Jetzt ragt nur noch das Gerippe in den Himmel. Noch am Wochenende betraten die Stars über diese Treppe die Sommersound-Bühne in Villingen-Schwenningen. Foto: Cornelia Spitz

Fette Bässe und rasante Gitarrenriffs weichen dem Klappern von Eisenstangen, Klopfen und dem Surren von Motoren. Am Tag eins nach dem Festival verwandelt sich das Areal des Sommersounds wieder zurück in das Gelände einer Großdruckerei.

Nico Santos, Alvaro Soler und Giovanni Zarrella gab es für insgesamt 8200 Festivalbesucher von Freitag bis Sonntag beim Festival im Industriegebiet in Villingen-Schwenningen zu erleben.

Die letzten der wirklich unzähligen Selfies mit Showmaster und Sänger Giovanni Zarrella sind längst geknipst, das Scheinwerferlicht ist erloschen. Doch mit den letzten Besuchern, die von den Security-Kräften am Sonntagabend vom Festivalgelände gekehrt worden sind, war noch lange nicht Schluss.

Ganz viele Selfies durften die Fans mit Giovanni Zarrella machen. Foto: Cornelia Spitz

Für die Helfer, Techniker und Mitarbeiter des Konzertveranstalters fängt die Arbeit dann – wieder mal – gerade erst an.

Zarrella überrascht Druckerei-Mitarbeiter

Auch Thomas Albrecht und sein Team vom Druckzentrum Südwest haben das Druckereigelände jetzt wieder ganz für sich und die Zeitungsproduktion. Doch der Ausnahmezustand hallt noch positiv nach: „Von unserer Seite her waren es wirklich drei gelungene Abende“, bilanziert der technische Leiter des Druckzentrums.

Mit ganzem Einsatz wird die Bühne wieder in ihre Einzelteile zerlegt. Foto: Cornelia Spitz

Auch wenn dort sowohl am Freitag-, als auch am Sonntagabend die riesigen Druckmaschinen lautstark ratterten, so war das Konzertereignis doch auch für die Belegschaft etwas Besonderes. Stars in der Druckerei, das hat man schließlich nicht alle Tage.

Reichlich baff waren die Mitarbeiter deshalb, als beispielsweise Giovanni Zarrella am Sonntagabend durch die Produktion lief, direkt vor seinem Konzert. Die Bühne hatte er nicht aus dem Backstagebereich, sondern von hinten, auf einem Weg mitten durchs Publikum, erobert – und um dorthin zu gelangen, musste der Sänger erst einmal hinter den Kulissen durch die Druckereihallen in den rückwärtigen Konzertbereich geschleust werden, vorbei an den währenddessen schuftenden Druckerei-Mitarbeitern.

Auf Links gekrempelt

„Sie waren sehr erstaunt, dass er auch noch so freundlich grüßt“, erzählt Albrecht rückblickend und lacht. Und auch Zarrella habe nicht schlecht gestaunt, dass unmittelbar neben dem Open-Air-Gelände schon mit Hochdruck die Zeitung für den nächsten Tag produziert worden ist – auch wenn der Künstler schon fast ein alter Bekannter in der Großdruckerei ist, wo er vor vier Jahren schon einmal einen Auftritt für einen erlesenen Zuhörerkreis gab. „Manchmal ist es gar nicht schlecht, wenn die Künstler auch wissen, wo sie hier auftreten“, findet Thomas Albrecht.

Druckerei-Leiter Thomas Albrecht freut sich – beim Festival hat alles super geklappt. Foto: Cornelia Spitz

Um den Sommersound möglich zu machen, krempelten Albrecht und seine Mannschaft im Druckzentrum manche Abläufe einmal auf Links. Die komplette Logistik beispielsweise – der Innenhof, den die zahlreichen Fahrer sonst zur Abholung ihrer Zeitungspakete nutzen, war tabu, die komplette An- und Abfahrt der zahlreichen Fahrer, die die Zeitungspakete auf ihre Reise zum Leser schicken, musste vorübergehend angepasst werden. Auch wenn das der absolute Ausnahmezustand im Druckzentrum war, Thomas Albrecht gerät deshalb nicht mehr ins Schwitzen: „Von der technischen Seite her im Druckzentrum hat es wieder einwandfrei funktioniert – wir sind jetzt im dritten Jahr, wir sind eingespielt, wir wissen, was auf uns zukommt.“

Zurück zum Urzustand

Und alle Beteiligten wissen mittlerweile aus Erfahrung auch: Ratzfatz verwandelt sich das Druckereigelände auf Herdenen am Tag nach dem Event wieder in seinen Urzustand zurück.

Tag eins nach dem großen Festival – jetzt wird wieder abgebaut. Foto: Spitz

Noch am Abend nach dem Konzert mit Giovanni Zarrella begannen die Aufräumarbeiten auf dem Gelände. Erste Absperrgitter wurden zur Seite geräumt, Kabel eingerollt und ordentlich in Boxen geladen. Die Techniker von Zarrellas Show packten ihre Gerätschaften wieder ein. Wo während des Festivals ein Backstage-Bereich war, in den sich die Stars zurückziehen konnten, sind jetzt wieder Multimedia-Räume für interne Veranstaltungen des Unternehmens oder Sanitär-Bereiche für dessen Mitarbeiter.

Timo Fasching vom Verlagsmarketing beim Mit-Veranstalter Schwarzwälder Bote ist trotz der Erfahrung aus den Vorjahren noch nachhaltig beeindruckt, wie gut alles gelaufen ist. „Alles ging Hand in Hand“, stellte er mit Blick auf die parallele Produktion in der Druckerei fest, „das war ein tolles Zusammenspiel aller Akteure“.

„Top orchestriert“

Und zum Sommersound an sich? „Das war begeisternd!“ Schon das Warm-Up im Pandemiejahr 2021 und die erste Auflage unter Normalbedingungen 2022 seien äußerst gelungen gewesen, „und nun hatten wir eine tolle zweite Auflage“. Zum Glück sei man von Unwettern oder dergleichen verschont geblieben. „Es war einfach toll, anders kann man es, glaube ich, nicht sagen.“

Dass das Mammut-Festival in Villingen-Schwenningen erneut reibungslos funktionierte ist für den Verlagsmitarbeiter, der viel Erfahrung mit Veranstaltungen jeglicher Art mitbringt, keine Selbstverständlichkeit: „Karoevents hat das top orchestriert“, stellt er zufrieden fest und blickt, kaum ist der Sommersound VS 2023 gelaufen, schon erwartungsvoll nach vorne: „Wir freuen uns auf 2024!“

Danach ist davor

Und dazu besteht in den Augen von Konzertveranstalter Christoph Römmler auch Grund. Für den Chef der Agentur Karoevents ist nach dem Sommersound VS schließlich vor dem Sommersound VS. Und das erste Event für das Festival in 2024 steht bereits fest: Die Band Pur wird am Sonntag, 4. August, beim Sommersound VS 2024 in Villingen-Schwenningen auftreten, auf Weiteres darf man gespannt sein.