Die hölzerne Dachkonstruktion ist das Markenzeichen des Solemars. Auch bei einer Nachnutzung des Gebäudes wird sie erhalten bleiben, erklärt Kurgeschäftsführer Markus Spettel (Dritter von links) der Grünen-Landtagsabgeordneten Martina Braun (von links), Landrat Sven Hinterseh, Bürgermeister Jonathan Berggötz sowie dem Grünen-Landtagsabgeordneten Thomas Hentschel. Foto: Kur und Bäder GmbH

60 Millionen Euro für die Zukunft des Solemars: Warum ein Neubau Bad Dürrheim retten soll – und weshalb Politik, Tourismus und Region jetzt an einem Strang ziehen müssen.

Rund 60 Millionen Euro – diese Summe muss die Kur- und Bäder GmbH laut Pressemitteilung aufbringen, um den Neubau des Solemars realisieren zu können. Ein finanzieller Kraftakt, den das Unternehmen aus eigenen und städtischen Mitteln sowie über Kredite stemmen muss.

 

Ein weiterer elementarer Baustein zur Verwirklichung des Solemar-Neubaus sind Förderungen aus Landesmitteln. Um bis auf die landespolitische Ebene auf das Thema aufmerksam zu machen und politische Entscheidungsträger für den Fördermittelbedarf zu sensibilisieren, wurden die Grünen-Landtagsabgeordnete Martina Braun sowie den tourismuspolitischen Sprecher der Grünen-Landtagsfraktion, Thomas Hentschel, eingeladen.

Begleitet wurden sie von Landrat Sven Hinterseh sowie Bad Dürrheims Bürgermeister Jonathan Berggötz und dem Geschäftsführer der Kur- und Bäder GmbH Markus Spettel.

Die über allem stehende Botschaft vermittelte Kurgeschäftsführer Spettel den Gästen eindrücklich: „Das Solemar ist mehr als der wirtschaftliche Herzschlag Bad Dürrheims. Es hat als touristischer Magnet auch eine große Strahlkraft in die gesamte Region.“

Über 650 000 Gäste und Patienten

Rund 100 Millionen Euro werden laut Spettel jährlich durch den Tourismus in die Stadt gebracht. Mit über 650 000 Gästen und Patienten an 364 Öffnungstagen pro Jahr sei das Solemar die am meisten frequentierte Einrichtung im Landkreis. Von den 1,5 Millionen Übernachtungen im Schwarzwald-Baar-Kreis entfallen über 600 000 auf Bad Dürrheim.

„Wir beobachten in den vergangenen Jahren einen Trend, dass Touristen aus heißen Ländern den Sommer gerne in kühleren Gegenden wie bei uns verbringen. So gewinnen wir auch international an Bedeutung“, erklärte Spettel.

Das Solemar befinde sich im 39. Betriebsjahr. „Im Schnitt halten Solebäder etwa 25 Jahre, da das Salzwasser aggressiv ist und die Bausubstanz angreift“, erläuterte er. „Wir investieren jährlich hohe Summen, um das Bad bestmöglich in Betrieb zu halten. Das hat sich ausgezahlt, aber jetzt kommen wir an die Substanz.“

Argumente für einen Neubau

Man habe verschiedene Szenarien gründlich geprüft und sei zu dem Ergebnis gekommen, dass ein Neubau die beste Lösung für Bad Dürrheim sei. Finanziell sei der Unterschied zwischen Neubau und Sanierung marginal, so Spettel.

Sowohl Hentschel als auch Braun unterstrichen die Argumente für einen Neubau: Parallelbetrieb, Planungsverlässlichkeit, Energieeffizienz sowie die Möglichkeit, Abläufe deutlich effizienter zu gestalten.

Unter anderem würde eine Sanierung der Therme eine mehrjährige Schließung nach sich ziehen, was einem Todesstoß für die Stadt gleichkäme. Die örtlichen Betriebe spürten bereits während der Revisionswoche deutliche Umsatzrückgänge.

Die neue Therme in unmittelbarer Nähe

Die neue Therme soll in unmittelbarer Nähe zur heutigen gebaut werden, sodass die Wellness-Einrichtungen weiterhin genutzt werden können. Die Fläche südwestlich des Solemars wird favorisiert, da es sich um städtische Grundstücke beziehungsweise Eigentum der Kur- und Bäder GmbH handelt.

„Wo genau was entstehen könnte, wird der Architektenwettbewerb zeigen“, erklärte Spettel. Fest steht: Das seit einigen Jahren geplante Thermenhotel soll mit rund 120 Zimmern durch einen Investor realisiert werden.

Beim Rundgang durch das Wellness- und Gesundheitszentrum zeigten sich laut Mitteilung die beiden Landtagsabgeordneten, der Landrat sowie der Bürgermeister beeindruckt: von den vielfältigen Therapieeinrichtungen, den sieben Saunen, den Wellnessangebote, der nagelneuen Kältekammer – und von der Therme selbst.

Die imposante Holzdachkonstruktion

Hinterseh sagte mit Blick auf die imposante Holzdachkonstruktion: „Die Architektur ist top. Da hängt die Messlatte für eine neue Therme sehr hoch.“ Holzoptik solle auch im Neubau eine tragende Rolle spielen, so Spettel. Das Dach solle zudem für eine Nachnutzung beibehalten werden – etwa für ein Messe- und Kongresszentrum oder eine Eventlocation.

Als das Solemar geplant wurde, seien die Bedürfnisse und Anforderungen völlig andere gewesen, verdeutlichte Spettel. „Früher kamen die Gäste vor allem für Anwendungen. Heute bleiben sie deutlich länger und genießen ihren Aufenthalt.“ Die Wasserflächen plane man nun kleiner, dafür die Gastronomie deutlich größer.

Nach der Begehung richtete der Bürgermeister einen eindringlichen Appell an die beiden Landtagsabgeordneten: „Das Solemar ist die Lebensversicherung von Bad Dürrheim. Wir bitten Sie, bei Koalitionsverhandlungen an unser Anliegen und an Bad Dürrheim zu denken und Fördermittel für die Heilbäder zu verankern.“

Bad Dürrheim auf der Prioritätenliste

Auch der Landrat betonte die Bedeutung der Therme: „Wir brauchen echte Leuchttürme, die gestärkt werden. Dieser Leuchtturm ist in der Region das Solemar.“

Zu den Plänen und dem Engagement der Kurgeschäftsführung äußerte sich Grünen-Landtagsabgeordnete Thomas Hentschel wohlwollend: „Ich sehe Bad Dürrheim ganz oben auf der Prioritätenliste.“ Der Tourismus – auch international – nehme zu, und die Gesundheitsbranche gewinne weiter an Bedeutung.

Die Landtagsabgeordnete Braun verwies auf die große Bedeutung der Arbeitsplätze in der Tourismusbranche: „Diese Arbeitsplätze lassen sich nicht ins Ausland verlagern und bieten familienfreundliche Arbeitsbedingungen.“

In den kommenden Wochen werden weitere Landtagsvertreter das Solemar besuchen unter anderem der Grünen-Spitzenkandidat Cem Özdemir und der Staatssekretär Patrick Rapp.

Weitere Informationen

Zeitplan
Der Architektenwettbewerb wird im kommenden Jahr ausgeschrieben, so dass Ende 2026 die Beiträge vorliegen. Die Vergabe soll nach aktueller Planung Anfang 2027 erfolgen. Das neue Solemar wird voraussichtlich im Jahr 2031 fertiggestellt. Eine konkrete Investitionssumme kann erst nach abgeschlossenen Planungsphasen benannt werden.