Der Tierrechtsverein Soko Tierschutz ist vom Ergebnis des Bürgerentscheids zum Schlachthof in Rottenburg nicht überrascht. Foto: Begemann

Die Soko Tierschutz ist vom Ergebnis des Bürgerentscheids zum Rottenburger Schlachthof nicht überrascht. In einem weiteren Interview mit unserer Redaktion verrät der Verein, wie Tierschützer aus sanierten Schlachthöfen rausgehalten werden sollen, ob die Soko jetzt auch in Rottenburg aktiv wird und was für Verbraucher zu schockierend wäre, um es zu zeigen.

Rottenburg - Schon vor dem Bürgerentscheid hatte der Münchner Verein Soko Tierschutz, der unter anderem 2020 die Tiermisshandlungen am Gärtringer Schlachthof aufdeckte, den Rottenburger Schlachthof kritisiert. In einem weiteren Interview spricht Friedrich Mülln von der Soko Tierschutz mit unserer Redaktion.

 

Wie haben Sie das eindeutige Votum der Rottenburger, ihren Schlachthof erhalten zu wollen, aufgenommen?

Psychologisch macht das Sinn, so kann man sich weiter die Hoffnung auf eine vermeintlich heile Fleisch-Welt einreden. Hat mich also nicht überrascht. Eine Live-Cam von der Betäubungsbox würden die Leute wohl ablehnen. Das stört.

Aus finanziellen Gründen könnte es möglicherweise bald gar keinen Schlachthof mehr in der Region geben – weder in Gärtringen noch in Rottenburg – und die Tiere müssten weit weg gefahren werden. Das wäre dann noch schlechter für das Tierwohl, oder nicht?

Das ist eine übliche Taktik, um die Strukturen schön zu reden. Aber Gegenfrage: Wenn eine Branche damit argumentiert, dass man Tiere noch schlimmer leiden lässt, wenn man nicht macht, was sie wollen. Ist dann nicht der Ausstieg das beste? Im Übrigen sind Kurzstrecken-Transporte für Tiere besonders stressig.

Sie hatten den Rottenburger Schlachthof als "heruntergekommen" und "Ruine" bezeichnet. Wie gehen Sie als Soko Tierschutz mit dem Fall "Schlachthof Rottenburg" jetzt weiter um?

Wir haben eine lange To-do-Liste und zu jeder Renovierung gehören jede Menge Kameras, um Tierschützer draußen zu halten. Es ist nur ein Schrott-Schlachthof unter so vielen. Es kann und darf nicht unsere Aufgabe sein, das alles zu regeln.

Wann müsste die Soko Tierschutz in Rottenburg tatsächlich eingreifen?

Wenn wir einen rechtfertigenden Notstand erkennen. Sprich Tierquälerei und Untätigkeit durch den Staat.

Warum ist Ihrer Meinung nach der Wandel zu einer pflanzliche Ernährung für einen Großteil der Bevölkerung immer noch so schwierig?

Weil Traditionen und Gewohnheiten schwer zu ändern sind. Wandel schafft Ängste, Trotz und Aggressionen. Da blendet man all die guten Argumente aus.

Wie ist die Soko Tierschutz im Kreis Tübingen aufgestellt, was Vereinsmitglieder angeht, die sich aktiv für das Tierwohl einsetzen?

Wir sind ein sehr kleiner Verein, wir haben aber auch gute Leute in der Region. Aber es ist zum verzweifeln. Wenn Sie unsere Liste mit Informanten-Infos lesen würden, würden Sie erblassen. Gerade sind wir 800 Kilometer entfernt.

Wie kann man Ihnen bei der Aufklärung von Tierleid helfen?

Augen aufhalten. Beobachtungen melden. Und am wichtigsten, durch eine pflanzliche Ernährung dafür sorgen, dass ich arbeitslos werde. Das wäre toll, denn es ist eigentlich nicht zu ertragen.