Australien macht’s, Großbritannien macht’s und die CDU will in Deutschland nachziehen. Es geht um ein Social-Media-Verbot an Schulen. Das sagen einige Triberger.
Dass die CDU auf ihrem jüngsten Bundesparteitag beschlossen hat, mal einen Entwurf für ein Social-Media-Verbot vorzulegen – es ist nicht gerade eine Vorreiter-Idee. Denn in Australien gibt es so etwas schon, ebenso im nahe gelegenen Großbritannien.
Diskussionen über die Fragen, ab wann Kindern ein Handy zugestanden werden sollte und wie und ob die Benutzung reglementiert werden soll, kochen allerdings auch hierzulande schon länger immer mal wieder hoch.
Schulen und Kindergärten kommt dabei eine zentrale Bedeutung zu. An den Bildungseinrichtungen in Triberg wird das Thema Handybenutzung allerdings sehr unterschiedlich geregelt.
Ständige Reizüberflutung und Suchtgefahr
Ein Gesetzesentwurf zu einem Social-Media-Verbot, wie er bis zum Sommer vorliegen soll, würde aber einen großen Schritt weiter gehen. Dazu hörte unsere Redaktion sich in Triberg ein wenig um.
Der Elternvertreter der Triberger Realschule, Christian Faller, beantwortete unsere schriftliche Anfrage so: „Ich unterstütze den Vorschlag, Social Media erst ab 16 zu erlauben. Viele Kinder und Jugendliche unter 16 Jahren sind noch nicht in der Lage und auch nicht bereit für den Druck, die ständige Reizüberflutung oder die Suchtgefahr, die damit verbunden ist.“
Lothar Hoch, stellvertretender Fraktionsvorsitzender der CDU im Triberger Gemeinderat und stellvertretender Ortsvorsteher in Nußbach, äußert sich sehr ähnlich. Er selber, so sagt der ehemalige Obergerichtsvollzieher, begnüge sich mit Whatsapp und schreibe E-Mails. Er habe auch immer noch einen PC und mache längst nicht alles über sein Handy. Hoch gab allerdings zu bedenken, dass bei der gerade zurückliegenden Landtagswahl ja bereits ab 16 Jahren gewählt werden durfte und stellte vor diesem Hintergrund die Frage in den Raum, ab wann Kinder und Jugendliche dann Medienkompetenz haben müssten.
Vielleicht Medienpädagogik als festes Fach einführen
Der lang gediente Kommunalpolitiker würde es begrüßen, möglichst früh eine Vorbereitung auf Social Media im Unterricht anzubieten. „Vielleicht sollte man ein festes Fach wie Medienpädagogik einführen“, sinniert er im spontanen Telefongespräch. Dann wüssten Kinder und Jugendliche besser, auf was sie beim Konsum von Social-Media-Portalen achten müssen. Eben schon bevor sie sich in den sozialen Netzwerken tummeln.
„Ich würde das auf jeden Fall beschränkt wissen wollen“, sagt Hoch zu Social Media im Kindergarten und im Klassenzimmer. Das sei aber erst mal seine persönliche Meinung und er wisse, dass die Diskussion darüber jetzt in den demokratischen Gremien angegangen werden müsse.
Die Eltern müssen Vorbild sein
Sein Amtskollege, der Triberger SPD-Gemeinderat Mike Mauscherning, Vorsitzender seiner Fraktion, Mitglied des Ältestenrates und Elektromeister, bringt einen neuen Aspekt ins Spiel und hat eine klare Haltung: „Vorbild sollten die Eltern sein. Die sollen selber vormachen, wie man mit Social Media umgeht.“
Leider sehe er immer wieder, dass Eltern von ihren Kindern etwas verlangen, was sie selber nicht einhalten. Da werde der Kinderwagen geschoben und während des Weges ständig in das Mobiltelefon geguckt. „Als muss man diese Strecke noch auf Social Media finden“, wundert er sich. Mauscherning, selbst Vater zweier erwachsener Kinder, sagt, dass seine Sprösslinge auch immer noch in die Zeitung gucken, wenn sie bei ihm zu Hause sind. Das freut ihn. „Es ist doch wichtig, dass man sich nicht nur aus einer Quelle informiert.“
Schulen äußern sich nicht zum Thema
Dass an manchen Schulen während des Unterrichts in den Schulklassen das Handy abgegeben werden muss und nach der Schulstunde wieder geholt werden kann, findet er auch nicht verkehrt. Zudem sollte Kindern und Jugendlichen seiner Ansicht nach beigebracht werden, wie Algorithmen funktionieren und warum sie dann irgendwann was auf dem Bildschirm ihres Handys zu sehen bekommen.
Bei Schulleitern und Lehrern in Triberg baten wir auch mehrfach um Stellungnahme zum Thema, geäußert hat sich aber keiner. Spätestens, wenn der Gesetzentwurf von der Koalition in Berlin in Stein gemeißelt werden sollte, werden sich überall im Land die Pädagogen damit auseinandersetzen müssen.