Noch immer ist der alte Traktor aus dem Jahr 1959 im Einsatz bei der Feldarbeit, wie der Vorsitzende des Vereins „Solidarische Landwirtschaft Baarfood e. V.“, Simon Scholl, zeigt. Foto: Silvia Bächle

Der Verein „Solidarische Landwirtschaft Baarfood e. V.“ baut auf 2,3 Hektar regionales Gemüse an.

Auch ohne eigene Gartenfläche leckeres, gesundes, regionales und saisonales Gemüse auf den Tisch zu bekommen, ist durch den „Baarfood“-Verein in Villingen-Schwenningen möglich. Die Idee einer solidarischen Landwirtschaft ist nicht neu, bereits in den 1960er-Jahren kam sie über Japan nach Deutschland, im Jahr 2017 wurde sie in Villingen-Schwenningen durch die Gründung des Vereins „Solidarische Landwirtschaft Baarfood e. V.“ realisiert.

 

Das Konzept ist genial, denn alle Mitglieder können hier biologisch angebautes Gemüse erwerben und sich gleichzeitig als Arbeitskraft miteinbringen. Doch „Baarfood“ ist weitaus mehr, nicht zu unterschätzen ist der ökologische und auch gesellschaftliche Mehrwert.

Auf einer Fläche von 2,3 Hektar werden regionales und saisonales Gemüse durch zwei angestellte Gärtnerinnen ohne Pestizide oder Kunstdünger angebaut. Sie sorgen für eine biologische Vielfalt, experimentieren auch gerne, wobei das gesunde Bodenklima immer fest im Auge behalten wird. Zwar werde der Acker nach den biologischen Richtlinien bearbeitet und das Gemüse biologisch angebaut, doch man sei nicht zertifiziert, so die stellvertretende Vorsitzende Lisa Hahn.

Die Anfangsschwierigkeiten wie die Suche nach entsprechendem Ackerland (zur Gemüsefläche kommen heute noch 0,5 Hektar Streuobstwiese und 0,6 Hektar Gründüngung) oder der Erwerb von notwendigem landwirtschaftlichen Equipment wie Traktoren oder Gerätschaften haben die Mitglieder schon längst hinter sich gelassen.

Feldarbeiten sind gut organisiert

Heute wächst und gedeiht das regionale „Baar-Gemüse“, zum Beispiel verschiedene Salatsorten, Radieschen, Lauch, Knoblauch, frische Kräuter, Zwiebeln, Gurken, Spinat, Blumenkohl, Kohlrabi, Brokkoli, aber auch Tomaten, Zucchini, Bohnen, Karotten und einiges mehr. Die Feldarbeiten werden von den Gärtnerinnen, ergänzt durch Minijobber und die Arbeitseinsätze von Mitgliedern, durchgeführt. „Regionalität, Saisonalität, umweltverträgliche Anbaumethoden, eine gerechte Bezahlung und Beteiligungsmöglichkeiten sind für uns wichtig“, informiert der Vorsitzende Simon Scholl während seiner Feldarbeit.

Obwohl der Verein eigentlich noch jung ist, spüren die Gärtner den Klimawandel vor allem durch die zunehmende Trockenheit. Eine jährliche Diskussion der Solidargemeinschaft befasst sich damit, wie, wann oder ob überhaupt bewässert werden soll, da es derzeit keine Möglichkeit gibt, Regenwasser aufzufangen. Hier setzt man überwiegend auf Humusaufbau.

Humus als wichtiger Wasserspeicher

Ein Drittel des Feldes wird in Kooperation mit einem Landwirt für Grünland benutzt. Das dort wachsende Kleegras, welches später untergepflügt wird, ist nicht nur für die Bodenbeschaffenheit durch die Nährstoffe wichtig. Der somit aufgebaute Humus ist ein wichtiger Wasserspeicher. Außerdem ist die Methode finanziell günstiger, als bauliche Maßnahme durchzuführen.

Die stellvertretende Vorsitzende des Vereins „Solidarische Landwirtschaft Baarfood e.V“ Lisa Hahn mit dem frisch geernteten Spinat an der Abgabestelle. Foto: Silvia Bächle

Die derzeit 289 Mitglieder bezahlen einen fest vereinbarten Jahresbeitrag, der sie dann einmal im Jahr berechtigt, bei der Bieterrunde Gemüseanteile zu erwerben. „Bei der Bieterrunde treffen sich alle Gemüseabnehmer der kommenden Saison.

Die Kosten für Löhne, Pacht, Geräte, Jungpflanzen, und Saatgut werden vorgestellt und gemeinsam festgelegt, wie viel die Abnehmer im Durchschnitt pro Monat für ihren Anteil bezahlen. Nicht alle zahlen denselben Betrag, sondern je nach finanziellen Möglichkeiten mehr oder weniger. Der Verein finanziert also die Produktion des Gemüses, nicht das einzelne Produkt. Schwankungen im Ertrag und Ernteausfälle sind so abgesichert. Für diesen Betrag können die Mitglieder in der kommenden Saison einmal die Woche ihren Anteil der Ernte an den Verteilstellen abholen“, informiert Lisa Hahn.

Erntezusatz: „Gesunde Knolle“

Der dann erworbene Gemüseanteil beinhalte zusätzlich Kartoffeln. Für die gesunde „Knolle“ steht der „Baarfood“-Verein mit einem Landwirt in Kooperation. Neben den Arbeitseinsätzen auf dem Acker – hierzu sind auch Nicht-Mitglieder gerne willkommen – steht auch die wöchentliche Verteilung der Gemüsekisten an. Auch hier sind Unterstützer und Helfer gesucht, welche an den Verteilungsstellen in Villingen und Schwenningen immer donnerstags für die Ernteabgabe sorgen.

Die Ernte wird wöchentlich gleichmäßig auf alle Mitglieder, welche einen Gemüseanteil erworben haben, aufgeteilt. Dabei wird nichts verschwendet. Während der Markt nur perfekt gewachsenes Gemüse anbietet, gibt es in der Solidarlandwirtschaft ein klares Bekenntnis: „Es wird nichts weggeworfen“, so Vorsitzender Simon Scholl und seine Stellvertreterin Lisa Hahn.

Kompakt-Infos zur Mitgliedschaft

Eine Mitgliedschaft mit einem Jahresbeitrag von 30 Euro berechtigt zum Erwerb eines Gemüseanteils bei der Bieterrunde. Arbeitseinsätze sind erwünscht, aber keine Voraussetzung. Zu den Arbeitseinsätzen sind auch Nicht-Mitglieder herzlich willkommen. Weitere Information gibt es per E-Mail unter info@baarfood.de oder unter www.baarfood.de.