Die Eurométropole de Strasbourg sowie die beiden Städte am Rhein haben eine Solidaritätspartnerschaft mit der ukrainischen Stadt Charkiw unterzeichnet.
Ihor Terekhov, Oberbürgermeister von Charkiw, dankte „ganz Frankreich und Deutschland“ für die Bereitschaft zur Zusammenarbeit, „für die unschätzbare Hilfe im Energiebereich und im sozialen Bereich“, heißt es in einer Mitteilung der Stadt Kehl.
Charkiw ist die vom russischen Angriffskrieg am stärksten betroffene Großstadt der Ukraine und ist bislang mehrere Tausendmal beschossen worden; Hunderte von Angriffen haben allein in diesem Herbst stattgefunden. Der Aggressor greife Wohnviertel, Schulen, Krankenhäuser und kritische Infrastruktur an; mehr als 160 000 Einwohner seien obdachlos geworden, berichtete Ihor Terekhov in seiner Rede. Schulen und Kindertageseinrichtungen seien inzwischen in U-Bahn-Stationen unter die Erde verlegt worden. All das könne die Stadt nicht alleine schaffen.
Dass Charkiw trotz dem anhaltenden Beschuss und der Zerstörung von fast 13 000 Gebäuden nicht aufgibt, weiterhin Widerstand leistet und noch während des Krieges mit dem Wiederaufbau der Stadt beginnt, hoben sowohl die Straßburger Oberbürgermeisterin Jeanne Barseghian als auch die Präsidentin der Eurométropole de Strasbourg, Pia Imbs, hervor: Charkiw sei eine Stadt, die durchhalte, die widerstehe und die lebe. Barseghian und ihr Kehler Amtskollege, Wolfram Britz, erinnerten an die 40 Jugendlichen aus der Region Charkiw, die im vergangenen September im gleichen Saal im historischen Rathaus empfangen wurden, in dem nun die Unterzeichnung der Partnerschaftsvereinbarung stattfand. Gemeinsam mit der Région Grand Est und der Europäischen Gebietskörperschaft Elsass sowie mehreren Organisationen hatten die Städte den Jungen und Mädchen eine Auszeit vom Krieg ermöglicht.
40 Jugendliche erhalten kurze Auszeit vom Krieg
„Die Berichte dieser jungen Menschen und ihrer Betreuerinnen haben uns weit mehr als jeder Fernsehbericht nahegebracht, was dieser Krieg bedeutet“, sagte Britz. Allen 40 Jugendlichen war eines gemein: Sie hatten durch den Vater, Mutter oder beide Elternteile verloren, eine Bruder oder andere nahe Angehörige.
Die Ukraine kämpfe nicht nur gegen den russischen Aggressor, „sondern verteidigt mit ihrem mutigen und ausdauernden Kampf auch unsere europäischen Werte und vor allem: unsere Freiheit“, stimmte Britz seinen beiden Vorrednerinnen zu. Deswegen sei es nur legitim, fuhr er fort, dass „wir uns solidarisch zeigen und wenigstens einen kleinen Teil zur Unterstützung des mutigen und schwer leidenden ukrainischen Volkes beitragen“.
852 ukrainischen Staatsangehörigen in Kehl aufgenommen
Als Beispiele nannte er die drei Feuerwehrfahrzeuge, die die Stadt gespendet hatte und die Hilfstransporte, die von Kehler Organisationen entsandt wurden, aber auch die Aufnahme von 852 ukrainischen Staatsangehörigen in Kehl. Die Stadt tue ihr Möglichstes, um die Kinder in Kitas und Schulen zu integrieren. Viele Ukrainerinnen und Ukrainer, die in Kehl lebten, hätten die deutsche Sprache gelernt oder seien gerade dabei; „viele von ihnen arbeiten und engagieren sich ehrenamtlich für unser Gemeinwesen“.
Stellvertretend nannte der Oberbürgermeister Darya Romanenko und Margarita Koshyl, die beide aus Charkiw stammen. Und dennoch seien die Ukrainerinnen und Ukrainer in Kehl „weit davon entfernt, ein ruhiges Leben führen zu können, solange Bomben auf ihre Angehörigen und ihre Freunde fallen, solange ihre Heimat immer mehr zerstört wird“.
Bedeutsamer Ort
Im Saal des historischen Straßburger Rathauses, in dem nach den Reden die Solidaritätspartnerschaft in drei Sprachen unterzeichnet wurde, hatte der Europarat 1949 seine erste Sitzung abgehalten. Am 9. November jährte sich der Beitrag der Ukraine zum bereits zum 30. Mal.