Die beiden Kuratoren (von links) Jochen Kaiser und Andreas Ammer mit Ellen Brede-Lenk und Bürgermeister Bernhard Haas in einer Amtsstube aus früheren Zeiten. Foto: Sabine Stadler

Die Sonderausstellung „30 Jahre fünfstellige Postleitzahlen“ im Dornstetter Heimatmuseum zeigt nicht nur die Umstellung der Postleitzahlen von vier- auf fünfstellig, sondern informiert auch über die Postgeschichte der Stadt.

Ursprünglich sollte die aktuelle Sonderausstellung in der Zehntscheuer und im Fruchtkasten des Dornstetter Heimatmuseums lediglich die Umstellung der Postleitzahlen von vier- auf fünfstellig beleuchten. Die Ausstellung, die nun gezeigt wird – kuratiert von Andreas Ammer und Jochen Kaiser –, setzt sich nun aber auch mit der Historie der Dornstetter Post auseinander.

 

Rund ein Jahr Recherche- und Vorbereitungszeit gingen der Sonderausstellung „30 Jahre fünfstellige Postleitzahlen“ voraus. Unterstützt von zahlreichen helfenden Händen entstand ein mit vielen Schriftstücken, Bildern, Uniformen und zeitgeschichtlichen Exponaten bestückter zeitlicher Abriss, der die Postgeschichte in ihrer Entwicklung darstellt.

Andreas Ammer hat lange recherchiert, hat viele Bauakten gesichtet und war in den Landesarchiven Sigmaringen und Ludwigsburg auf der Suche nach Unterlagen zur Dornstetter Postgeschichte. Dokumente wurden abfotografiert und ausgewertet. Dazu mussten auch, so Ammer, Texte in meist sehr klein gehaltener altdeutscher Schrift mühsam übersetzt werden.

Bilder vom ersten Postamt

Bei einem Rundgang durch die Sonderausstellung erzählte Ammer aus seinem im vergangenen Jahr gesammelten Erfahrungsschatz über die württembergische Postgeschichte mit Blick zurück bis ins 17. Jahrhundert. Die Schau beleuchtet auch den Weg der Post über die Post AG mit Telekom und Postbank bis zur heutigen DHL Group.

Alte Fotografien zeigen die einstige Postexpedition in Dornstetten, die 1857 mit dem ersten Postexpeditor Johann Michael Weber eröffnet wurde, und das erste Postamt im Haus Weber in der Hauptstraße 18 (heutiges Verbandsbauamt) sowie das erste 1880 erbaute eigene Postgebäude der Stadt. Zur Postgeschichte gehören laut Andreas Ammer auch die damaligen Postkutschen, die bis 1921 fuhren, und die Postwagenlinie mit Postbussen, aus der sich später die Postreiselinie entwickelte.

Die Post wurde einst mit dem Fahrrad zu den Empfängern transportiert. Foto: Sabine Stadler

Die Ausstellung zeigt historische Postuniformen, einstige Briefkästen und Zeitzeugnisse aus Nachlässen sogenannter „Postlerfamilien“. Sie dokumentiert, wie in der damaligen Zeit gearbeitet und Briefe sowie Pakete befördert wurden. Auch erfährt man, dass Pakete in den schneereichen Wintermonaten auf Kufenschlitten vom Bahnhof zur Post transportiert wurden.

Eine eingerichtete Amtsstube lässt frühere Zeiten lebendig werden. Dort trifft man hinter einem Schreibtisch auf eine Postflagge aus den 1950er-Jahren und auf eine Uniform aus der Zeit der Weimarer Republik um 1920.

Viele private Leihgaben

Die Stadt Dornstetten, Bürgermeister Bernhard Haas und Ellen Brede-Lenk, Leiterin der Tourist-Info und des Kulturamts, sind dankbar für die Leihgaben des Dorfmuseums Dietersweiler, aber auch für die Leihgaben aus privater Hand. Neben einer Postuniform um 1970 können alte Fernsprecher, Telefonapparate mit Wählscheibe und Telefonkarten bestaunt werden – auch ein altes Fernsprecher-Exemplar ist ausgestellt.

Jochen Kaiser erklärte beim Rundgang durch die Ausstellung die Umstellung von vierstelligen auf fünfstellige Postleitzahlen im Jahr 1993 und berichtete über die in millionenfacher Auflage gedruckten 1000-seitigen Postleitzahlenbücher. Eine Deutschlandkarte mit Einteilung der neun Postleitzahlenbereiche, das Maskottchen zur Einführung der fünfstelligen Zahlen und jede Menge Briefmarken sind ebenfalls zu sehen.

Die Sonderausstellung „30 Jahre fünfstellige Postleitzahlen“ ist bis Mitte Mai mittwochs, freitags und an Sonntagen von 14 bis 16.30 Uhr geöffnet. Führungen für Schulklassen sind unter der Telefonnummer 07443/96 20 30 in der Tourist-Info buchbar.