An der Orgel ist Bernd Koch in seinem Element. Foto: Conzelmann

Im Rahmen der Orgelandachtsreihe "Sonntags um Sechs" hat Bernd Koch ein Gastspiel in der Truchtelfinger Galluskirche gegeben.

Im Rahmen der Orgelandachtsreihe "Sonntags um Sechs" hat Bernd Koch ein Gastspiel in der Truchtelfinger Galluskirche gegeben.

Albstadt-Truchtelfingen. Das Motto lautete "Grenzenlose Freude", und es passte, wenngleich die Freude zumindest zeitlich limitiert war – knapp 40 Minuten währte der Gottesdienst, was so mancher Besucher bedauert haben dürfte. Bernd Koch hatte eine vorzügliche Auswahl an Stücken getroffen; bereits der Auftakt, das Allegro des Concertinos in D aus dem Husumer Orgelbuch, führte zum Motto der Andacht hin, auch dank der Registrierung, die Koch gewählt hatte. Das Präludium in C von Johann Christoph Kellner meisterte Koch souverän; fast spielerisch bewältigte er in dem frühklassischen Werk die Wechsel vom leisen zum lauten Manual.

Musikalischer Glanzpunkt, wenn man aus den vielen Höhepunkten überhaupt einen herausgreifen mag, waren die Variationen über "In dir ist Freude", sechs an der Zahl von unterschiedlichster Couleur: mal verspielt, mal furios, mal äußerst subtil, etwa wenn hinter dem dominanten Zungenregister erst nach und nach die vom Flötenregister intonierte Melodie zum Vorschein kam. "In dir ist Freude" ist eine Komposition von Cyriakus Schneegaß, einem thüringischen Pfarrer, der in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts lebte, die Variationen dagegen sind ein zeitgenössisches Werk aus der Feder des bayerischen Komponisten Stefan Trenner, der sie auf Wunsch von Bernd Koch geschrieben und ihm gewidmet hat – die beiden kennen sich von einem Organistenforum her, an dem sie beide teilgenommen hatten. "In dir ist Freude" war auch das Thema des geistlichen Impulses von Pfarrer Grosse, der den liturgischen Teil des Gottesdienstes gestaltete.

Freude, die das Leid überwindet, war auch aus der Sonate in B-Dur von Felix Mendelssohn-Bartholdy herauszuhören. Unterschiedlichste Klangfarben, vom Plenum bis zu den weichen Stimmen, entlockte Bernd Koch der Orgel seiner Heimatgemeinde – man mag kaum glauben, dass er das "nur" nebenberuflich tut.

"Was für’s Herz", so Koch, war das Cantabile No. 2 von Enrico Pasini, das man sich gut als Filmmusik für romantische Melodramen vorstellen könnte – die leichte, warme Melodie lud zum Träumen ein. "Freudige, fröhliche Orgelmusik", so Koch, bot er auch zum Abschluss: zunächst die "Tune for St. Michael" von Michael Czulak, die bezeugte, dass auch zeitgenössische Orgelmusik – Czulak ist Jahrgang 1995 – nicht atonal sein muss, sodann, nach langem anerkennendem Applaus, die Zugabe "Christ ist erstanden", eine Fanfare aus der Feder von Matthias Nagel. Und so endete die Andacht, wie sie begonnen hatte: mit Freude, nämlich der über die Auferstehung Jesu.