Gastfreundschaft liegt ihm im Blut – doch seine Leidenschaft für Wein entdeckte der Sommelier Peter Reutlinger aus Tennenbronn erst auf Umwegen.
Die Frage nach dem Lieblingswein liegt schon auf der Zunge, doch sie erübrigt sich rasch. Wenn Peter Reutlinger von „eleganten Spätburgundern“, „lebendigen Bordeaux“, der „enormen Dichte spanischer Weine“ oder den „komplexen Aromen“ der Rieslinge schwärmt, wird klar: Ein Genussmensch wie er legt sich nicht fest – zumindest nicht auf einen einzigen Wein.
Der 26-Jährige aus Tennenbronn ist stellvertretender Restaurantleiter und Sommelier im traditionsreichen „Schwarzen Adler“ in Oberbergen am Kaiserstuhl. Vom ersten Gästeempfang bis zur Weinempfehlung am Tisch: Für das Wohl der Besucher ist er verantwortlich.
Gastfreundschaft begleitet Peter Reutlinger schon seit frühester Kindheit. Er stammt aus jener Familie, die den „Adler“ in Tennenbronn seit sechs Generationen führt. Überraschend ist daher, dass sein heutiger Platz im Sternerestaurant keineswegs vorgezeichnet war. Nach dem Abitur am Thomas-Strittmatter-Gymnasium in St. Georgen schlägt er zunächst eine ganz andere Richtung ein: Er möchte Architekt werden, absolviert zur Vorbereitung auf das Studium eine Ausbildung zum Zimmerer. Doch im Laufe der Zeit schwindet die Lust am Bauen – dafür wächst die Begeisterung für gutes Essen und Trinken.
Genussvolle Entscheidung
Ende 2019 steckt er zwischen den Wegen fest. Er geht auf Reisen, landet in Bordeaux – ein Urlaub mit vielen interessanten Verkostungen. Und mit einer (genussvollen) Entscheidung: Die Welt der Weine soll seine werden.
Zurück in Deutschland absolviert er ein mehrmonatiges Praktikum im Weingut Haidle in Kernen bei Stuttgart. Dort erfährt er am eigenen Leib, dass Wein nicht nur Genuss, sondern auch harte Arbeit bedeutet. Parallel entwickelt er für den elterlichen Betrieb ein neues Weinkonzept, das nicht nur bei den Stammgästen Aufmerksamkeit erregt. Spätestens jetzt erkennt er deutlich: Er will Restaurantfachmann und Sommelier werden.
Die Suche nach dem passenden Ausbildungsbetrieb führt ihn gemeinsam mit seiner Familie an den Kaiserstuhl. Schon beim ersten Besuch im „Schwarzen Adler“ ist es um ihn geschehen. Die klassisch badisch-französische Küche, das elegante Ambiente, die Nähe zum Weingut der Eigentümerfamilie Keller – „da hat einfach alles gepasst“, erinnert er sich. „Ich war angekommen und von Anfang an Teil des Teams.“
Drei Jahre dauert die Ausbildung zum Restaurantfachmann mit Zusatzqualifikation im Küchen- und Servicemanagement. Diese schließt er 2024 als Deutschlands bester Restaurantfachmann ab.
In der anschließenden Sommelier-Ausbildung bei der IHK Südlicher Oberrhein überzeugt er erneut. Und im renommierten Wettbewerb der Nachwuchssommeliers des Meininger Verlags und der Sommelier-Union Deutschland erreicht er im März dieses Jahres den zweiten Platz. Heute gehört er im „Schwarzen Adler“ zu einem Team von drei Sommeliers.
Lust am Probieren
Weinempfehlungen hängen für den Sommelier nicht nur von dem ab, was auf dem Teller liegt. „Es kommt auch auf die Persönlichkeit an, auf die Stimmung, auf die Jahreszeit“, sagt er.
Rund 3500 verschiedene Weine lagern im Keller des Traditionshauses – darunter Raritäten im Wert von mehreren Tausend Euro. „Die jährliche Inventur dauert da schon mal eine Woche“, sagt er.
Auch privat bestimmt die Lust am Probieren, am Verköstigen, am Fine Tasting sein Leben. Hat Peter Reutlinger einen besonderen Tropfen entdeckt, empfiehlt er diesen gerne auch mal seinen Eltern, die in Tennenbronn den Landgasthof mit Bioland-zertifiziertem Restaurant führen. „Mittlerweile hört meine Famile ab und zu auch auf mich“, meint der Sohn lächelnd.
Wenn sich die Frage nach seinem Lieblingswein bei so viel Liebe zum Genuss auch erübrigt, so hat Peter Reutlinger doch noch einen Tipp zur Weihnachtszeit parat: Zum Wild empfiehlt er einen Lemberger – „super regional“ –, zum klassischen Heiligabend-Gericht mit Wienerle und Kartoffelsalat einen Müller-Thurgau. „Oder Champagner. Der geht immer. Und erst recht an Weihnachten.“