Verbrennen sich die Stadt und mit ihr die Stadtwerke die Finger an dem geplanten Solarpark bei den Bertholdshöfen? Eigentümer wollen das Vorhaben nicht nur kippen, sondern kritisieren auch das ihrer Meinung inakzeptable Vorgehen der städtischen Planer.
80, 50, 30, 20 das sind die in der Luft liegenden Zahlen, an denen sich nicht nur bei den Bertholdshöfen hitzige Diskussionen entzünden.
Einer der (künftigen) Pächter, Hans-Joachim Böhm, zeigt auf einer Karte, die die Ausmaße des anvisierten Projektes zeigen.
80 Hektar überplante Fläche, ein Solarpark mit den Ausmaßen von 50 Hektar, 30 Hektar davon im Besitz der Stadt, die restlichen 20 Hektar gehören privaten Eigentümern, darunter auch das Ehepaar Schmieder, die er in der Öffentlichkeit vertritt.
Eigentümer formieren sich
Doch Hans-Joachim Böhm ist mit seiner harschen Kritik an Projekt und Vorgehensweise nicht allein. Mittlerweile haben sich etwa 15 Eigentümer und Verpächter formiert, mit dem Ziel, den Solarpark zu verhindern. Deren Sprecher in der Öffentlichkeit, Hans-Joachim Böhm, sieht sich sicherlich nicht als Gegner von Wind- und Solarpark, „ganz im Gegenteil. „Aber stellen Sie sich mal diese Ausmaße vor, auf 50 Hektar wird die Erde zugedeckelt mit schwarzen Paneelen“, und das in einem für viele Doppelstädter so anziehenden Naherholungsgebiet. „Warum werden solche Anlagen nicht dort geplant, wo schon alles versiegelt ist?“, spielt Böhm auf große Dächer von Firmen, Parkhäusern oder anderen Flächen an.
Kritik an Vorgehen
Doch nicht nur der geplante Solarpark lässt das Adrenalin bei Böhm und seinen Mitstreitern steigen, auch das Vorgehen und der Umgang mit den betroffenen Eigentümern seitens der Stadt sei nicht akzeptabel. Bis heute habe niemand mit dem Ehepaar Schmieder gesprochen. Sein Ende März veröffentlichtes Statement habe er an Oberbürgermeister Jürgen Roth geschickt, die Stadtwerke und die Fraktionsspitzen im Gemeinderat.
„Keine Reaktion“, fasst er das Ergebnis zusammen. Wie sehr er darüber verärgert ist, daraus macht er keinen Hehl. Genauso befremdet sei er von Informationen einiger Bertholdshöfler: Diese haben ihm erzählt, dass Stadtwerke-Mitarbeiter Eigentümer bereits im Vorjahr aufgesucht und die Pläne dargestellt haben. Garniert mit dem Hinweis, „das Ganze nicht an die große Glocke zu hängen“.
Für Böhm nur ein weiterer Hinweis darauf, „dass es gehörig an Transparenz fehlt“. Der „Gipfel“ sei dann die Gemeinderatssitzung gewesen, als „so getan wurde, als ob das Ganze schon laufen werde“.
Die Stadtverwaltung VS hat auf eine Anfrage noch nicht reagiert.
Kann es verhindert werden?
Können die Bertholdshöfe-Eigentümer und Verpächter überhaupt Solarpaneele auf ihrem Terrain verhindern oder könnte die Stadt hier Schranken setzen? Immerhin wird der Ausbau der erneuerbaren Energien politisch priorisiert. Für Stefan Bartholme, seit 25 Jahren Fachanwalt für Verwaltungsrecht aus VS, ist das PV-Projekt ein klassischer Fall dafür, dass die Planungs- und Selbstverwaltungshoheit greifen könne auch wenn privates Gelände tangiert werde. Zudem seien PV-Freiflächenanlagen seit kurzem privilegierte Vorhaben im Außenbereich und könnten auch ohne Bebauungsplan als Hofanlagen umgesetzt werden.