Jede Menge Applaus gab es für die Premiere der Neuen Studiobühne im Kulturpark Glashütte. Foto: Braun

Die Premiere der Neuen Studiobühne Baiersbronn im Kulturpark Glashütte Buhlbach war ein voller Erfolg: Die Akteure brillierten in ihren Rollen, und auch das Wetter spielte mit

Baiersbronn - Das Ensemble hatte sich mit dem Stück "Gretchen 89ff." eine Komödie von Lutz Hübner vorgenommen und bot kurzweilige Unterhaltung mit schauspielerischen Glanzleistungen. Die bekannte Kästchenszene aus Goethes Faust hatten sich die Laienschauspieler unter der Leitung von Regisseurin Daniela Burkhardt ausgesucht und zeigten in anschaulichem Wechsel der Perspektiven, wie die jeweiligen Regisseure und Schauspieler diese Schlüsselszene interpretieren.

Konstellation so einfach wie genial

Lutz Hübner gewährt mit seinem Stück "Gretchen 89ff." dem Publikum einen tiefen, ungeschminkten und urkomischen Blick in die Welt des Theaters. Die Konstellation ist so einfach wie genial: Eine Schauspielerin, ein Regisseur, eine weltberühmte Szene der Theaterliteratur, einfach und klar gespielt. Dieser Aufgabe wurde das Ensemble mehr als gerecht.

Mit einem Marsch quer durch die Charaktere der Schauspielszene brillieren die Akteure bei der Premiere im malerischen Ambiente der Glashütte. Gleich zu Beginn begeistern die beiden Putzfrauen Olga (Christel Günther) und Carla (Gisela Gretenkort) mit russischen Weisheiten und pfiffigem Hintergrundwissen über alle Mitwirkenden. Die systemrelevante Putzfrau Olga ist trotz Corona immer in Sachen Hygiene unterwegs und bringt mit viel Talent und witzigen Beobachtungen das Publikum zum Lachen. Die Intendanz, gespielt von Kerstin Ensinger, verkündet ganz im Stil amerikanischer Unterhaltungsshows, dass "Baiersbronn das neue Top-Gretchen" suche. Kerstin Ensinger (Akkordeon) gehört wie Eric Fackel (Gitarre) und Wolle Günther (E-Piano) zu der dreiköpfigen Band, die für eine stimmungsvolle Untermalung des Stücks sorgt.

Sozusagen in Dauerschleife bekommen die Zuschauer die speziellen Charaktere serviert. Der Schmerzensmann, gespielt von Eric Fackel, lässt seiner verschüchterten Schauspielerin (Lena Bässler) kaum den Platz für einen vollständigen Satz und "hasst alle Schauspieler". Brillant gespielt die Rolle des Freudianers (Carl Seitz), dessen Hauptaufgabe darin besteht, die Schauspielerinnen der Reihe nach zu verführen. Birte von Meißner als verführte und willige Gespielin des sexistischen Regisseurs begeistert mit perfekter Gestik und Mimik.

Der alte Haudegen (Regine Müller) schwelgt in Erinnerungen und bringt damit die sich nach Erfolg und Anerkennung sehnende junge Schauspielerin (Meike Müller) zur Verzweiflung. Herrlich erfrischend und auf einem schauspielerisch hohen Niveau präsentiert sich die junge Theresa Hertwig, die eine naive Anfängerin spielt, die mit neuen Ideen und Kniefällen ihre Regisseurin (Regina Braun) an den Rand eines Nervenzusammenbruchs bringt.

Mit überzeugender Spielfreude

Otto Gaiser mimt einen unsensiblen Text- und Szenenstreicher, der mit seiner nüchternen Reduktion der Rolle Ariana Fackel als enttäuschte Schauspielerin auf der Bühne lässt. In den weiteren Rollen zeigen Bernd-Lothar Welcher, Julia Kotsch, Harald Schneider, Vanessa Schmidt, Dagmar Buchter und Erika Stängle viel schauspielerisches Talent. Besonders wandelbar zeigt sich dabei Harald Schneider, der mal als bierbäuchiger Wiener Lustmolch auftritt oder als resignierte Regisseur im Kampf gegen die Starallüren einer Diva (Vanessa Schmidt) ankämpft. Akzente setzt auch Dagmar Buchter als schwarz gekleidete Dramaturgin, die mit monotoner Stimme den durch zahlreiche Nebenjobs überforderten Schauspieler (Harald Schneider) als männliches Gretchen inszeniert.

Mit überzeugender Spielfreude zeigen die Schauspieler, wie es am Theater und hinter den Kulissen zugeht. Denn wie heißt es so schön: Das größte Schauspiel findet nach den Proben statt.

Am Ende waren die bekannten Verse aus Goethes Klassiker "Es ist so schwül, so dumpfig hie…" in den Köpfen der rund 90 Zuschauer des Premierenabends fest verwurzelt. Das Premierenpublikum hatte hörbar Spaß an der guten Darstellung der Szenen und der Regiearbeit von Daniela Burkhardt und spendete viel Applaus.

Auf die am Beginn der Vorstellung gestellte Frage, wer denn "Baiersbronns Next Top Gretchen" wird, gab es eine einfache Antwort: Alle. In der Pause und zu Beginn des Abends bewirteten die Mitglieder des Fördervereins Kulturpark Glashütte die Gäste.

Bürgermeister Michael Ruf hatte den Abend als Schirmherr eröffnet. "Ich freue mich, Sie heute Abend zu einem Stück Normalität begrüßen zu können, es tut gut, wieder Lockerungen zu haben", so Ruf. Die Schauspieler hätten mit großen Kraftanstrengungen, Willen und schwierigen Online-Proben dieses Stück auf die Beine gestellt. Die Gäste zeigten sich begeistert, das Stück hatte gefesselt, und erst kurz vor Ende setzte leichter Regen ein.

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