In Schömberg soll ein Agri-Solarpark entstehen, der gleichzeitig Gewinnung von Sonnenstrom und Agrarkultur ermöglicht. Foto: dpa

Ein Agri-Solarpark wird in Schömberg auf den Weg gebracht. Der Gemeinderat befasst sich damit, was dringend erforderlich ist.

Es klingt nach dem perfekten Projekt: Keine Schutzgebiete sind betroffen, 90 Prozent der Gewerbesteuer gehen an die Stadt Schömberg und Agrarkultur ist weiterhin möglich, während Sonnenenergie gewonnen wird.

 

Nachdem in Schömberg bereits der erste Solarpark des Zollernalbkreises entstanden ist, soll innerhalb der nächsten zwei Jahre ein Agri-Solarpark am Martinshof verwirklicht werden. Projektleiter Tristan Laubenstein ging mit dem Gemeinderat am Mittwochabend den Bebauungsplan des Sondergebiets an. Vorhabensträger ist das Unternehmen „Feldwerke GmbH“ aus München.

15 Prozent von Modulen bedeckt

Der Geltungsbereich umfasst etwa 15,5 Hektar. „Ziel und Zweck der Aufstellung des Bebauungsplans ist es, den Ausbau erneuerbarer Energien zu unterstützen und weiter voranzutreiben“, heißt es in der Sitzungsvorlage. Dabei soll ein „schonender Umgang mit Grund und Boden“ gewährleistet sein.

Um dieser Intention auch Rechnung zu tragen, sind in Deutschland einige Regularien zu beachten. Dadurch, dass Agrarwirtschaft auf 85 Prozent des Gebiets weiterhin ermöglicht wird, dürfen auch hochwertige landwirtschaftliche Flächen für das Vorhaben genutzt werden. 15 Prozent des Gebiets werden von Modulen bedeckt sein.

Flexibel je nach Bedarf

Ermöglicht wird das Ganze durch ein sogenanntes einachsiges Tracking-System, damit Acker- und Grünflächen weiterhin bewirtschaftet werden können. Das bedeutet, dass die Anlagenkomponenten beweglich und schwenkbar sind, mit einem Neigungswinkel von bis zu 70 Prozent. Weder eine Einzäunung noch eine externe naturschutzfachliche Kompensation ist erforderlich.

Die Auswertungen laufen allerdings noch. „Die Feldlerche lässt sich gerne nieder“, wie Laubenstein exemplarisch anmerkte. Sollte dies im betroffenen Gebiet etwa der Fall sein, könnte eine Ausgleichsfläche nötig werden.

Als Netzanschlusspunkt dient voraussichtlich Dotternhausen, was etwa 2,2 Kilometer Luftlinie entfernt liegt. „Das ist tatsächlich relativ nah“, merkte der Planer an. Er kenne Projekte mit ganz anderer Entfernung, wie er dem Gremium berichtete. Der Agri-Solarpark könne dank 20 bis 30 Prozent an Volllaststunden gleichmäßig über den Tag verteilt das Stromnetz entlasten. Zudem gebe es eine Spitzenleistung von bis zu 7100 Kilowatt-Peak.

Eine Gegenstimme

Ob es letztlich Grau- oder Grünstrom wird, sei noch nicht sicher, es werde jedoch in jedem Fall ein Speicher installiert. „Es gibt kein Gebäude- und keinen Solarpark, der ohne Batteriespeicher auskommt, das ist dringend erforderlich“, erklärte Laubenstein.

Stadtrat Heiko Gerstenberger wollte außerdem wissen, warum „nur“ 90 Prozent der Gewerbesteuer an Schömberg gehen würde. Der Planer erklärte, die restlichen zehn Prozent würden an den Standort der Firmenzentrale gezahlt.

Der Aufstellungsbeschluss zum Bebauungsplan des Sondergebiets wurde vom Gremium bei einer unkommentierten Gegenstimme mehrheitlich getragen.