Wincent Weiss kehrt 2026 auf die Bühne des Sommersound VS zurück. Im Gespräch erzählt er von seinem neuen Album – und auf was sich seine Fans freuen können.
Wincent Weiss’ Musik verbindet. Das merkt man nicht nur bei seinen Konzerten, sondern auch an seiner treuen Fangemeinde. 2026 kommt er erneut zum Sommersound VS – mit neuem Album, frischem Bühnendesign und vielen Geschichten aus den vergangenen Jahren. Ein Gespräch über Authentizität, Veränderung und die Kunst, Menschen wirklich zu erreichen.
Wincent, Du warst 2022 schon einmal beim Sommersound VS. Welche Erinnerungen hast Du an diesen Abend?
2022. Da müsste ich wahrscheinlich abrasierte Haare gehabt haben (lacht). Wahrscheinlich ist das bei einigen Fans ganz gut in Erinnerung. Aber ja, das mache ich manchmal so. Aber keine Sorge, ich werde nächstes Jahr wahrscheinlich mit ganz normaler Haarpracht dort stehen und spielen. Im Ernst: Ich habe sehr gute Erinnerungen daran. Es war ein super schöner Abend, und ich hoffe wieder auf gutes Wetter und dass wir das jetzt nächstes Jahr wiederholen können. Ist das echt schon vier Jahre her? Das ist echt lange.
Was hat sich in der Zwischenzeit verändert, hast Du Dich in den vier Jahren verändert, bist Du ein anderer Künstler als damals?
Ach, anderer Künstler, ich kann ja gar nicht anders werden, als ich selber bin. Auf der Bühne bin ich Wincent Weiss und keine Kunstfigur, die ich erschaffen habe. Von daher kann ich mich einfach nur so weit auf der Bühne verändern, wie ich mich auch selber verändere. Klar, ich bin vier Jahre älter geworden, bin jetzt Anfang 30. Mir tut mittlerweile das Knie ein bisschen weh, wenn ich lange stehe und laufe. Ich habe mich auf der Bühne die letzten zehn Jahre immer sehr wohl gefühlt und fühle mich dort immer noch wohl. Ich glaube aber nicht, dass ich jetzt abgeklärter bin oder nicht. Gut, das Bühnenbild verändert sich. Das wird meistens von Jahr zu Jahr ein bisschen größer und imposanter. Aber sonst: gleiche Band, gleiches Team, gleicher Vincent, andere Musik und auch alte Musik.
Im Januar erscheint Dein neues Album…
Ja, das sind ganz viele Songs geworden, insgesamt 18. Als ich mich entscheiden musste, welche Songs wir nehmen, wollte ich so wenig runterschmeißen wie möglich. Es ist, glaube ich, ein ganz gut bunter Mix geworden.
Und der wäre?
Es sind nicht alles klassische Deutsch-Pop-Nummern. Es gibt auch irgendwie ein bisschen was Rockiges und auch ein bisschen was Indieskes. Und die persönlichen Balladen dürfen natürlich auch nicht fehlen. Ich finde, es ist eine sehr bunte Mischung geworden, die ich wieder zu meinem Geburtstag, quasi als kleines Geburtstagsgeschenk, in die Welt rauslasse.
Deine Songs sind oft ziemlich persönlich. Gibt es Themen, die Dich aktuell inspirieren oder besonders beschäftigen?
Zum Thema persönliches Album: Es ist immer lustig, wenn Künstler sagen, „das ist jetzt mein persönlichstes Album“ und „jetzt kommt wieder mein Album“ oder „das nächste ist dann noch persönlicher“. Das finde ich gar nicht so: Jedes Album, das ich schreibe, ist für die Situation, in der ich gerade bin, persönlich. Mein zweites Album ging um die Trennung von meiner Ex-Freundin, das erste große Break-up. Klar war das in der Zeit das Persönlichste, was ich schreiben konnte. Und so ist das Album, das ich jetzt geschrieben habe, in der jetzigen Situation das persönlichste Album. Ich bin jetzt einfach Anfang 30. Die Welt dreht sich bei mir dann auch ein bisschen anders als mit Anfang 20. Ich bin natürlich immer noch jung, aber in zehn Jahren passiert eben viel im Leben. Viele Richtungen und Gedanken verändern sich, der Geschmack verändert sich und das darf auch alles passieren.
Nur so bleibt man authentisch.
Genau. Wenn ich jetzt zehn Jahre lang die gleichen Songs schreibe und das Gleiche mache, dann kann das gar nicht authentisch sein.
Du hast das Alter angesprochen. Mit Deiner Musik begeisterst Du Fans in sämtlichen Altersgruppen. Gibt es einen besonderen Trick, wie Du es schaffst, Menschen quer durch die Generationen zu begeistern?
Ich habe da keinen Trick oder keinen Hebel. Ich bin einfach ich und ich glaube, wenn man man selbst sein darf die ganze Zeit, hat das den meisten Anklang. Ich bin genauso offen zu einer Vierjährigen wie zu jemandem, der Anfang 80 ist. Ich nehme beide gleich in den Arm und bin bei beiden gleichzeitig irgendwie gleich dankbar, dass sie beim Konzert sind, und spiele auch beide gleichzeitig an. Ich nehme alle Menschen, egal wie alt sie sind, gleichwertig wahr. Wenn man deutsche Songs schreibt, in die sich jeder reinversetzen kann, kann ich die mit 10 fühlen, aber auch mit 70, und kann meine Geschichte in diesen Song reinpacken. Der Zehnjährige, der den Song hört, hat natürlich eine andere Background-Geschichte, die er mit dem Song verbindet, als ein 70-Jähriger. Aber wenn beide ihre Geschichten reinpacken können und die beide auf ihre Art fühlen können, hat Musik kein Alter.
Deshalb hast Du auch seit Jahren eine treue Fangemeinde. Was bedeutet dir das?
Auch das kann ich ja nicht planen und habe das nicht in der Hand. Auch da steckt kein Trick oder Hebel dahinter. Wenn jemand mitwächst und mitaltert und auch da wieder seine eigenen Emotionen und Geschichten in die Songs packt, die ich schreibe, ist das schon sehr schön und sehr besonders. Ich kenne natürlich auch viele Künstler, von denen man mal kurz ein Jahr Fan ist und im nächsten Jahr hat sich der Geschmack wieder verändert und man zieht weiter. Das passiert mir auch. Es gibt aber auch viele, die kommen jedes Jahr wieder und sehen das irgendwie als Ritual an. Das ist der Platz, wo man sich mit seinen Freunden einmal im Jahr trifft und diesen Abend genießt. Oder man hat vielleicht etwas Emotionales erlebt und möchte diesen Moment einfach wieder erleben und im Folgejahr nochmal haben. Das sind die verschiedensten Faktoren, die da zusammenspielen. Ich bin natürlich über alle dankbar, die wiederkehren. Manche sind wirklich seit dem ersten Konzert dabei.
Tatsächlich?
Das ist Wahnsinn, dass Leute mit mir zehn, elf Jahre mitwachsen und mitgenießen, was wir alles zusammen erleben.
Wenn Du an den Sommer 2026 denkst: Was wünschst Du Dir musikalisch und persönlich fürs nächste Jahr?
Für die Sommershows wünsche ich mir in allererster Linie gutes Wetter. Ich hatte dieses Jahr den einen oder anderen Konzertabbruch wegen Sturms und Starkregens. Das ist blöd für alle Beteiligten. Deswegen hoffe ich, dass nächstes Jahr wirklich jedes Konzert von vorne bis hinten stattfindet und nicht zwischendurch eine Pause gemacht werden oder abgebrochen werden muss. Sonst wünsche ich mir, dass die neue Musik im Leben der Menschen Platz findet oder die Songs vielleicht sogar die einen oder anderen Momente im Leben begleiten können. Und dass wir fantastische Abende haben bei den Sommerkonzerten.
Wie viel Vorbereitung steckt in so einer Sommertour?
Es ist mehr, als man denkt. Anstrengend ist das falsche Wort. Es ist natürlich zeitintensiv. Aber es ist superspannend: Morgen treffe ich mich mit meiner Band und zeige denen das erste Mal das Bühnenendesign, weil ich das jetzt fertig habe. Das heißt, ich bin jetzt fertig für 2026. Nun geht es an die technische Zeichnung und Planung. Was brauchen wir für Lampen, was für LED-Panels? Wie stellen wir das? Wie kriegen wir das gewichtstechnisch hin? Wie passt alles in die Trucks? Wie viele davon brauchen wir? Wie viele Mitarbeiter? Das ist nicht anstrengend, sondern absolut spannend. Das ist ein kreativer Schaffensprozess. Im Januar fangen wir an, dann wirklich Musik zu proben. Im März/April dann mit Bühne und dann geht es auf Tour. Es ist, wie ein Album zu schreiben. Ein Kreativprozess.
Bleibt noch Zeit für das eine oder andere TV-Format?
Ich hoffe! Ich bin sehr gut befreundet mit Kai Pflaume. Immer wenn der anruft, stehe ich natürlich parat. Und dann schauen wir, was noch alles reinpasst. Ich will eigentlich dafür sorgen, dass ich zwischen Arbeit und Privatleben ein bisschen mehr Balance bekomme, da ich in den vergangenen Jahren durchgehend 350 Tage im Jahr Vollgas gegeben habe. Nächstes Jahr ist das erste Jahr, in dem ich nur eine Tour spiele. Sonst habe ich immer zwei bis drei Touren pro Jahr gespielt. 2026 gibt es aber nur die Sommertour. Und 2027 wird es dann noch spannender für mich, weil da gibt es keine Sommertour, sondern nur die Hallentour im Herbst. Das heißt, das wird mein erster konzertfreier Sommer seit elf Jahren. Das erste Mal, dass ich am Wochenende zu Freunden sagen kann, ey, ich komme mit aufs Festival oder ich komme zum Geburtstag oder zum Grillabend. Die letzten elf Jahre habe ich das stets abgesagt. Das wird spannend – einen Sommer zu haben. Und sollte mir etwas fehlen, dann spiele ich halt den nächsten Sommer wieder voll.
Sommersound VS 2026
Festival
Der Sommersound VS 2026 findet Ende Juli/Anfang August auf dem Gelände des Druckzentrum Südwest im Industriegebiet Auf Herdenen in Villingen-Schwenningen statt
Eintrittskarten
Tickets für die Sommersound-Konzerte mit Wincent Weiss (31. Juli) und Howard Carpendale (2. August) sind im vergünstigten Vorverkauf telefonisch erhältlich unter 07423/7 87 90 oder online unter www.schwabo.de/tickets. Wer außer Wincent Weiss und Howard Carpendale noch auftritt, wird demnächst bekanntgegeben.