Stimmbildnerin Karera Fujita und Dirigent Steffen Mark Schwarz haben mit der Kantorei der Martinskirche eine Vertonung des Vaterunser in ukrainischer Sprache eingeübt. Foto: Eyrich

"Singet dem Herrn ein neues Lied, denn er tut Wunder" lautet der Wochenspruch für den Sonntag Cantate, den die Kantorei der Martinskirche zum Anlass nimmt, in ukrainischer Sprache zu singen.

Albstadt-Ebingen - (key). Die Kantorei singt neben Liedern zusammen und im Wechsel mit der Gemeinde die Stücke "Die güldene Sonne", "Wie lieblich ist der Maien", "Du meine Seele, singe", "Ich sing dir mein Lied" und den festlichen Osterchoral "Wir wollen alle fröhlich sein" sowie besonders schöne A-Cappella-Werke: "Laudate dominum" von Knut Nystedt und "Otche nash", eine ukrainische Vaterunser-Vertonung von Rihards Dubra.

"Aus Betroffenheit und Solidarität"

Rihards Dubra ist einer der bekanntesten lettischen Komponisten für Chormusik, berichtet Steffen Mark Schwarz, Leiter der Kantorei, der das Stück mit Unterstützung der Stimmbildnerin Karera Fujita mit dem Chor einstudiert hat. "Unmittelbar mit Beginn des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine hat er aus Betroffenheit und Solidarität ein klangvolles und beeindruckendes ›Vaterunser‹ in ukrainischer Sprache geschrieben, das er allen Chören kostenlos zur Verfügung stellt."

Komponist war selbst im russischen Lager

Dubra sei einst selbst in einem sowjetischen Internierungslager gewesen, als Getarnter im Armeedienst. "Die aktuelle Situation nimmt ihn sehr mit", so Schwarz. "In diesem Zusammenhang hat er verfügt, dass dieses Werk, als Zeichen gegen Diktatur, für Unabhängigkeit von Pressearbeit sowie freie Meinungsäußerung gegen Krieg und Lügen, lediglich in ukrainischer Sprache aufgeführt werden darf" – für die Sängerinnen und Sänger eine echte Herausforderung.

"Nicht gegen Russen in Deutschland gerichtet!"

Schwarz betont ausdrücklich: "Das Chorwerk richtet sich dabei keinesfalls gegen die russischsprachige Bevölkerung in Deutschland, denn die kirchlich-slawische Sprache hat ohnehin kaum Unterschiede. Bei aller positiver Perspektive, die auch die derzeitige österliche Freudenzeit Christen und allen Menschen verheißen möchte, wollen wir selbstverständlich auch die aktuellen und schlimmen Geschehnisse – nicht nur in der Ukraine – mit diesem Chorwerk stellvertretend in den Blick nehmen und der Dramatik in unserer Welt im wahrsten Sinne ›Gehör verschaffen‹", betont der Chorleiter.

 Der Festgottesdienst am Sonntag der Kirchenmusik, 15. Mai, beginnt um 9.30 Uhr in der Martinskirche. Für Liturgie und Predigt zeichnet am kommenden Sonntag Pfarrerin Sara Stäbler aus Balingen verantwortlich. Kantor Steffen Mark Schwarz spielt die Orgel und dirigiert den Chor.