Wie groß wird der Solarpark bei den Bertholdshöfen zwischen Villingen-Schwenningen? Foto: Marc Eich

Ein ambitionierter Solarpark auf den Bertholdshöfen zwischen Villingen und Schwenningen? Bei der Vorstellung läuft es manchen eiskalt den Rücken hinunter. Politisch erhält das Projekt generell Rückenwind, doch die Eigentümer bleiben dem Vernehmen nach bei ihrer Ablehnung.

50 Fußballfelder groß soll er werden, der Solarpark, den sich Stadt und Stadtwerke GmbH auf einem Areal auf den Bertholdshöfen zwischen Villingen und Schwenningen vorstellen.

 

Doch kaum wird das Vorhaben VS-weit bekannt, heizen sich die Gemüter auf: Kopfschütteln und massive Kritik kommt nicht nur von einigen Bürgern, die um „ihr“ Naherholungsgebiet fürchten, sondern vor allem von Seiten der Eigentümer.

Hintergrund: Von den anvisierten 50 Hektar sind 30 Hektar in Besitz der Stadt, 20 Hektar in Privatbesitz. Die Bertholdshöfe-Eigentümer kündigten bereits erbitterten Widerstand an. Und an dieser Haltung hat sich offenbar nichts geändert.

Die Betroffenen, auch Pächter, möchten sich mit Kommentierungen noch zurückhalten und verweisen auf eine Pressekonferenz am 16. Mai. Bis dorthin soll auch eine eigene Homepage freigeschaltet werden.

Fläche wahrscheinlich kleiner

Schon im Vorfeld der jüngsten Abstimmung unter den Eigentümern hatte die Stadtverwaltung auf einen der vorgebrachten Kritikpunkte reagiert. Wurde „über deren Kopf hinweg“ das Gelände für einen Solarpark verplant? Dazu Madlen Falke von der städtischen Pressestelle: Bereits im Juli 2020 habe der Gemeinderat über die Freiflächenfotovoltaik-Potentialanalyse beraten, „dabei wurden generelle Eignungsflächen identifiziert, auch Bereiche auf denen größere PV-Anlagen möglich wären“.

Im Mai 2023 habe es eine Informationsvorlage für Energieprojekte privater Eigentümer gegeben. Im Juli 2023 seien Freiflächenanlagen, zum Beispiel im Bereich „Obere Wiesen“ und „Zentralbereich“ mit beschlossen worden. Derzeit, so Falke, werden noch artenschutzrechtliche Untersuchungen durchgeführt. Darauf aufbauend werde dann eine erste technische Planung erfolgen, sprich wie die Module im angeordnet werden könnten, auch im Hinblick auf eine Grundstücksverfügbarkeit. „Daher wird sich der durch die Freiflächen-PV-Anlage überstellte Bereich mit großer Wahrscheinlichkeit noch verkleinern.“

Augenmerk liegt auf Ausbau

20 Hektar der Fläche sind in Privatbesitz: Könnte die Stadt VS in einem solchen Fall, der Ausbau der Erneuerbaren Energien genießt ja Priorität, „öffentliches Interesse“ geltend machen? Pressesprecherin Madlen Falke macht die Position der Stadt klar: „Der Gemeinderat hat beschlossen, dass die Stadt Villingen-Schwenningen bis zum Jahr 2035 möglichst klimaneutral sein soll. Das Augenmerk liegt auf dem Ausbau der grünen Energie mit den Schwerpunkten Photovoltaik und Windkraft. Das öffentliche Interesse ist definitiv gegeben.“

Befürchtet die Stadt noch mehr Konflikte mit Bürgern, wenn es um weitere Solar- oder Windparks geht? Falke weist darauf hin, dass sich die Bürgerinnen und Bürger der Stadt aktiv im Planungsprozess einbringen können.

SVS: Gerne im Dialog

Dem Vernehmen nach haben die Stadtwerke bereits im Vorjahr Eigentümer aufgesucht und über die Solarpark-Pläne informiert, jedoch mit der Ansage, „die Sache nicht an die große Glocke zu hängen“. Was sagt die SVS-Spitze zu dem Vorwurf der „Intransparenz“? Dazu äußert sich Oliver Bauer, Pressesprecher der SVS: „Es ist üblich, dass bei Vorgesprächen um Vertraulichkeit gebeten wird. Wir wollten mit allen Eigentümern direkt und persönlich reden, bevor die Betroffenen Informationen von Dritten erhalten. Bei einem persönlichen Gespräch kann man auch etwaige Fragen zum Projekt direkt beantworten.“

Ist es korrekt, dass die SVS, namentlich Geschäftsführer Gregor Gülpen, in Kürze das Gespräch mit den Eigentümern suchen möchte? „Wir pflegen den regelmäßigen Austausch mit allen Beteiligten, die gerne mit uns in den Dialog treten wollen.“ Doch bisher sei es noch nicht zu einem solchen Treffen gekommen, hieß es von einem der Betroffenen.

Bittere Pille für Landwirte

Wie reagieren jene, deren Existenz zum Teil von den verplanten Flächen abhängt? Wenn es um die Position des Badischen Landwirtschaftlichen Hauptverbandes geht, ist deren Präsident zwiegespalten. Zum einen sieht der regionale BLHV-Präsident Bernhard Bolkart aus Schonach, „dass wir im Bereich der erneuerbaren Energien weiterkommen müssen“. Andererseits befürchtet der Schwarzwaldbauer auch einen weiteren Rückgang an landwirtschaftlichen Flächen und damit eine Tendenz, die vielen Betrieben zu schaffen mache.

Bolkart zeigt dieses Dilemma an ein paar generellen Zahlen auf: Zwischen 70 und 80 Prozent der Flächen seien nicht im Eigentum von Bauern und damit gepachtet. Mit jeder Fläche, die verloren gehe, spitze sich das Problem zu. Es gebe immer weniger Ausgleichsfläche, „auf die wir zurückgreifen können“.

Nicht zuletzt spiele auch die finanzielle Seite eine zentrale Rolle. Solarpark-Betreiber können ganz andere Pachtzinsen bezahlen als Bauern, zeigt Bolkart auf. Wenn es um geeignete Flächen für PV-Module geht, würde der BLHV-Chef deshalb andere Standorte priorisieren, Dächer von Industrieanlagen oder Parkplätzen beispielsweise. Doch „offensichtlich geht man lieber den Weg des geringsten Widerstandes“.