entzündet. In sicherer Entfernung spürten die rund 2000 Besucher, die sich zur traditionellen Sonnwendfeier des Schwarzwaldvereins Straubenhardt eingefunden hatten, die Hitzewelle, die das mächtige Feuer verströmte.

Fast schon mystische Kulisse

Die hochsommerliche Hitze des Tages war hingegen angenehmen Temperaturen gewichen und die Sonne verschwand hinter einem Schleier aus gelblichem Saharastaub am Horizont. Eine faszinierende Atmosphäre, die schon seit Jahrzehnten zur Sommersonnwende die Menschen immer wieder in ihren Bann zieht. Und wo gibt es dafür eine schönere, fast schon mystische Kulisse für Sonnenuntergang und Lagerfeuerromantik als unterhalb des Aussichtsturms am Waldrand, wo sich der Blick bis ins Rheintal und den Pfälzer Wald öffnet?

Nach zweijähriger, coronabedingter Pause war der organisierenden Vereinsführung um die beiden Vorsitzenden Fredric Trautz und Otto Brauns zwar eine gewisse Anspannung, aber auch eine große Freude anzumerken, zumal das Wetter bestens mitspielte. "Bei Regen würden wir auf einem Defizit sitzen bleiben, denn viele Fixkosten fallen trotzdem an", meinte Trautz gegenüber dem Schwarzwälder Boten. In diesem Jahr musste der Verein kurzfristig umdisponieren und den Termin für die Sonnwendfeier um eine Woche vorverlegen, da für das ursprünglich anvisierte Wochenende keine Biertischgarnituren mehr zu bekommen waren, weswegen einige Helfer ihren Urlaub abbrechen mussten.

Erfahrenes, ehrenamtliches Team

Doch könne er insgesamt auf ein erfahrenes, ehrenamtliches Team aus den rund 180 Vereinsmitgliedern zurückgreifen, das mit der Infrastruktur und den Verhältnissen auf dem Gelände seit vielen Jahren bestens vertraut sei. Auch die Zusammenarbeit mit der Kommune und der Feuerwehr, was die Anlieferung des Holzes und dessen sicheres Abbrennen anbelangt, lobte der Vorsitzende Trautz. Zusammen mit vier weiteren lokalen Vereinen und Organisationen, darunter die Initiative "Straubenhardt hilft" für die Ukraine-Hilfe, der Förderverein der Wilhelm-Ganzhorn-Schulen, die Narrenzunft Straubenhardt und der Musikverein Dennach, stemmten rund 35 Mitglieder des Schwarzwaldvereins die Bewirtung der Festbesucher.

"Natürlich haben wir uns im Vorfeld abgestimmt, damit ein möglichst breites Angebot an Speisen und Getränken zustande kommt", meinte Otto Brauns. So gab es neben Steakweck und Kuchen, serviert von der jungen Mountainbike-Trailpark-Gruppe des Schwarzwaldvereins, auch Wurstsalat, Flammkuchen, Wraps und Waffeln, neben Bier und Wein auch Sangria und Crushed-Ice-Cocktails, letztere zubereitet von Flüchtlingen aus der Ukraine.

Fackelzug bei Einbruch der Dunkelheit

Das Haus der Familie (Familienbildung Westlicher Enzkreis) sorgte mit seinen Spielstationen – darunter Jenga, Kniffel, Glücksrad, Sandsieben und Wurfschleuder – für unterhaltsamen Zeitvertreib bei Familien mit Kindern. "Wir wurden vom Schwarzwaldverein angefragt und haben uns gerne beteiligt", so die pädagogische Leiterin Heike Herb, die mit den Kindern aus alten Programmheften kleine Papierkörbchen faltete.

Höhepunkt für die kleinen Gäste dürfte sicherlich der Fackelzug bei Einbruch der Dunkelheit gewesen sein. 100 Fackeln gaben hierzu Charlotte Föller und Mike Waidelich aus, die in einer Feuerschale entzündet wurden. Der Lindwurm aus stolzen Fackelträgern bildete schließlich einen Kreis um das aus den heimischen Wäldern angeschaffte und aufgestapelte Holz. Auf Kommando entfachten die Kinder das Feuer und zogen sich dann schnell zusammen mit ihren Eltern von der sich ausbreitenden Hitzewelle zurück.

Hochzeit am Turm geplant

Mit dabei waren auch Vivien und Steffen Rose aus Langenalb mit ihrer dreijährigen Tochter Emilia. "Wir haben uns im Jahr 2006 bei der Sonnwendfeier kennengelernt und wollten im Jahr 2020 am Turm unsere Hochzeit feiern, was aber coronabedingt nicht möglich war", meinte der Familienvater. "Wir werden das aber auf jeden Fall noch nachholen", meinte seine Frau Vivien.

Die 19-jährige Nora Kirchner aus Birkenfeld kennt die Sonnwendfeier bereits aus ihrer Kindheit. "Ich treffe mich heute mit Freunden aus meiner Schulzeit an der Wilhelm-Ganzhorn-Realschule in Conweiler. Wir haben uns spontan verabredet und genießen die Atmosphäre mit dem Feuer auf einer Picknick-Decke und mit einer Musik-Box auf der Wiese. Ich finde es toll, dass es heute so angenehm warm ist und man wieder soziale Kontakte pflegen kann", sagte die Bankkauffrau, die die gute Organisation lobte und lediglich etwas Hintergrundmusik mit Gitarre oder Ähnlichem vermisst.

Erlös soll in die Renovierung des Aussichtsturms fließen

Gabriele und Waldtraud, zwei Freundinnen mittleren Alters aus Remchingen, sind bereits zum fünften Mal bei der Sonnwendfeier. "Das Feuer hat dieses Mal unheimlich schnell und meterhoch gebrannt, was wohl am trockenen Holz lag. Wir finden den Platz sehr schön und genießen den faszinierenden Blick in das Feuer und hinüber zur Rheinebene. Auch Remchingen kann man von hier aus erkennen, umgekehrt sehen wir von unserem Wohnort die Schwanner Warte", zeigten sich die beiden begeistert von einem "herrlichen Sommerabend".

Dessen Erlös soll laut Trautz in die Renovierung des Aussichtsturms an der Schwanner Warte fließen. Zudem möchte der Verein die Toiletten unterhalb des Turms an die Abwasserkanalisation anschließen. Er rechnete damit, dass viele Gäste noch bis weit nach dem offizielles Ende des Festes um 24 Uhr rund um das Feuer sitzen bleiben. Die Nachtwache des Vereins sorgte bis zum nächsten Morgen dafür, dass übermütige oder zu sehr alkoholisierte Besucher nicht die Sitzbänke als unerwünschtes Brennmaterial verwenden.