Raphaela Stürmer als Eva und Paul Hölters in der Rolle des Don Juan spielten auch das erst Buch Mose nach. Foto: Martin Gruhler

Am Salinensee in Bad Dürrheim ging es auf besuchernaher Ebene um die Vielschichtigkeit der Liebe. Mit dem Stück „Don Juan dated Eva“ wurden viele Epochen und musikalische Darbietungen auf der Frage nach der Liebe durchforstet.

Mit einer sehr vergnüglichen und gelungenen Aufführung „Don Juan dated Eva“ präsentierte das Regionentheater aus dem schwarzen Wald im Rahmen des Sommertheaters am Salinensee eine ausführliche Kulturgeschichte der Liebe zwischen Mann und Frau.

 

In der Geschichte der europäischen Dichtung steht Don Juan als „der“ Frauenheld an sich da. Herausragende Werke die ihn bekannt gemacht stammen von Jean-Baptiste Molières (1665) und von Wolfgang Amadeus Mozart mit der Oper Don Giovanni (1787). Wie in Goethes Faust werden um die Figur des Don Juan dann weitere zentrale Menschheitsfragestellungen und fundamentaler Stoff der Philosophie aufgezeigt.

In der Zeitreise durch die Epochen schlüpfte Don Juan und der Konterpart Eva selbst in verschiedenste Figuren. Vom Buch Mose des Alten Testaments als Adam bis hin zum Kinoblockbuster „Titanic“ mit Leonadro DiCaprio wurden exemplarisch ganz bedeutende Männerfiguren herausgestellt.

Zuschauer waren direkt mit eingebunden

Als Terrain für das Schauspiel diente keine Bühne oder Plattform. Inmitten der Zuschauerplätze wurde das Theater aufgeführt und deshalb: Näher dran an den Darstellern als das Publikum waren dieses Mal nur deren Kostüme. So waren beste Bedingungen für die vielen Interaktionen mit den Zuschauern gegeben. Wichtigstes Werkzeug war dann auch eine stählerne Treppenleiter um immer wieder sich von den Zuschauern abzuheben.

Als „Kapitän Future“ nutzte Theaterleiter Andreas Jendrusch modernste Kommunikationstechnik um die Zuschauer zu beteiligen. Die Zuschauertische waren detailverliebt zum Thema nicht nur mit jeweils zugelegten roten Rosen versehen sondern „State of the Art“ mit QR-Codes. Immer wieder wurde das Publikum dann zu den verschiedensten Aspekten der Liebe in einem Multiple Choice-Test gefragt. Via Smartphone wurden die Ergebnisse gesendet, in Echtzeit zusammengefasst und auf einem Monitor präsentiert.

Musikalische Darbietungen unterstützend die Zeitreise

Die Zeitreise über die Liebe wurde sehr gekonnt auch musikalisch untermalt. Fast schon gewagte oder gar schon mehr eng anliegende cremerosafarbene Kostüme kamen zum Einsatz, als Gott aus der Rippe Adams die Eva schuf.

Diskutiert wurde etwa die Definition von Liebe, womöglich gehe es da oft nur um materielle Sicherheit. Die vorgetragene Joe Cocker-Balade „You are so beautiful“ führte schließlich zur vielleicht alles entscheidenden Erkenntnis: Liebe geht durch den Magen. Am Abend wurde auch das große Leid aufgezeigt, die unerfüllte Liebe zu schwer gebrochenem Herzen führen lässt.

Der Reigen um die Geschichte der Liebe führte abschließend auf die Titanic, als in ziemlich aerdynamisch-akrobatischer Schräglage „My heart will gone“ von Celine Dion vom Bug des Ozeandampfer intoniert wurde.

Innige Liebesszenen der Schauspieler

Raphaela Stürmer hatte in der Aufführung die Rolle der Eva übernommen. Als studierte Sopranistin überzeugte sie an diesem Abend mit außergewöhnlichem gekonnten Gesang, der die Zuschauer immer wieder sehr in den Herzen berührte. Wie auch Paul Hölters konnte sie mit ihrem eindringlich gelungenem Schauspiel immer wieder beeindrucken. Wohl ganz viel Mut brauchte es von den Beiden die innigen Liebesszenen mit Küssen und engsten Umarmungen live vor Publikum zu spielen. Ganz viel Applaus war auch dafür die Wertschätzung des Publikums.

Armor trifft die Lachmuskeln

Als immer wieder metaphorisch viele Pfeile schießender Amor war Andreas Jendrusch als die Szenen verknüpfender Moderator dabei. Indes traf er weniger die Herzen sondern im Nonstopmodus vor allem die Lachmuskeln.