Niels Horstrup hält einen Kasten voller rotem Eichblatt, der noch am selben Tag in den Boden gesetzt wurde. Tanja Roß hält dagegen Blumenkohl in ihren Händen. Auch dieser befindet sich bereits im Boden und soll später an Mitglieder ausgegeben werden. Foto: Piskadlo

Niels Horstrup und Tanja Roß haben zwei Jahre lang Vorbereitungen getroffen, damit es mit der solidarischen Landwirtschaft im Juni losgehen kann. Angebaut wird derzeit für 76 Mitglieder, in Zukunft sollen jedoch bis zu 350 Haushalte versorgt werden.

„Wir sind von früh bis spät hier“, erklärt Niels Horstrup. Mit Erde auf der Arbeitskleidung und Lächeln im Gesicht begrüßt er unsere Redaktion auf dem Hof seines Vaters in der Mahlberger Eisenbahnstraße.

 

Gemeinsam mit seiner Partnerin Tanja Roß betreibt er dort die solidarische Landwirtschaft Mahlberg (Solawie). Begonnen hatte alles Ende 2022, nun möchten sie in die erste Saison starten. So sollen ab Juni von dort aus wöchentlich hunderte Kilo Gemüse in die Ortenau gehen.

„Wir haben derzeit 76 Ernteanteile“, zieht Roß Bilanz. Obwohl die beiden erfahrenen Landwirte eigentlich mit 100 Anteilen in die erste Saison starten wollten, zeigen sie sich zufrieden: „Wir haben viel Zuspruch erhalten, im vergangenen Jahr hat sich so viel getan“, freut sich Roß. Der bislang größte Schritt für die beiden ist wohl, dass die Solawie Mahlberg nun als eingetragene Genossenschaft gilt.

Die Arbeit auf dem Hof ist vielseitig

„Jedes Mitglied kann so seine Fähigkeiten einbringen. Sei es in der Verwaltung, dem Kaufmännischen oder dem Gärtnerischen“, informieren die beiden. Bis es allerdings soweit gekommen ist, musste laut Roß viel geleistet werden: „Das war ein großer bürokratischer Aufwand.“ Ebenfalls zeitaufwendig sei die Arbeit auf dem Hof. „Die Gebäude stehen seit 80 Jahren hier“, weiß Horstrup. Demnach habe man vieles Instand setzen müssen.

Das sei jedoch genau das, was ihnen an ihrer Arbeit besonders gefalle. „Die Vielfältigkeit. Mal bin ich auf dem Acker, mal bin ich im Büro und mal baue ich ein Regal auf“, beschreibt Roß. Zumal die beiden das alles nicht alleine stemmen müssen. „Es kommen immer wieder Mitglieder, um uns zu unterstützen.“ Ein Blick über das Gelände bestätigt das Ganze: Zahlreiche Helfer, die Kisten tragen oder auf Leitern stehen und Nägel in Wände schlagen, sind zu sehen. Erwartet werde das von den Freiwilligen nicht. „Zwar ist die Verantwortung durch die Genossenschaft auf mehrere Schultern verteilt. Jedoch muss sich niemand Sorgen machen, ob etwa Salat rechtzeitig gepflanzt wird. Das ist unsere Aufgabe.“

Saisonalität und Regionalität im Vordergrund

Lediglich auf die finanzielle Unterstützung seien die Landwirte angewiesen. „Wir rechnen unseren Jahresunterhalt zusammen und teilen das auf die Mitglieder auf“, erklärt Roß. Auf den einzelnen Kunden mache das pro Woche rund 28 Euro für einen großen Ernteanteil – also wöchentlich fünf Kilo Gemüse. Für einen kleinen Anteil, sprich 2,5 Kilo, zahle man pro Woche 15 bis 20 Euro. Das Besondere: Diese Beiträge seien lediglich Richtwerte. „Menschen können also mehr zahlen, damit andere weniger zahlen müssen“, erklärt die Landwirtin.

Doch wieso sollte man mit diesem Geld nicht einfach in den Supermarkt gehen? Horstrup ist sich sicher: „Bei uns stehen vor allem Saisonalität und Regionalität im Vordergrund. Die Mitglieder können jeder Zeit auf den Acker kommen und schauen, wo ihr Gemüse herkommt.“ Das wirke sich auch auf den Geschmack aus. „Gemüse aus dem Supermarkt muss oft erst 600 Kilometer transportiert werden und dann auch noch gut aussehen“, weiß der Experte.

Mitglieder können ihre Anteile ab Juni vor Ort abholen

Abholen können Mitglieder ihre Anteile ab Juni vor Ort. Wöchentlich sollen bis zu acht Kulturen in einem Paket sein. Zudem sollen auch sogenannte Abholstationen in Lahr, Seelbach, Herbolzheim und Offenburg errichtet werden. Bis die erste Saison startet, müssten allerdings noch Dinge erledigt werden – unter anderem die Werbetrommel rühren. „Wir haben noch rund 40 Plätze für die Saison frei“, schätzt Roß. Interessierte könnten sich auch noch nach Juni für Ernteanteile anmelden. Einzige Voraussetzung: Mitglied der Genossenschaft werden. Wenn alles nach Plan der beiden Landwirte läuft, dann sollen in den kommenden Jahren bis zu 350 Haushalte mit dem Mahlberger Gemüse versorgt werden.

Infoveranstaltung in Lahr

Niels Horstrup und Tanja Roß werden am Montag, 22. April, im Lahrer Café Meinwärts über ihr Projekt informieren. Beginn ist um 18.30 Uhr.