Wie kann Solar im denkmalgeschützten Altstadtbereich möglich werden? Foto: Sum

Klimaschutz versus Denkmalschutz – das prallt aufeinander, wenn auf Altstadtdächern Photovoltaikanlagen (PV) gewünscht werden. Auch in Schiltach gibt es dazu kontroverse Meinungen.

Schiltach - Claudia Mann vom Landesamt für Denkmalpflege informierte am Mittwoch im Gemeinderat zum Thema Solar in der Altstadt. Der Druck dafür werde in vielen Orten größer, "weil die Eigentümer PV-Anlagen auf ihren Dächern wollen", sagte sie. Dass das nicht überall so einfach ist, zeigte sich in ihrem Vortrag und der regen Diskussion im Anschluss.

Wie ist die aktuelle Situation?

In Schiltach gebe es nicht nur einzelne Kulturdenkmale, sondern eine von 120 "besonders schützenswerten Gesamtanlagen" im Land, erklärte Mann. In der 1998 letztmals aktualisierten Bausatzung für den denkmalgeschützten Altstadtbereich untersagt die Stadt "Sonnenkollektoren oder ähnliche Anlagen" auf einsehbaren Dächern. "Das macht in Schiltach mit seiner Tallage auch großen Sinn", befand sie. Denn dadurch seien die Dächer von überall einsehbar. "Wenn eine Stadt keine eigene Satzung hat, gilt landesweit, dass Anlagen nur zulässig sind, wenn sie vom öffentlichen Straßenraum nicht einsehbar sind", erklärte die Expertin.

Welche Möglichkeiten gibt es?

Die Landesdenkmalpflege gibt Kommunen seit wenigen Monaten ein neues Instrument an die Hand: das sogenannte Solarkataster. Damit sollen Denkmal- und Klimaschutz in Einklang gebracht werden. Es listet "transparent auf, wo PV-Anlagen erlaubt sind und wo nicht – und warum das so ist", sagte Mann.

Wie entsteht das Kataster?

Es beinhaltet mehrere Schritte: Fernsichten, Stadtbausteine und Kernzonen.

Bei den Fernsichten werden alle "relevanten Stadtansichten" berücksichtigt, also welche Blicke man etwa von Wanderwegen oder Aussichtspunkten auf die Altstadt hat. Die Entfernung spiele dabei eine Rolle. "Unser Kriterium ist immer, ob eine erhebliche Beeinträchtigung mit der PV-Anlage entsteht", so Mann. Wo das der Fall ist, seien PV-Anlagen schon im ersten Schritt ausgeschlossen.

Stadtbausteine seien markante Bauten wie Rathäuser, Kirchen oder Gebäude, die besonders prägend sind.

In den Kernzonen werden Wirkung und Einsehbarkeit im öffentlichen Raum bewertet – in ihnen gebe es eine hohe Dichte an Kulturdenkmalen. In Schiltach sei der Marktplatz ein Beispiel.

Wer erstellt das Kataster?

Die Stadt kann das Solarkataster bei einem Fachbüro in Auftrag geben. Das Landesdenkmalamt begleitet den Prozess beratend. In wie weit der Gemeinderat mitreden darf oder die Bürger beteiligt werden, müsse die Stadt mit dem Büro vereinbaren.

Was rät die Behörde?

Claudia Mann stellte klar: Durch PV-Anlagen könnten "erhebliche Veränderungen am Ortsbild" entstehen. Gewisse Stadtansichten könnten "in zehn Jahren dann so nicht mehr bestehen". Eine Stadt müsse sich fragen: Womit werben wir nach außen?

Sollte die Stadt das Verbot von Solar in der Altstadt aufheben, aber kein Kataster erstellen, entscheidet das Denkmalamt jeden Einzelfall. "Aber das dauert und ist für die Betroffenen oft wenig transparent", warnte Mann.

Wie stehen die Chancen auf Solar im Altstadtbereich?

Dazu konnte die Fachfrau nichts Konkretes sagen. Es werde wohl weiterhin Bereiche geben, in denen Solar nicht möglich ist. "Ich kann mir aber schon vorstellen, dass es einige Bereiche geben wird, die für Anlagen freigegeben werden", so Mann.

Aber: "Die PV-Anlagen würden Gestaltungsvorgaben bekommen", stellte sie klar. So müssten sie farblich passen und das Dach sollte in seiner Kubatur noch erkennbar sein.

Wie sieht es mit Solarziegeln aus?

Sogenannte Solarziegel (kleine PV-Module, die wie Ziegel nebeneinander verlegt werden) sind, wenn PV-Anlagen auf dem Dach zugelassen sind, erlaubt – "derzeit aber noch sehr kostenintensiv", so Mann. Noch sei nicht diskutiert worden, ob bei Solarziegeln, die sich optisch teils weit weniger von normalen Ziegeln abheben als Paneele, mehr Bereiche für Anlagen freigegeben werden könnten, erklärte sie.

Was meinen die Räte?

Ulrich Gebele sprach sich dafür aus, "einen Weg zu finden, der für alle verträglich ist". PV sollte auch auf denkmalgeschützten Gebäuden möglich sein. Etwa, indem die Stadt einen einheitlichen Solarziegel aussucht und diesen zur Verwendung vorgibt, möglicherweise mit einem städtischen Zuschuss. "Nur ein belebtes Denkmall macht Sinn", wollte er die Attraktivität für die Bewohner durch die Ermöglichung von Solar erhöhen.

Noch weiter gehen wollte Michael Buzzi: Das moderne Leben müsse sich auch in den denkmalgeschützten Altstädten abzeichnen, fordere er – auf dem Marktplatz parkten schließlich auch Autos. Er wollte die "Solardächer dort so gestalten, dass sie sichtbar, aber verträglich sind" und sah Schiltach in einer Vorreiterrolle. Er wolle eine Lösung finden, wie Solar auch aufs Rathaus und die Marktplatzhäuser zu bekommen sei.

Einen anderen Blick hatte Lehengerichts Ortsvorsteher Thomas Kipp auf die Sache: Im Verhältnis zum gesamten Photovoltaik-Potenzial in Schiltach und Lehengericht machten die Altstadtdächer nur einen kleinen Prozentsatz aus.

Wie lautete das Fazit des Rathauschefs?

Bürgermeister Thomas Haas sah ein Solarkataster als einzigen Weg. Wenn ein spezieller Ziegel kreiert werden könne, sollte mit dem Denkmalamt abgeklärt werden, ob es ein dreistufiges Kataster geben könne, griff er einen Vorschlag von Kipp auf – also Bereiche, in denen weiterhin keine Anlagen zulässig sind; Bereiche, in denen bestimmte Ziegel erlaubt sind und Bereiche, in denen freie Anlage-Wahl besteht. Quasi ein "Solarkataster Schiltach Spezial", fasste er zusammen. Haas war es wichtig, einen Weg zu finden, "der auch für unsere Altstadt gut ist".