Die Donaueschinger Innenstadt ist sonntags wie verwaist. Gastwirte blicken gelassen auf Gäste-Rückgang. Auch für die Polizei gibt es weniger Einsatzlagen.
Nach Einbruch der Dunkelheit legt sich eine ungewohnte Stille über Donaueschingen. Die Straßen sind leer, die Lichter in den Schaufenstern erloschen, und selbst die sonst belebten Plätze liegen verlassen da. Besonders an Sonntagen scheint das öffentliche Leben vollständig zum Erliegen zu kommen. Was tagsüber nach Geschäftigkeit und Bewegung klingt, verwandelt sich am Abend in eine fast greifbare Ruhe.
Für Tevfik Ceylan, Betreiber der Black Pearl Bar, ist diese Ruhe keine Überraschung – sie gehört für ihn zum Alltag. „Ich habe sonntagabends nicht geöffnet. Es lohnt sich schlicht nicht“, sagt er. „Es kommen zu wenige Gäste. Am Personal liegt es nicht. Und natürlich spielen auch die Kosten eine Rolle. Wenn kaum jemand kommt, übersteigen die Ausgaben schnell den Nutzen.“ Der Gastronom führt die Leere am Sonntag nicht auf wirtschaftliche Probleme oder mangelnde Ideen zurück, sondern auf die Lebensweise der Menschen.
„Völlig normal“
„Die Ruhe am Sonntagabend ist hier völlig normal“, erklärt Ceylan. „Viele verbringen den Abend mit der Familie oder gönnen sich Zeit für sich selbst. Ich sehe darin weder wirtschaftliche Zwänge noch fehlende Konzepte. Es ist einfach Ausdruck einer ländlichen Mentalität. Und das kann ich sehr gut nachvollziehen.“ Ceylan beobachtet die Entwicklungen in der Branche gelassen. „Ich würde die Gastronomie in Donaueschingen nicht als schwierig bezeichnen“, meint er. „Es hängt immer von der Zeit, der Saison und den Umständen ab. Im Großen und Ganzen läuft es stabil.“
Zusammenhalt wichtig
Nur das Ausgehverhalten habe sich deutlich verändert. „In den letzten Jahren hat sich das durch Corona stark gewandelt. Die Jüngeren konnten lange nicht ausgehen. Dieses Bedürfnis ist irgendwie verloren gegangen. Heute trifft man sich lieber privat, bei Freunden oder Kollegen, statt in Bars oder Clubs. Das ist eindeutig eine Folge der Pandemie.“ Dennoch betont Ceylan: „Wir haben hier alles, was wir brauchen. Und ich denke, das wird auch geschätzt. Wichtig ist, dass wir zusammenhalten und uns gegenseitig unterstützen, in allen Bereichen.“
Auch Julian Hischmann, Geschäftsführer des Omega-Clubs, hat diesen Wandel deutlich wahrgenommen. „Ich bin in meiner Denkweise eher konservativ“, sagt er. „Ich suche die Ursache zuerst bei mir selbst oder im Konzept. Ich bin überzeugt: Wenn das Konzept stimmt, kann man grundsätzlich überall erfolgreich sein.“ Dass sich das Ausgehverhalten verändert hat, steht für ihn außer Frage. „Ganz klar“, betont Hischmann. „Und das nicht nur aus wirtschaftlichen Gründen. Viele sagen, die Menschen hätten weniger Geld. Das mag teilweise stimmen, aber es gibt auch viele, die mehr verdienen als früher. Es geht weniger ums Geld, sondern darum, wie man seine Freizeit gestaltet.“
Raus ins echte Leben
Er erinnert sich an vergangene Tage: „Früher war ich mittwochs, donnerstags, freitags und samstags im Club. Wir hatten kein Internet, keine Streamingdienste, kein Tinder. Wenn man jemanden kennenlernen wollte, musste man rausgehen – ins echte Leben“, sagt Hischmann. „Heute gibt es für viele keinen Grund mehr: Es kostet Geld, es ist laut, es wird Alkohol getrunken. Für manche sind das schon Ausschlusskriterien. Ich kann das sogar verstehen.“
Dass er sonntagabends geschlossen hat, ist für ihn eine Frage der Vernunft. „Ein Nachtclub im Industriegebiet am Sonntag, das ergibt einfach keinen Sinn. Dafür fehlt das passende Publikum. Nicht jede Bar und jedes Restaurant kann alle Bedürfnisse abdecken.“ Hischmann fasst zusammen: „Je kleiner die Stadt, desto ruhiger der Sonntag. Das ist kein Mangel, sondern einfach Realität.“
Wie spürbar die Stille tatsächlich ist, erlebt Raul Dolch von Dein Taxi jeden Sonntagabend aufs Neue. „Die Innenstadt ist sonntags definitiv ausgestorben“, sagt er. „Von dort kommen kaum Aufträge. Die Restaurants schließen früh, und die meisten Kneipen haben gar nicht geöffnet. Da ist einfach nichts mehr los.“
Kaum Fahrten mit Taxi
Seine Fahrten kämen an solchen Abenden eher aus anderen Bereichen. „Natürlich gibt es noch Fahrten. Ins Krankenhaus, bei Pannen oder für Notdienste. Aber aus der Innenstadt? So gut wie nichts. Wenn die Lokale geschlossen sind, steht alles still.“ Auch Stefan Bauer vom Gewerbeverein beobachtet den Wandel: „Sonntags ist es deutlich ruhiger als früher“, sagt er. „Die Menschen sind sparsamer geworden und verbringen den Sonntag lieber zu Hause. Man spürt eine gewisse Zurückhaltung, bedingt durch die wirtschaftliche Lage und die Unsicherheit.“
Nach Einschätzung von Daniel Brill vom Polizeipräsidium Konstanz ist das Einsatzaufkommen an Sonntagen in Donaueschingen geringer als an den übrigen Wochentagen. Eine Beobachtung, die allgemein zutreffe. Auffällige Unterschiede etwa bei Ruhestörungen, Verkehrseinsätzen oder kleineren Delikten gebe es jedoch nicht. Brill betont, dass Sonntage im Allgemeinen ruhigere Tage seien, sofern keine speziellen Veranstaltungen oder witterungsbedingte Besonderheiten vorliegen.