Milena Biallowons und Hannes Küchlin haben in Ettenheim eine solidarische Landwirtschaft gegründet. Nach viel Arbeit stehen in diesem Jahr die ersten Ernten an. Aktuell 105 Mitglieder freuen sich bereits darauf, die Initiatoren hoffen, dass es noch 150 werden.
Ökologische Anbaustandards, sehr gute Gemüsequalität, Begegnung und Austausch: Diese Ziele haben sich Milena Biallowons und Hannes Küchlin mit ihrer Vielfalterei – eine solidarische Landwirtschaft (siehe Info) in Ettenheim – gesetzt.
Auf der rechten Seite der Landstraße zwischen Ettenheim und Ettenheimweiler liegt der Acker versteckt. Aktuell, zur Winterzeit, sind die Flächen noch größtenteils unbewachsen.
„Ab Kalenderwoche 5 beginnt der Anbau im Folienhaus, ab Anfang März dann im Freiland“, verrät Gemüsegärtnerin Milena Biallowons auf Nachfrage unserer Redaktion. Die 34-Jährige hat bereits eine Solidarische Landwirtschaft bei Bad Krozingen begleitet, brach dann ihr Studium der Umweltwissenschaften ab und entschied sich für eine Ausbildung zur Gemüsegärtnerin. „Diese habe ich 2015 bei der Gärtnerei Piluweri in Müllheim abgeschlossen“, erklärt sie. Gemeinsam mit ihrem Partner Hannes Küchlin, der als Landwirt, Gemüsegärtner und Bäcker tätig ist, hat sie das Projekt in Ettenheim gestartet.
150 Mitglieder sind das Ziel
„Wir wollten uns schon länger selbstständig machen und waren auf der Suche nach einer geeigneten Fläche im Raum Freiburg. Über eine Freundin wurden wir vom Lebensmittelpunkt Ettenheim gefragt, ob wir nicht in Ettenheim eine solidarische Landwirtschaft gründen wollen. Uns hat es hier sehr gut gefallen und so haben wir 2020 angefangen, nach einer Fläche zu suchen“, berichtet sie. Mittlerweile hat die Vielfalterei 105 Mitglieder, im Laufe des Jahres sei das Ziel, auf 150 anzuwachsen. Ihr Projekt sehen Biallowons und Küchlin als Puzzleteil einer Landschaft, in der Menschen, Flora und Fauna sich langfristig ernähren und regenerieren könnten. Mit der Vielfalterei wollen sie zu einer regionalen Ernährungssicherheit beitragen.
Das Ganze funktioniert über Selbsternte: Von Mitte März bis Mitte April können die Mitglieder jeden Tag und zu jeder Uhrzeit ernten. „Über eine Markierung der Beete mit Fahnen erfahren Mitglieder, wo geerntet werden darf und ob sie in die Vollen gehen können oder erst noch verhalten ernten sollen“, erläutert die 34-Jährige. Bei den Beeten gebe es auch Ernteanleitungen. „Im Winter ernten wir für die Mitglieder, die ihren Anteil dann an einem Verteilpunkt abholen können.“ Wer das möchte, zahlt einen Mitgliedsbeitrag: „Dieses Jahr liegt der Richtwert pro Person bei 60 Euro pro Monat, Kinder zahlen so viel, wie sie alt sind. Menschen mit weniger finanziellem Spielraum können auch weniger zahlen, dafür zahlen andere Mitglieder auch mehr“, klärt die Initiatorin auf.
Obwohl das Projekt bereits einige Jahre läuft – 2020 erfolgte die erste Absprache mit der Stadt Ettenheim, 2022 begannen die ersten Arbeiten auf dem Gelände und Anfang 2024 wurde der Bauantrag bewilligt – sei dieser Monat der erste, in dem die beiden auch Einnahmen hätten.
80 bis 100 Stunden investieren sie pro Woche
Damit alles läuft, wie sie es sich vorstellen, sind Biallowons und Küchlin zusammen etwa 80 bis 100 Stunden in der Woche mit der Vielfalterei beschäftigt – „momentan tagsüber auf der Baustelle und abends dann im Büro“.
„Neben den eigentlichen gärtnerischen Tätigkeiten gibt es auch einiges an Büroarbeit, Verwaltung und Kommunikation mit den Mitgliedern. Außerdem sind wir noch nicht fertig mit unserer Infrastruktur“, berichtet Biallowons. Aktuell seien die beiden damit beschäftigt, die Scheune fertig zu stellen, in Kürze soll ein Folientunnel aufgestellt werden. „Im Februar wird ein Stahltank für die Bewässerung aufgestellt und die Bewässerung der Beete installiert. Wenn irgendwie Zeit ist, stellen wir im Laufe des Jahres unser Betriebsgebäude, in dem wir uns umziehen, kochen, aufwärmen können, fertig.“ Ab Februar beginnt der Anbau der zahlreichen Gemüsesorten – darunter etwa Asia Salat, Feldsalat, Lauch, Möhre, Rote Beete und Wirsing.
Konzept der „Solawi“
In einer Solidarischen Landwirtschaft (Solawi) tragen mehrere Haushalte die Kosten eines landwirtschaftlichen Betriebs, wofür sie im Gegenzug dessen Ernteertrag erhalten. Ziel ist lebendige und verantwortungsvolle Landwirtschaft.