Nach der Umsiedlung eines Entennestes in Bad Dürrheim sind Diskussionen entstanden. Ein Besucher erhebt Vorwürfe, der Betreiber schildert seine Sicht. Auch Behörden sind eingebunden.
Nach der Beschwerde eines Besuchers über den Umgang mit einer Stockente und ihrem Gelege im Solemar in Bad Dürrheim hat die Kur und Bäder GmbH Stellung genommen.
Die Ente hatte ihr Nest ursprünglich im Bereich der Therme gebaut. Mitarbeitende setzten das Tier gemeinsam mit den Eiern um, während Besucher es wieder zurückbrachten. Schließlich wurde das Nest in Richtung Kurpark verlegt, am darauffolgenden Tag waren die Eier jedoch zerstört.
Ein Besucher erhebt schwere Vorwürfe gegen den Betreiber der Therme. Er bezweifelt unter anderem die Darstellung, dass das Nest in einen geschützten Bereich verlegt worden sei. „Niemand, wirklich niemand der vielen Mitarbeitenden konnte den Ort der Verbringung nennen“, erklärt er. Zudem kritisiert er, dass die Umsiedlung trotz vorheriger Hinweise auf mögliche rechtliche Probleme durchgeführt worden sei.
Die Kur und Bäder, vertreten durch die Referentin des Geschäftsführers Monica Balog und Geschäftsführer Markus Spettel, schildert die Situation aus ihrer Sicht. Die Ente sei zu keinem Zeitpunkt von ihrem Gelege getrennt worden. „Vor dem Hintergrund der unmittelbar bevorstehenden Osterfeiertage und der damit verbundenen hohen Besucherfrequenz sah sich die Kur und Bäder GmbH Bad Dürrheim zum Schutz des Tieres dazu verpflichtet, die Ente gemeinsam mit ihrem Gelege schrittweise und mit größtmöglicher Sorgfalt an einen geschützteren Ort umzusetzen.“
Besondere Verantwortung
Zudem tragen die Kur und Bäder als öffentliche Einrichtung eine besondere Verantwortung für die Einhaltung strenger Hygienevorschriften. Der Aufenthalt von Tieren könne die Wasserqualität beeinflussen und erfordere einen erhöhten technischen und personellen Aufwand zur Sicherstellung der vorgeschriebenen Standards. In diesem Zusammenhang sei auch ein mögliches Schlüpfen der Küken aus hygienischer Sicht kritisch zu bewerten gewesen.
Während der Umsiedlung, die behutsam und in mehreren Etappen erfolgt sei. habe es vermehrt Besucher gegeben, die die Ente wieder zurück an ihren ursprünglichen Platz gebracht hätten. Dadurch habe sich der Prozess verzögert und erschwert. „Schließlich konnte das Tier dennoch zusammen mit seinem Gelege erfolgreich in den angrenzenden Kurpark an einen aus Sicht der Mitarbeiter der Kurgärtnerei geeigneten, geschützten Platz unter einer großen Eibe gebracht werden“, erklärt Balog.
Am darauffolgenden Morgen wurden die Eier jedoch in einem zerstörten Zustand aufgefunden, voraussichtlich seien sie Opfer natürlicher Fressfeinde geworden.
Mit größter Vorsicht
„Wir haben die Ente mit größter Vorsicht und Rücksicht umgesetzt, um sie vor der hohen Besucherfrequenz zu schützen. Dass die Situation dennoch so ausgegangen ist, bedauern wir sehr“, erklärt Bereichsleiter der Kurgärtnerei Patrick Willmann, der die Maßnahme begleitet hat.
Nach einem Austausch mit der Unteren Naturschutzbehörde wurde festgehalten, dass solch eine Umsiedlung im Vorfeld behördlich hätte genehmigt werden müssen, erklärt Balog. Sie betont jedoch, dass die Entfernung aus dem stark frequentierten Bereich erforderlich gewesen sei. Einer Genehmigung hätte somit vermutlich nichts entgegengestanden, fügt sie hinzu.
„Dass diese Abstimmung im Vorfeld mit der Unteren Naturschutzbehörde nicht erfolgt ist, bedauern wir sehr und werden unsere internen Prozesse hierauf nochmals anpassen und optimieren, um in zukünftigen vergleichbaren Situationen im Sinne aller Beteiligten abgestimmt handeln zu können“, betont Spettel.
Stellungnahme Polizei
Rechtlich vom Tisch ist die Sache indes noch nicht. Der Sachverhalt sei der Polizei gemeldet worden. Derzeit liefen weitere Abklärungen, so Katrin Rosenthal vom Polizeipräsidium Konstanz.
Heike Frank, Pressesprecherin des Landratsamtes Schwarzwald-Baar-Kreis, kündigte ebenfalls Konsequenzen an: „Der Bäderbetrieb hat das Entennest eigenen Angaben zufolge am 8. April 2026 in den Kurpark umgesetzt. Die Kollegen der unteren Naturschutzbehörde stehen mit dem Bäderbetrieb in Kontakt. Für die Umsetzung des Nestes hätte es einer Genehmigung der unteren Naturschutzbehörde bedurft. Da es leider versäumt wurde, die Untere Naturschutzbehörde zu kontaktieren, konnte eine entsprechende Genehmigung nicht ausgestellt werden. Wir beabsichtigen deshalb, ein Verfahren gegen den Verursacher einzuleiten.“