Die Tourismusbranche hofft, dass auch in diesem Sommer wieder einige Deutsche Urlaub in der Region machen werden. (Symbolbild) Foto: WStudio/ Shutterstock

Der Sommer steht vor der Tür und viele Menschen planen ihren Urlaub. Für die durch Corona stark gebeutelte Tourismusbranche ist das gut. Fachkräftemangel sowie steigende Lebensmittel- und Energie-Kosten plagen Hoteliers und Gastronomen aber weiterhin. Dennoch blicken Vertreter aus Baden-Württemberg vorsichtig optimistisch auf die warmen Monate.

Die Tourismusbranche war mit am stärksten von den Folgen der Pandemie betroffen. Zwar steht den Menschen in Deutschland nun ein Sommer ohne vieler Corona-Maßnahmen bevor, wodurch auch Gastronomen und Hoteliers wieder aufatmen können. Dennoch genieße die Branche diese Aussichten mit Vorsicht, sagt Daniel Ohl, Pressesprecher des Hotel- und Gaststättenverbands Baden-Württemberg (kurz Dehoga). "Der Zuspruch der Gäste zeigt, dass das Bedürfnis der Menschen nach Geselligkeit in der Gastronomie, nach kulinarischen Erlebnissen und nach Urlaub und Erholung groß ist", berichtet der Pressesprecher. Angesichts der großen Unsicherheiten in Bezug auf die wirtschaftliche Gesamtentwicklung sei es aktuell jeodch nicht möglich, konkrete Werte zur Umsatz- oder Auslastungsentwicklung zu progonstizieren. 

Sorge bereite dem Dehoga vor allem die Kostenentwicklung bei Energie und Lebensmitteln, sagt Ohl. "Sie macht unseren Betrieben und natürlich auch unseren Gästen zu schaffen. Wir hoffen, dass das Konsumklima dadurch nicht nachhaltig beeinträchtigt wird." Auch die Zahl der Mitarbeiter in der Tourismusbranche sei trotz Anstieg noch nicht auf dem Niveau vor der Pandemie. 

Tourismusbranche hofft auf Inlandsurlauber

"Was uns aber Mut macht: Die 'Coronakrisen-Sommer' der Jahre 2020 und 2021 sind für viele Tourismusbetriebe im Land relativ gut gelaufen, weil zahlreiche deutsche Gäste sich für einen Inlandsurlaub entschieden haben. Manch ein Gast hat in diesen Sommern Baden-Württemberg als Reiseziel neu oder wieder für sich entdeckt und festgestellt, dass wir als Urlaubsland eine Menge zu bieten haben", freut sich Ohl. Natürlich sei dem Pressesprecher jedoch klar, dass diese Menschen nun nicht jeden großen Jahresurlaub in Deutschland oder der Region verbringen werden. Dennoch hoffe der Dehoga, dass auch in Zukunft viele deutsche Gäste im Inland Urlaub machen werden.

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Auch Jutta Ulrich, Leiterin der Stabstelle Kommunikation bei der Schwarzwald Tourismus GmbH, berichtet, dass sich die Übernachtungszhalen von Urlaubern in der Ferienregion Schwarzwald 2021 besser entwickelt haben als im Durschschnitt aller baden-württembergischen und anderer deutschen Reiseziele. Deshalb blicke auch die Tourismusbranche in der Ferienregion Schwarzwald vorsichtig optimistisch auf den anstehenden Sommer und hoffe, dass der Trend für einen Urlaub im eigenen Land sich auch 2022 positiv auf die Übernachtungszahlen auswirken wird. "Für den Frühsommer liegen bei vielen Gastgebern die Buchungen schon über dem Niveau vor Corona", so Ulrich.

Fachkräftemangel und steigende Kosten bereiten Sorgen

Auch der Trend zu immer kürzeren Aufenthalten scheine gebannt zu sein, weil die Gäste wieder länger als bisher bleiben würden, so die Pressesprecherin. Neben dem steigenden Gästeaufkommen aus Deutschland ziehe jedoch auch die Nachfrage aus den Auslandsmärkten wieder an. Hier sei durch die Aufhebung der Corona-Einschränkungen mit einem deutlichen Buchungsanstieg zu rechnen. 

Auch Ulrich betont aber, dass die Branche weiterhin einen Fachkräftemangel verzeichnet, weil viele Beschäftigte wegen der Pandemie in andere Berufe ausweichen mussten. Die steigenden Energie- und Lebensmittelkosten sehe sie ebenfalls als Herausforderung. Darüber hinaus seien außerdem die Ansprüche der Urlauber gestiegen: "Sie wollen die Gewissheit haben, dass sie am gewählten Feriendomizil sicher, aber auch unbeschwert und ohne besondere Auflagen Urlaub machen können. Viele buchen deshalb nach wir vor am liebsten spontan oder suchen Angebote, die bis zum Anreisetag kostenlos storniert werden können. Insofern müssen sich Gastgeber, Gastronomen, Touristiker und Leistungsträger auch 2022 in einem sehr schwankenden Umfeld behaupten", sagt Ulrich. 

9-Euro-Ticket könnte Chance für Tourismus sein

Mit Blick auf das 9-Euro-Ticket, mit dem die Menschen von Juni bis einschließlich August den Nahverkehr in ganz Deutschland nutzen können, zeigt sich Ulrich optimistisch: "Wir gehen davon aus, dass das Angebot den Trend zum innerdeutschen Tourismus fördert und auch der Schwarzwald davon profitieren wird", sagt sie. Der Schwarzwald Tourismus unterstütze das Angebot der Bundesregierung und gebe gerne Tipps und Ideen für Ausflüge in weniger bekannte Regionen, die mit Bus und Bahn entdeckt werden können. Die Ferienregion Schwarzwald setze außerdem schon lange auf umweltfreundliche Mobilität und die nachhaltige Fortbewegung mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Daher bergrüßen sie die Aktion und hoffen, dass dadurch auch künftig mehr Gäste vom Auto auf öffentliche Verkehrsmittel umsteigen werden.

Daniel Ohl sagt, dass der Dehoga das 9-Euro-Ticket ebenfalls begrüße, weil preisgünstige Mobilität aus Sicht der Tourismuswirtschaft positiv sei. Dennoch könne er keine Prognose zu den konkreten Auswirkungen des Angebots abgeben. Er halte es jedoch für unwahrscheinlich, dass wegen des 9-Euro-Tickets bestimmte Städte oder Regionen überlaufen werden. 

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